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Ausstellung „Danke, Maus!“: „Wir haben unsere Mäuse zu Models gemacht“

Ausstellung „Danke, Maus!“ : „Wir haben unsere Mäuse zu Models gemacht“

Interview Heidi und Hans-Jürgen Koch zeigen im Fabry-Museum eine Fotoausstellung namens „Danke Maus“.

„Danke Maus“ heißt der Titel der aktuellen Fotoausstellung von Heidi und Hans-Jürgen Koch, die aktuell im Wilhelm-Fabry-Museum zu sehen ist. Stellvertretend für die gesamte Menschheit bedankt sich das renommierte Fotokunst-Paar bei der Labormaus, die allerdings nicht freiwillig geholfen hat, so manches Medikament zum Wohle menschlicher Gesundheit zu testen. Zahlreiche Fotografien zeigen das Tier mit ihrer natürlichen Individualität.

Wie haben sie als Tierfotografen begonnen, gab es da einen konkreten Auslöser?

Hans-Jürgen Koch: Sie dürfen uns gern Tierfotografen nennen, aber eigentlich sind das die anderen. Tierfotografen würden das, was wir machen eigentlich nicht machen

Heidi Koch: Uns geht es nicht um Biologie oder die Schönheit der Natur, bei uns gibt es in der Regel noch einen anderen Hintergrund, wissenschaftlich wie soziologisch und diese zweite Ebene ist uns ganz wichtig. Ich habe Sozialarbeit studiert und Hans-Jürgen Verhaltensforschung. Wir wollten einen Traum umsetzen und haben uns als Fotografen selbstständig gemacht, und dann passierte, was eigentlich nie passiert, denn es kam ein Anruf des Magazins Stern.

Hans-Jürgen Koch: Wir hatten da schon einige Tierbilder, darunter auch von Nagetieren gemacht, und unsere Agentur hat uns dann gleich als Mäuse-Spezialisten angepriesen. Der Stern wollte Fotos von Hausmäusen haben, und zwar so, wie man sie bis dahin noch nicht gesehen hatte. Wir waren ehrlich, wir sagten wir sind noch ganz frisch, aber wir trauen uns das zu. Und wir haben das ganz gut gemacht, in deren Augen sogar sehr gut, und dann waren wir drin, es folgen Reportagen mit Spatzen bis hin zu Eisbären.

Eine Maus ist kein menschliches Model, deren Fotos aktuell in der Peter-Lindbergh-Ausstellung im Düsseldorfer Kunstpalast zu sehen sind. Was mussten Sie sich an besonderen Fähigkeiten aneignen, um diese besonderen Tierfotos zu machen?

Heidi Koch: Lindbergh ist ein gutes Beispiel, denn letztlich haben wir unsere Mäuse zu Models gemacht und immer versucht, ihre ganz speziellen Eigenarten, ja Persönlichkeiten hervorzubringen. Dazu sind wir immer nah an die Maus rangegangen.

Hans-Jürgen Koch: Unsere Idee war tatsächlich die einzelne Maus aus ihrer Anonymität als Labormaus herauszuholen, um mit fotografischer Nähe ihre Persönlichkeit, und damit Respekt gegenüber der Kreatur zu zeigen. Dazu gehört natürlich ein langes „Mäusestudium“, um herauszufinden, welchen Charakter sie haben, was sie können oder worauf sie reagieren.

Sie haben die unterschiedlichsten Tiere für renommierte Zeitschriften von Stern über Geo bis mare aufgenommen und dafür unzählige Preise erhalten. Haben Sie eigentlich ein Lieblingstier?

Heidi Koch: Ja natürlich, unser Totemtier, unser Companion ist das Gürteltier, die wir in Texas fotografiert haben, Diese Tiere sind klein, dumm und stinken und für uns sind sie totale Sympathieobjekte.

Hans-Jürgen Koch: Die sind so dusselig, die gehen einfach ihren Weg, und das ist auch unser Motto.

Gibt es Tiere, die Sie gern mal aufgenommen hätten, was aber aus irgendwelchen Gründen nicht geklappt hat?

Heidi Koch: Nein, das kann ich eigentlich nicht sagen, wir arbeiten jetzt seit 30 Jahren und haben über 100 Projekte realisiert.

Hans-Jürgen Koch: Uns geht es weniger um spezielle Tiere, wir wollen Tiere zeigen wie sie sind, und dazu gehört eben auch schon mal Dreck oder Gestank, dieses Animalische, was eben nicht vordergründig schön ist, das würde mich mal reizen, mit Tieren, die eben nicht sexy sind.

Haben Sie selber eigentlich Tiere?

Heidi Koch: In jüngeren Jahre ja, Wellensittiche, Schildkröte und Hund.

Hans-Jürgen Koch: Um Gottes Willen. Wir gucken die Viecher professionell an, mit einer professionellen Distanz. Ähnlich wie Helmut Newton, der auf die Frage, wie das Verhältnis zu seinen Models gewesen sei, geantwortet hat „Wie das eines Bauern zu seinen Kartoffeln“

Der wollte einfach sagen, dass der Blick professionell und nicht gefühlsbetont sein muss.

Was würden Sie einem Hobbyfotografen, der sich mit Tierbildern befassen will, mit auf den Weg geben?

Heidi Koch: Ich weiß gar nicht, ob ein Hobby-Fotograf sich dieser Aufgabe, sich monatelang intensiv mit den Tieren zu befassen, stellen würde. So sind wir bei den Mäusen beispielsweise selbst zu Züchtern geworden.

Hans-Jürgen Koch: Doch einen Rat hätte ich: dass man auf keinen Fall den Klischees hinterher laufen sollte, eine eigene Sichtweise entwickelt und guckt, dass man etwasNeues ausprobiert. Es ist schade, aber viele junge Fotografen fotografieren heute wie vor Jahrzehnten, nur moderner.