In dem Radweg ist Musik drin

In dem Radweg ist Musik drin

Mit vielen Aktionen rund ums Thema Mobilität wurde am Samstag der Panoramaradweg Niederbergbahn eröffnet.

Wülfrath/Velbert. An dieser Kreuzung staut es sich mächtig. Doch kaum jemand schaut missmutig. Lächelnde Menschen überall. Vor allen Dingen in dem Moment, als von den Höhen Velberts ein Tross den Berg zum Wülfrather Zeittunnel hinunter rollt — an der Spitze Velberts Bürgermeister Stefan Freitag. Claudia Panke, die Amtskollegin aus Wülfrath, begrüßt ihn herzlich. Nun geht auf dem Panoramaweg in diesem Bereich nichts mehr. Immer mehr wollen zur zentralen Eröffnungsveranstaltung kommen. Mehr als 1000 Menschen sind es schließlich.

An den weißen Polo-Shirts mit dem grünen Logo für den Radweg, der über 42 Kilometer, Heiligenhaus, Velbert, Wülfrath und Haan verbindet, sind die Vertreter von Kreis und beteiligten Städten zu erkennen. Nur NRW-Wirtschafts- und Verkehrsminister Harry Voigtsberger fällt aus dem Rahmen mit seinem feinen Zwirn. „Ich wäre wohl besser in kurzen Hosen gekommen“, witztelt er in seiner Rede. Mit rund acht Millionen Euro hat das Land den 12-Millionen-Bau bezuschusst. „Und jeder Cent hat sich gelohnt.“ Der Kreis Mettmann, lobt er, sei so attraktiv.

Bester Laune ist auch Landrat Thomas Hendele. „Das ist ein fantastischer Tag für das Neanderland.“ Er lässt die Entstehungsgeschichte der Trasse Revue passieren und verrät, wer die Idee 2008 hatte: „Das war Heiligenhaus’ Bürgermeister Jan Heinisch. Der hat uns Skeptiker überzeugt. Das war gut so.“

Nach einem ökumenischen Gottesdienst geht es auf die Strecke. Ein grünes Band versperrt noch den Weg. Pastor Heinz-Otto Langel und Pastor Ingolf Kriegsmann segnen die Asphaltpiste. Strecken-Pate Paul Meier, medaillen-gekrönter Zehnkämpfer aus Velbert, verfolgt das Prozedere interessiert, als Landrat und Bürgermeister das Band durchschneiden.

Während in Wülfrath das Musikprogramm beginnt, das die Radler jazzig auf die Strecke schickt, fahren die Offiziellen in Richtung Velbert. Mitten in Tönisheide ist eine Straße gesperrt — eine ausgelassene Festmeile. Mittendrin: Evia und Klaus Schmitt aus Essen. Via Kettwig sind sie auf den Radweg gestoßen. Für die beiden Radtouristen ist der Lückenschluss zwischen Ruhrgebiet und Bergisches Land ein Glücksgriff. „Das eröffnet uns ganz neue Wege.“ Marie Gradl (11) hat sich auf ihren Rollen ans Rad der Mutter gehängt und lässt sich gen Velbert ziehen. Elke (15) und Sara (16) skaten normalerweise am Baldeneysee. Die Velberterinnen sehen eine Alternative, „und das direkt vor der Haustür“.

Gerade 17 Jahre ist Markus Wernet. Und er ist eisenbahnverrückt. Mit dem Verein Railroad Patrol veranstaltet er Führungen im alten Wülfrather 1938 erbauten Stellwerk, das bald abgerissen werden soll. Auch bietet der Verein Fahrten mit der Draisine im alten Bahnhofsgelände an.

Versonnen beobachtet Friedhelm Reusch, Projekt-Koordinator im Kreishaus, das Geschehen auf und an der Trasse. Das Lächeln bleibt den ganzen Tag in seinem Gesicht: „Habe ich doch gesagt: Die Menschen werden den Weg sofort in ihr Herz schließen.“

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