Kräuter treffen Schulmedizin

Kräuter treffen Schulmedizin

Am Evangelischen Krankenhaus Mettmann wurde am Mittwoch das Zentrum für Naturheilkunde vorgestellt. Es ist einzigartig in der Region.

Kreis Mettmann. Praxisräume à la Feng Shui: Warme Farben an den Wänden, ein Zimmerbrunnen plätschert, asiatische Paravents trennen Behandlungsbereiche ab. Die Luft riecht nach Zimt, Vanille und Blütenessenzen. Im Hintergrund dringt leise Musik aus Lautsprechern.

Das neue Zentrum für Naturheilkunde und Integrative Medizin am Evangelischen Krankenhaus in Mettmann sieht zwar so aus, als wären dort nur Privatpatienten willkommen. Aber: Auch an Kassenpatienten wird Hand angelegt.

Dass gesetzlich Versicherte vom Nutzen der Naturheilkunde profitieren können, ist nicht selbstverständlich - Auseinandersetzungen mit Krankenkassen in Fragen der Kostenübernahme sind keine Seltenheit.

"Das heißt jetzt zwar nicht, dass alle unsere Angebote von den Kassen bezahlt werden. Aber wir können eine Vielzahl an Behandlungen abrechnen", sagt Dr. Linda Tan, Leiterin des Zentrums für Naturheilkunde. Am Mittwoch stellten sie und ihr Team das Zentrum, das in dieser Form einmalig im Kreis Mettmann und darüber hinaus ist, erstmals vor.

Seit Anfang Oktober behandeln zwei Allgemeinmediziner, eine Fachärztin für Psychosomatische Medizin sowie ein Arzt für Indisch-aryuvedische Medizin Patienten mit unterschiedlichen Erkrankungen. Kombiniert werden Anwendungen aus der Traditionellen chinesischen Medizin, dem indischen Aryuveda und psychotherapeutische Verfahren mit Schulmedizin.

Der Schwerpunkt des Zentrum liegt auf der Behandlung von Patienten mit chronischen Schmerzen. "Bei ihnen können wir mit Methoden wie Akupunktur, indischen Ölbehandlungen und auch psychotherapeutischen Therapien gute Ergebnisse erzielen", sagt Dr. Tan, die betont, dass die Schulmedizin nicht ausgesperrt wird. "Alle Medizinrichtungen ergänzen sich zu einem ganzheitlichen Konzept. So kommen auch Patienten aus dem Krankenhaus zu uns, wenn die Kollegen der Meinung sind, dass eine naturheilkundliche Behandlung sinnvoll ist."

Zusammengearbeitet wird auch mit niedergelassenen Ärzten. Diese können ihre Patienten an das Zentrum für Naturheilkunde überweisen. "Wir wollen in keiner Konkurrenz mit den niedergelassenen Kollegen stehen. Unsere Angebote und deren Therapien sollen sich ergänzen", sagt Bernd Huckels, der Geschäftsführer des Evangelischen Krankenhauses in Mettmann.

Sicher ist aber auch: Das Krankenhaus hat in das Zentrum investiert, weil es eine Marktlücke gesehen hat und sich so von Konkurrenten abheben kann. So schwärmt Huckels bei der Präsentation des Zentrum von einer Klinik in Bayern mit vergleichbarer Abteilung, die er kennen gelernt hatte. "Und dort reisen Menschen aus ganz Europa hin, um sich behandeln zu lassen."

Wie viel Geld in die Hand genommen werden musste, um das Zentrum einzurichten, wollte der Geschäftsführer nicht sagen.

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