Hollywoods Diven spielen bei Albert Köster die Hauptrollen

Hollywoods Diven spielen bei Albert Köster die Hauptrollen

Historie: Das Capitol-Filmmuseum in Ratingen führt durch die Geschichte des Kinos – und steht vor dem Aus.

Ratingen. Marilyn Monroe, Gina Lollobrigida und Cary Grant - allesamt Hollywoodgrößen, die unvergessen sind und sich mit ihren Filmen in die Herzen der Zuschauer gespielt haben - auch in das von Albert Köster. Er ist der Inhaber des Capitol-Filmmuseums in Ratingen, das in seiner Art einzigartig im Kreis Mettmann ist.

Vor zehn Jahren hat er das Museum mit etwa 700 Ausstellungsstücken eröffnet. Das älteste, eine Filmvorführmaschine vom Typ ErnemannI, stammt aus dem Jahr 1904. Über drei Etagen eines Wohnhauses zieht sich die Ausstellung.

Und immer wieder lächeln sie von der Wand, die unvergessenen Film-Stars - auf riesigen Plakaten. "Das sind doch großartige Schauspieler. Die haben Filmgeschichte geschrieben, wahres Kino gemacht", sagt Köster, während er durch sein Museum geht.

Und wenn der 73-Jährige von wahrem Kino spricht, dann meint er das auch so. Moderne Technik mag er nicht. "Beamer &Co. können das gar nicht vermitteln, das echte Kinoerlebnis. Das geht nur mit echtem Film und Licht." Der Kenner weiß: "Nur so gibt es wirklich scharfe Bilder mit Farbtiefe und Schwärze."

Etliche Filmspulen, Projektoren, Kameras und alte Filmdosen aus unterschiedlichen Jahrzehnten hat Köster in seiner Sammlung. Rund 40 Jahre ist der nun 73-Jährige durch ganz Deutschland gereist, um diese zu ergattern. "Immer dann, wenn ein Kino dicht gemacht hat, habe ich geschaut, was ich aufkaufen kann", sagt er.

Kino und Film - das sind Leidenschaften des gelernten Drogisten. Schon als Kind war er von der Technik fasziniert. Sein Elternhaus befand sich neben dem Capitol-Lichtspielhaus an der Oberstraße, das längst der Vergangenheit angehört. "Als Junge bin ich dann immer über das Dach in den Vorführraum geklettert. Der Filmoperateur, wie sich der Vorführer eigentlich nennt, hat mir dann gezeigt, wie ich Filme einlegen, zurückspulen und den Projektor bedienen muss."

Das macht er heute noch: Besuchern zeigt er nach der obligatorischen, einstündigen Führung durch das Museum den ältesten Film Ratingens aus dem Jahr 1926.

Doch in einem Jahr wird damit Schluss sein: "Ich gebe das Museum auf. Ich werde auch nicht jünger", sagt er. Bis jetzt habe sich noch niemand gefunden, der das Museum übernehmen möchte. "Die Stadt wollte nicht einmal den ältesten Film haben", sagt Köster.

Was nicht nicht zuletzt am Preis liegt. Köster will 195000Euro haben. Und das für 60 Minuten Film. "Aber das Geld will ich an die Deutsche Aussätzigenhilfe spenden. Die sollen davon eine Krankenstation für Leprakranke bauen. Das ist eben teuer", sagt Köster, der sich sicher ist, dass es genügend Leute gibt, die nicht wissen, was sie mit ihrem Geld anstellen sollen. "Für die ist das die beste Investition, die sie machen können."

Die Organisation soll auch einen Teil der 700 Ausstellungsstücke bekommen. "Sie können die Sachen dann verkaufen und aus dem Erlös weitere gute Dinge für die Kranken tun", sagt der Museumsbetreiber, der dies in seinem Testament verfügt hat.

Aber vielleicht, das ist auch die Hoffnung von Köster, wird es doch noch jemanden geben, der das Museum übernimmt. Dann können Marilyn, Gina und Cary weiterhin die Besucher des Filmmuseums mit ihrem Hollywoodlächeln willkommen heißen.

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