Warum die Stadthalle Hilden ist wie sie ist

Hilden : „Stadthalle hat Nerven gekostet“

Hans Strizewski hat in Hilden mehrfach seine Handschrift als Architekt hinterlassen. 

Hans Strizewski hat im Stadtbild seine Handschrift hinterlassen. Mehr als ein Dutzend wichtige,  Bauten hat der Architekt geplant, der heute zurückgezogen im Norden der Stadt lebt. „Die Stadthalle war das interessanteste Projekt“, erinnert sich der 90-Jährige: „Sie hat mich aber auch am meisten Nerven gekostet.“

Auf dem Gelände produzierten einst die Seidenwerke Gressard & Cie. 1962 kauft die Stadt das rund 13 000 Quadratmeter große Areal, einer der „bedeutendsten Grundstücksverkäufe der Nachkriegszeit“, so der ehemalige Stadtkämmerer Heinz Brieden. Ziel war es, Innenstadt und Unterstadt (das heutige Bahnhofsviertel) über das neue Areal miteinander zu verbinden. Wie, zeigt das Foto mit dem Modell. Dort sollte auch die neue Stadthalle stehen. „Die CDU wollte ein Kulturhaus, die SPD mehr ein Bürgerhaus zum Feiern“, erinnert sich Strizeweski: „Schließlich einigte man sich auf ein Rathaus für Kultur.“ Die Stadt schrieb 1973 einen Architektur-Wettbewerb aus, den Strizewski gegen vier weitere Mitbewerber aus NRW gewann. Seine „Mehrzweck-Halle“ brachte mit Hilfe von damals modernster Technik drei Funktionen – Kultur, Feiern, Bürgerhaus – unter einen Hut.  Die Politiker von der Verkleidung mit Blei zu überzeugen, habe ihn einige Mühe gekostet: „Das Material hat Charakter. In 500 Jahren ist es durch die Verwitterung richtig schön.“ Bei der Brandschau wurde festgestellt, dass die Klappsitze im Zuschauerraum zwei Zentimeter zu lang waren. „Die Stühle waren schon in Süddeutschland bestellt“, erinnert sich der Planer: „Ich habe eine Nacht kaum geschlafen und bin dann nach Nördlingen gerast.“ Können wir das noch ändern?, war seine bange Frage. Kein Problem,meinte das Unternehmen. „Ich habe immer einen Schutzengel gehabt“, glaubt Hans Strizewski: „Ich habe meinen Beruf geliebt. Ein Bau macht immer Probleme. Und dann muss man eine Lösung finden.“

Für das Steinhäuser Zentrum allerdings, eine der bekanntesten Bausünden Hildens, gab es offenbar keine andere Lösung. Das Wohn- und Geschäftshaus wurde ohne Rücksicht auf den Maßstab der Stadthalle gebaut. Die Stadt hatte vergeblich versucht, das zu verhindern. Bereits 1955 hatte Hans Steinhäuser ein 1420 Quadratmeter großes  Grundstück am heutigen Fritz-Gressard-Platz erworben. Die Kunden kauften damals Möbel in einem provisorischen Pavillon mit einer Schaufensterfront von 45 Metern Länge. Nach dem Abbruch des Verwaltungsgebäudes der Firma Gressard diente eine Traglufthalle von 1969 bis 1976 als Ersatzlösung. Am 2. August 1980 wurde das neue Wohn- und Geschäftshaus eingeweiht. Hans Steinhäuser konnte sich auf einen ganz alten Bebauungsplan stützen, der vier bis fünf Geschosse vorsah, erinnert sich Werner Buddenberg, der als Stadtverordneter alle Strizewski-Projekte begleitet hat. Damit wurde die Stadthalle verstellt – bis heute. Steinhäuser brachte sein überdimensioniertes Gebäude  kein Glück. Im Juni 2005 wurde das Steinhäuser Centrum zwangsversteigert und fand für 2,75 Millionen Euro (Verkehrswert: fünf Millionen Euro) einen neuen Besitzer.

Hans Strizewski dagegen brachte die Stadthalle Ehre und dem Auftraggeber bundesweite Aufmerksamkeit ein. Beim deutschen Architekten-Wettbewerb 1979 in München erhielt die Stadthalle Hilden eine „lobende Erwähnung“ – die einzige Auszeichnung für NRW. Mit dem Verzicht auf „architektonische Extravaganzen“ habe Strizewski eine „Unverwechselbarkeit von Inhalt und Form“ erreicht, hieß es in der Begründung. Außengestalt und Innenraum seien harmonisch abgestimmt und in ihrer Zeitlosigkeit Vorbild. Auch das Land Nordrhein Westfalen zeichnete die Stadthalle 1979 für „vorbildliches Bauen“ aus.