50 Jahre Yoga in Hilden Ein klarer Geist und ein weites Herz

Hilden · 1974 wurde die Yoga-Gruppe Hilden vom Arzt Werner Spiegelhoff gegründet. Sie darf nun auf ein halbes Jahrhundert lebendige Yoga-Kultur zurückblicken. Was den Verein von vielen anderen Anbietern der indischen Heilslehre unterscheidet.

Inge Fuchs (Bildmitte), Astrid Strobel (Vordergrund) und Claudia Pongé (Hintergrund) sorgen für ein aktives Vereinsleben.

Inge Fuchs (Bildmitte), Astrid Strobel (Vordergrund) und Claudia Pongé (Hintergrund) sorgen für ein aktives Vereinsleben.

Foto: Köhlen, Stephan (teph)

Es begann alles in der Uni-Klinik in Köln, wo Werner Spiegelhoff als junger Arzt tätig war. Dort lernte er einen indischen Kollegen kennen, der nicht nur Arzt, sondern auch Yoga-Meister war: Bei gemeinsamen Visiten empfahl Gouri Shanker Mukerji häufig Therapien, die bei uns in Deutschland unbekannt waren und dem Yoga entstammten. Die Erfolge waren oft überraschend gut, sodass Spiegelhoff sich immer stärker für diese Heilweisen interessierte.

Patienten machten Yoga, ohne dass sie es wussten

Spiegelhoff ließ sich selbst im Yoga ausbilden und bereits 1963 erschien das Buch „Yoga und unsere Medizin“, das Spiegelhoff zusammen mit Mukerji verfasst hat. „Das Buch kam gut an“, erzählt Astrid Strobel, Vorsitzende und Yoga-Lehrerin der Yoga-Gruppe. Zunächst wandte Spiegelhoff Yoga-Praktiken auch bei seinen Patienten an. „Ohne, dass sie es wussten“, verrät Strobel. „Denn damals hatte das noch den Ruf von einer Sekte.“ Später erteilte er ersten Unterricht in seiner internistischen Praxis, später dann in seinem Wohnzimmer. „Irgendwann wurde das Wohnzimmer zu klein“, erzählt Astrid Strobel. Die Idee kam auf, bei der Volkshochschule Kurse zu geben. Das tat Spiegelhoff, bis er 1974 schließlich den Verein Yoga Gruppe Hilden gründete. „Weil nur ein Verein Hallen mieten kann“, begründet Astrid Strobel.

Die ersten Jahre praktizierte der Verein in der Albert-Schweitzer-Schule am Wiedenhof. Bereits vier Monate nach der Gründung veranstaltete der Verein sein erstes Yoga-Seminar, nämlich am 10. November. Da Yoga zur damaligen Zeit eine absolute Neuheit war und vielen unbekannt, erfreute sich nicht nur der Verein, sondern vor allem auch die Yoga-Seminare, für welche stets namhafte Referenten gewonnen werden konnten, großer Beliebtheit. „In der Aula dort war es so voll“, erinnert sich Yoga-Lehrerin Claudia Pongé. „Da waren 120 Leute.“

Jeweils donnerstags
gibt es zwei Treffen

Seit 1990 hat die Yoga-Gruppe eine neue Heimat in der Turnhalle der Theresienschule an der Gerresheimer Straße gefunden. Zweimal im Jahr organisiert die Gruppe ein Seminar. Dabei werden ganz unterschiedliche Themen behandelt, wie „Die mystische Seite des Yoga“ oder „Klarer Geist – Weites Herz“ oder „Yoga-Praxis auf dem Hintergrund der indischen Philosophie“. Und nicht nur diese Tradition hat sich über die 50 Jahre hin erhalten, auch der Praxis-Tag, der seit Gründung des Vereins immer der Donnerstag geblieben ist.

Noch heute trifft sich die Gruppe an jedem Donnerstag, einmal um 18 Uhr und einmal um 19.30 Uhr. Die drei Lehrerinnen Astrid Strobel, Claudia Pongé und Inge Fuchs unterrichten abwechselnd. Die Yoga-Praxis macht lediglich während der Sommerferien drei Wochen Pause, weil in dieser Zeit die Turnhalle geschlossen ist. Rund 80 Mitglieder hat der Verein, der durch die Corona-Pandemie auch eine kleine Krise durchmachen musste. „Da hatten wir einen Einbruch und nur noch 65 Mitglieder“, erzählt Ulrike Kiersch-Hückel, Kassiererin des Vereins. Und das obwohl die Yoga-Lehrerinnen Online-Unterricht angeboten haben. Doch mittlerweile haben sich die Mitgliederzahlen wieder erholt.

Vieles hat sich in den 50 Jahren verändert. Mittlerweile kann man von einem richtigen Yoga-Hype sprechen. Fitness-Studios und Sportvereine bieten ebenfalls Yoga an. Doch die Yoga Gruppe Hilden hat sich nicht von diesem Hype vereinnahmen lassen, sondern ist ihrer Tradition treu geblieben. „Wir machen traditionelles Yoga mit den drei Aspekten: Körper, Atmen, Geist“, sagt Inge Fuchs. So, wie es Werner Spiegelhoff gelehrt und praktiziert hat. „Bei uns wird noch reingespürt“, sagt Astrid Strobel. Also nicht von einer Übung zur nächsten gewechselt. „Wir legen nicht nur auf den Körper großen Wert. Es geht nicht darum, dass man sich verrenkt. Es ist wichtig, den Geist und die Seele mit dazu zu nehmen“, betont Claudia Pongé. „Das wird in unserer schnelllebigen Zeit gern vergessen.“ Neben dem regelmäßigen Unterricht veranstaltet die Gruppe auch Sommerfeste und Weihnachtsfeiern, um die Gemeinschaft zu fördern.