Wohngemeinschaft „Frieda“ zieht ins Erdgeschoss

Wohngemeinschaft „Frieda“ zieht ins Erdgeschoss

An der Schumannstraße entsteht Hildens erste Wohngemeinschaft für Demenzkranke.

Hilden. „Frieda“ kommt. Das ist nicht der Name einer ungeliebten Tante, sondern von Hildens erster ambulant betreuter Wohngemeinschaft für Menschen mit Demenzerkrankungen. Im Spätsommer oder Herbst dieses Jahres sollen die ersten Mieter in den Neubau neben der Friedenskirche (daher der Name) einziehen können. Insgesamt zehn 16,5 bis 25,5 Quadratmeter große Zimmer stehen dort zur Verfügung. Realisiert wird das Projekt durch das Diakonische Werk.

„Die Idee einer Demenz-WG ist schon seit 15 bis 20 Jahren in der Erprobung“, sagt Pfarrerin Sonja Schüller, Vorsitzende des Diakonischen Werkes in Hilden. Umgesetzt wurde es bisher aber selten. Im Kreis Mettmann gibt es gerade einmal zwei vergleichbare Einrichtungen — in Mettmann und Velbert. Eine weitere WG entsteht zurzeit in Heiligenhaus.

Für Pfarrerin Schüller ist die Wohngemeinschaft „eine echte Alternative zur Heimunterbringung“, die ihren Bewohnern „so viel Lebensqualität wie möglich“ bieten soll. Denn im Gegensatz zu einem Pflegeheim bestimmen die Bewohner und deren Angehörige die Abläufe in der WG weitgehend selbst — von der Freizeitgestaltung bis zum Essensplan.

Jeder Mieter hat ein eigenes Zimmer mit Bad und kann seine Möbel mitbringen. Es gibt große Gemeinschaftsräume, eine offene Wohn- und Essküche, einen Wintergarten und einen Sinnesgarten im Außengelände. Wichtig ist der Theologin auch, dass die Menschen mit Demenz nicht nur unter sich bleiben müssen. „Es bestehen viele Kontaktmöglichkeiten mit dem Gemeindeleben an der Friedenskirche in unmittelbarer Nachbarschaft“, sagt Pfarrerin Schüller.

Bauträger des neuen Seniorenwohnhauses an der Schumannstraße 16 ist die Hildener IBS Immobilien AG. Die Seniorenwohnungen im ersten und zweiten Obergeschoss werden durch den Bauträger vermarktet. Das etwa 400 Quadratmeter große Erdgeschoss kauft das Diakonische Werk für rund eine Million Euro. Finanziert wird dies zu einem Drittel über Kredite, die anderen zwei Drittel stammen aus Zuschüssen und Spenden — unter anderem von den Hildener Butz-, Brock- und Mudersbach-Stiftungen.

Sechs Euro pro Quadratmeter kosten die Wohnungen an Miete — inklusive der Nebenkosten. „Wir wollten die Mietkosten auf einem sozialen Niveau lassen“, sagt Pfarrerin Schüller. Die größte Wohnung kostet somit rund 400 Euro im Monat. Hinzu kommen etwa 1000 Euro pro Mieter für die rund um die Uhr anwesenden Betreuer. Welcher Dienstleister mit der Betreuung und der ergänzenden Pflegeleistungen betraut werden soll, bestimmen die Mieter und deren Angehörige ebenfalls selbst.

Dass es einen Bedarf für die Demenz-WG gibt, steht für Pfarrerin Schüller außer Zweifel: In Hilden leben aktuell 12 739 Menschen, die älter als 65 Jahre sind. Nach einem bundesweit festgelegten Schlüssel dürften davon bereits heute etwa 880 Menschen an einer Demenzerkrankung leiden — und jährlich kommen 242 Neuerkrankungen hinzu.

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