Jugend musiziert: Glücksbringer sind mit dabei

Jugend musiziert: Glücksbringer sind mit dabei

Aufgeregte Nachwuchsmusiker stellen sich in der Musikschule Hilden der Bewertung der Jury von „Jugend musiziert“.

Kreis Mettmann. "Meine Finger sind ganz kalt", sagt Pianistin Shuyan Lok (14). Zusammen mit ihrer Querflötenpartnerin Chiara Hüshoff (11) steht sie aufgeregt vor der Türe der Wertungsspiele. Gleich sind sie dran. Die Ratinger Mädchen wollen endlich zeigen, was sie können. Auch ihr Lehrer Hubert Takke ist aufgeregt: "Wahrscheinlich sogar mehr als die beiden zusammen."

Es ist für viele Jugendliche und Kinder ein Meilenstein in ihrer Musiklaufbahn. Ein Schritt, der viel Mut und Üben braucht, aber auch ein gewaltiger Ansporn für die Zukunft ist. Zu dem 47. "Jugend musiziert"-Wettbewerb am Freitag und Samstag in der Musikschule Hilden kamen rund 140 junge Musiker und Sänger, die ihr Können vor einer Jury präsentierten. Eines zeigten sie alle: Leidenschaft für die Musik.

Dann ist es soweit: Konzentriert nicken sich beide Mädchen zu. Shuyans Hände gleiten über das Klavier, Chiaras Finger fliegen in schnellem Tempo über die Tasten ihrer Querflöte. An ihrem Schlüsselbund baumeln ihre Glücksschweinchen.

Die beiden Musikerinnen geben der James Hooks Sonate Nr. 1 in G-Dur ihre spezielle Note. Die Aufregung scheint von ihnen gewichen, Eltern und Musiklehrer atmen gleichermaßen auf.

Kein Fehler, kein Stocken. Als der letzte Ton verklungen ist, scheinen die jungen Musikerinnen erleichtert. "Ich dachte, es wäre mehr wie bei Deutschland sucht den Superstar", sagt Chiara. Über ihren zweiten Platz freuen sich die beiden Mädchen besonders. Auch Mutter Jutta Hüshoff ist stolz: "Für mich klingt es immer gut."

Die Musikschule gleicht an diesem Tag einem Ameisenhaufen. Aufgeregte kleine Musiker mit Geigen, Flöten, Celli und Gitarren wuseln durch die Gänge. Eltern reden beruhigend auf ihre Schützlinge ein und drücken die Daumen, als sie nur noch im Publikum sitzen können.

Töne aus Bachs, Strauß’s und Carullis Repertoire liegen in der Luft. In den Übungsräumen geht jeder seine Stücke noch einmal durch - das letzte Mal, bevor die Jury sie zu hören bekommt.

"Ausdruck, Technik, Stückauswahl - für die Bewertung achten wir auf alles", sagt Jurymitglied Oliver Drechsler. Er ist positiv angetan von den vielen hervorragenden Talenten, die er heute zu hören bekommen hat. Als ein Kollege von Casting-Schreck Dieter Bohlen sieht er sich nicht: "Wir betonen immer das Positive. ‚Jugend musiziert’ soll Lust machen auf Mehr."

Bei Johannes Brzoska aus Heiligenhaus hat das geklappt. Zum vierten Mal ist der Elfjährige bereits sehr erfolgreich dabei. Seine erste Geige bekam er im Alter von 18 Monaten. "Ich habe immer André Rieu gehört und da wollte ich auch unbedingt spielen lernen", sagt er.

Er ist kaum noch aufgeregt, wenn er vor der Jury steht. In diesem Jahr wird er von Christian Ziegler (19) aus Wülfrath am Klavier begleitet. Christian selbst ist bei dem musikalischen Wettbewerb ein Routinier und kann seine Auftritte gar nicht mehr zählen. Seine Glückssocken müssen trotzdem immer dabei sein.

Luke Pan (11) hat sein Wertungsspiel schon hinter sich. Freudestrahlend kommt er mit Gitarrenkollege Mathis Bullinger (11) aus dem Jury-Zimmer: "Wir haben 25 Punkte. Die Jury hat gesagt, es war professionell. Technik und Ton seien sehr gut und die Teamarbeit spitze." Bei "Jugend musiziert" ist das die Höchstpunktzahl. "Wir haben aber auch viel geübt."

Luke kann nun beim Landeswettbewerb im März in Essen in die nächste Runde starten. Schon jetzt scheint der junge Musiker es kaum abwarten zu können und würde seine Gitarre am liebsten an Ort und Stelle gleich noch einmal auspacken. "Vorher übe ich noch mit meiner Schülerband", sagt er.

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