Hypnose - ein Selbstversuch

Hypnose - ein Selbstversuch

Hypnose — ein fauler Zauber? Von wegen: WZ-Redakteur Benjamin Dietrich macht beim Selbstversuch erschreckende wie schöne Erfahrungen.

Mettmann. Und auf einmal ist sie da: die Panik. Die Angst, Kontrolle zu verlieren. Die Augen lassen sich nicht mehr öffnen, die Angst, dass das so bleiben könnte, ist groß.

Einen kurzen Moment lang hat das Bewusstsein wieder Macht über die Körperfunktionen, die Augen blinzeln kurz. Die Welt ist noch da, ich auch. Alles ist gut.

Langsam schaltet der Körper in den Entspannungsmodus, die Atmung wird ruhiger. „Das machen Sie sehr gut, alles ist ruhig, Sie entspannen total, die Augen sind geschlossen.“

Ulrich Mannes, Physiotherapeut und Heilpraktiker für Psychotherapie am Evangelischen Krankenhaus Mettmann, wiederholt diese Sätze. Sie setzen sich im Gehirn fest, bis der Körper einen Zustand von Trance erreicht hat.

Oder, wie Hypnosetherapeut Mannes es nennt, „ein Dös-Gefühl“ spürt. Denn nichts anderes haben die Patienten, die hypnotisiert werden oder sich selbst hypnotisieren.

Am Evangelischen Krankenhaus in Mettmann kommen Menschen in Mannes Hypnosekurse, die chronische Schmerzen oder Schlafstörungen haben, abnehmen oder mit dem Rauchen aufhören wollen.

„Hypnose kann bei solchen Beschwerden in vielen Fällen Erfolge bringen“, sagt der Fachmann. Allein bei Rauchern, die sich mittels Hypnose das Laster abgewöhnen wollen, liege die Erfolgsquote nach zwei bis drei Sitzungen bei 90 Prozent.

Mit Esoterik und Hokuspokus hat Hypnose nichts zu tun. „Das ,Dös-Gefühl’ ist ein natürlicher Zustand des Gehirns, das übrigens alle 90 Minuten für Sekunden abschaltet und somit von sich aus quasi in Hypnose ist.

Ich lehre unsere Klienten die Techniken, wie sie sich selbst in den Alpha-Bereich versetzen können, der vergleichbar mit der Phase ist, bevor wir richtig einschlafen.“

Und dieser Zustand fühlt sich schon nach wenigen Minuten wohltuend an. Die Glieder entspannen sich immer mehr. Nur meine Arme sind ausgestreckt. Auf der einen Hand liegt in der Fantasie ein schweres Buch. Das fühlt sich schwer an und immer schwerer — der Arm sinkt.

Der andere Arm hingegen streckt sich nach oben. „An der Hand ist ein Luftballon festgebunden, der mit Helium gefüllt ist. Und sie spüren, wie Ihr Arm nach oben geht“, sagt Mannes immer wieder.

Dann zählt er bis drei und der Arm soll fallen, lautet die Aufforderung. Und er fällt. Was er sagt, was um mich herum geschieht, nehme ich wahr. Doch steuern lässt sich nichts mehr. Es geschieht einfach.

„Das ist normal und keine Zauberei. Im Hypnosezustand ist die linke Hälfte, die immer alles kontrollieren will, wie lahmgelegt. Die rechte ist dagegen viel aktiver. Die macht einfach nur und reagiert auf die Suggestionen, wenn derjenige sich auch darauf einlassen kann.“

Wer dies zulässt, der erreicht im Lauf der Sitzung den Zustand absoluter Tiefenentspannung. Und genau das machen sich Mediziner und Therapeuten zu nutze, wenn sie Schmerzen lindern oder Menschen ohne Medikamente zum Schlafen bringen wollen.

„Das ist erstaunlich. Ich hatte hier Frauen, die haben jeden Abend Schlaftabletten genommen. Nach ein paar Hypnose-Sitzungen konnte sie ohne die Pillen einschlafen.“

Meine Arme liegen ruhig auf den Oberschenkeln. Der Körper ruht im Sonnenschein und soll immer wärmer werden, sagt Mannes. Es kribbelt auf der Haut. Bilder von einem Strand und Meer machen sich breit.

„Bei drei werden Sie wieder wach und sind erfrischt im Hier und Jetzt.“ Die Augen öffnen sich, der Körper fühlt sich locker an wie nach einer äußerst erholsamen Nacht. Und im Kopf ist nur ein Gedanke: Schade, dass es schon vorbei ist.