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Waldausgleich: Warum Haan in Mettmann Bäume pflanzt

Haan : Stadt Haan weicht für Ausgleichsfläche nach Mettmann aus

Die Stadt Haan nimmt einiges an Geld in die Hand, um über ein Ökopunkte-System bei Bauvorhaben Waldausgleich zu schaffen. Der ist allerdings nicht auf dem eigenen Stadtgebiet vorgesehen – zurecht, findet ein Waldexperte des Landes.

Normalerweise wird eine politische Entscheidung erst in Fachausschüssen beraten, bei Bedarf durch Gastbeiträge von Experten vorbereitet und schließlich im Stadtrat ein Beschluss gefasst. Im Falle des Themas „Waldausgleich für Haaner Bauvorhaben“ ist es offenbar genau umgekehrt. Erst beschloss der Stadtrat, für eine Ausgleichsfläche in Mettmann 130 000 Euro bereitzustellen, und jetzt wird sozusagen im Nachgang im Ausschuss für Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr (SUVA) am Dienstag, 26. Mai, über einen Erörterungstermin berichtet, den die Stadtverwaltung mit einem Experten des Landesbetriebes „Wald und Holz NRW“ zu diesem Thema geführt hat.

 Worum geht es? Beim Bau der Kindertagesstätte an Erikaweg wird auch das Außengelände erweitert. Davon betroffen ist ein mehr als 420 Quadratmeter großer Waldbestand an der Ohligser Straße. Den Ausgleich für den Eingriff in dieses Waldgebiet kann die Stadt nach eigener Aussage nicht erbringen. Es gebe keine adäquaten Waldflächen zur Aufforstung in Haan.

Ökopunktesystem der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft

Ähnliches gilt für ein Bauvorhaben in Gruiten: An der Düsselberger Straße auf dem ehemaligen Rockwell-Gelände befindet sich eingebettet in Gewerbeflächen links und rechts auf rund 5000 Quadratmetern ein kleines Waldstück. Und an der Bachstraße greift die Stadt in einen Waldbestand von 2000 Quadratmetern ein. Auch hierfür muss andernorts aufgeforstet werden. Die Stadt hat sich für ein Ökopunktesystem der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft entschieden. Das sieht aber keine Aufforstungen in Haan vor, sondern in Mettmann. Dort soll jetzt auf 10 000 Quadratmetern aufgeforstet werden. Das Ausgleichsstück besteht aus zwei Teilen: aus einer ehemaligen Weihnachtsbaumkultur, die nun durch Laubbäume ökologisch aufgewertet werden soll, und aus einer bestehenden Pflaumenbaumplantage.

Nun hatten die Ausschuss-Mitglieder aber sechs Alternativflächen auf Haaner Stadtgebiet benannt, auf denen ihrer Meinung nach ebenfalls Waldersatzmaßnahmen zum Tragen kommen könnten: die Kreuzung „Polnische Mütze“, die „Zirkuswiese“ in Gruiten, die Ausgleichsfläche östlich des Technologieparks (früheres Baumschulquartier), die Grünfläche Wiedenhof, die Ausgleichsflächen südlich des Baugebietes Wiedenhof und südlich der Bauberufsgenossenschaft (Streuobstwiese) sowie die Fläche der Flüchtlingsunterkunft Düsseldorfer Straße 141 a.

Sie alle hat ein Fachmann des Landesbetriebes „ Wald und Holz“ bei einem Erörterungstermin mit der Stadt unter die Lupe genommen. Im Ausschuss mündlich berichten wolle er zwar nicht, teilt die Verwaltung mit, dafür habe er aber schriftlich seine Einschätzung abgegeben. Dabei hält der Experte einige der genannten Flächen durchaus für realistisch. In der Gesamtbewertung heißt es jedoch, die Stadt und er seien sich einig, „dass ein gesamthafter und zeitnaher Waldausgleich über die Stiftung Rheinische Kulturlandschaft unter forstfachlichen Aspekten, zum Teil aber auch aus naturschutz- und landwirtschaftsrechtlichen Gründen die effektivste Vorgehensweise darstellt“.

Auf Anfrage fügte er dem Amtsdeutsch jetzt noch ein paar verständliche Erklärungen hinzu. Die Stadt Haan habe ihm zwar einzelne Projektüberlegungen vorgestellt, „die aber entweder nicht die zu fordernden Waldqualitäten liefern konnten oder die nicht zeitnah zu realisieren gewesen wären“. Von einer gelungenen Kompensation von Waldfunktionen könne man nur dann ausgehen, „wenn sie auch zeitnah umgesetzt werden können“. Das sei bei den Stiftungsflächen in Mettmann der Fall. Auch auf Haaner Gebiet sieht der Experte geeignete Flächen, deren Umsetzungsfahrplan aber noch nicht gesichert sei. Sein Fazit: „Ich habe dazu geraten, dass aus Vorsorge für zukünftige Kompensationsverpflichtungen seitens der Stadt ein Pool potentieller eigener Flächen schon jetzt zu sichern ist.“