Historie: Als der Kreis Mettmann abgeschafft wurde

Historie: Als der Kreis Mettmann abgeschafft wurde

Am 1. August 1929 verlor der Kreis Mettmann seine Selbstständigkeit und wurde mit dem Landkreis Düsseldorf zusammengelegt.

Kreis Mettmann. Zum 1. August wird der Kreis Mettmann aufgelöst - dieses ist eine radikale Folgerung aus dem "Gesetz über die kommunale Neugliederung des rheinisch-westfälischen Industriegebiets".

Mit Veröffentlichung des Gesetzestextes am 29. Juli 1929 - also vor 80 Jahren - wurde das in die Praxis umgesetzt, was bereits 1927 in Gang gesetzt worden war: eine Veränderung von Grenzen für Städte und Landkreise "aus Gründen des öffentlichen Wohles", beschlossen durch den preußischen Landtag.

Für den damals amtierenden Landrat Walter zur Nieden ein Schock. "Die Systemregierung hat mich ruhig gewähren lassen. Das aber hat sie nicht gehindert, mich bei der kommunalen Umgliederung aus politischen Gründen in die Wüste zu schicken", erinnert sich das Mitglied der konservativen Deutschen Volkspartei (DVP) später in seinen Memoiren über das "Verhängnis von Rieseneingemeindungen und Kreiszusammenlegungen". Schließlich hatte zur Nieden über 25 Jahre an der Spitze der Kreisverwaltung gestanden.

Und tatsächlich war der Kreis Mettmann, der innerhalb der Rheinprovinz seit 1861 bestand, überschaubar geblieben. Er bestand aus den Städten und Gemeinden Ellscheid, Gruiten, Haan, Hardenberg, Millrath, Langenberg, Mettmann, Obgruiten, Schöller, Sonnborn, Vohwinkel, Velbert und Wülfrath.

Weil aber die Verkehrsverhältnisse in die Kreisstadt Mettmann so schlecht waren, wurden 1877 die Kreisbehörden nach Sonnborn-Vohwinkel verlegt, ohne dass damit eine erneute Namensänderung verbunden war.

Damals gehörten Hilden, Ratingen und Erkrath zum Landkreis Düsseldorf, Monheim und Richrath zum Landkreis Opladen.

Der Beschluss des Preußischen Landtages war klar: Alles sollte straffer und größer werden. Also kam Erkrath zur Stadt Düsseldorf. Ein Teil der Städte Haan und Wülfrath sowie Teile der Gemeinde Gruiten und Schöller wurden wie Vohwinkel in die neue Stadt Barmen-Elberfeld eingemeindet. Die restlichen Städte des Kreises Mettmann wurden dem neu gebildeten Landkreis Düsseldorf-Mettmann eingegliedert.

Zur Nieden hatte noch im Dezember 1928 den preußischen Innenminister von Leyden um ein Gespräch gebeten. "Ich wies darauf hin, dass der Kreis Mettmann nach dem Regierungsplan ein abgerundetes Gebiet mit rund 100 000 Einwohnern und vorzüglichen Finanzverhältnissen behalte, und bat, von der Vereinigung mit dem Landkreis Düsseldorf abzusehen."

Doch sein Vorstoß lief ins Leere. Der Minister bat ihn, seine Bedenken fallen zu lassen, denn der Landkreis Düsseldorf sei in einer schlechten Finanzlage und habe die Vereinigung mit dem Kreis Mettmann "dringend nötig".

Als die kommunale Neugliederung nicht mehr aufzuhalten war, beschloss der Mettmanner Kreistag am 23. Juli 1929 noch eine Resolution: Da der Kreis Mettmann in den neuen Landkreis die bei weitem überwiegende Einwohnerzahl und Steuerkraft einbringen würde, sollte sein Name auch Mettmann-Düsseldorf lauten.

Doch wie anders sollte es sein: Da der Kreis Mettmann durch die Eingemeindung Vohwinkels kein Verwaltungsgebäude mehr vorweisen konnte, die Kreis-Düsseldorfer jedoch ein solches Gebäude besaßen, und zu den damaligen Wirtschaftszeiten Sparsamkeit angesagt war, war die Wahl des Kreissitzes schnell gefallen.

"Solche Verhältnisse, wie sie im Landkreis Düsseldorf-Mettmann geschaffen wurden, sind der beste Weg, die politische Fühlung der Bevölkerung mit dem Landrat sowie ein Kreisleben zu verhindern", schimpft Walter zur Nieden in seinen Memoiren.

"Die Kreisbevölkerung, die das Landratsamt aufsuchen wollte, hat meistens kein Auto und auch die sonstigen Verkehrsmittel sind angesichts der Entfernung teuer." Ein Zustand, der sich erst mit dem Neubau in Mettmann 1958 ändern sollte. Und erst mit der kommunalen Neugliederung von 1975 konnte der Kreis Mettmann die Zwangsehe verlassen.

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