TSV Gruiten: Sportheim-Projekt steht auf der Kippe

Haan : Sportheimprojekt vor dem Aus

TSV Gruiten muss eine neue Planung ausschreiben und erhebt Vorwürfe gegen die Stadt.

Mehr als drei Jahre lang hat der TSV Gruiten an der Zukunft seines maroden Sportlerheims gearbeitet. Doch jetzt kann er praktisch wieder von vorn beginnen. Dies ist eines der wichtigsten Ergebnisse einer Pressekonferenz, die der Vorstand des TSV jetzt an Ort und Stelle gab. Dabei erhoben der Vorsitzende Joachim Ziegert und Kassenwart Kai Kipper schwere Vorwürfe gegen die Stadtverwaltung. Bürgermeisterin Bettina Warnecke wies diese umgehend zurück.

Hauptärgernis: Der Verein, der für die Stadt Haan die fast komplett nicht mehr nutzbare und teilweise von Schimmel befallene Immobilie im Erbbau-Verfahren erneuern will, kann dies nicht wie geplant mit seinem bisherigen Generalunternehmer „Delta Bau“ tun, sondern muss das Projekt komplett einer öffentlichen Ausschreibung unterziehen.

Der Verein kann nicht mit dem bisherigen Partner planen

Der Generalunternehmer hatte für 2,4 Millionen Euro ein Festpreisangebot für einen Neubau mit Mehrzweckraum in Massivbauweise erstellt. Die Preisbindung gilt noch bis 6. Dezember. Tatsächlich hat der Stadtrat diese Summe Ende Oktober auch beschlossen – „allerdings können wir den Unternehmer nun nicht beauftragen, loszulegen“, betonte Kipper beim Pressegespräch. Denn für das Projekt müssen die kommunalen Vergaberichtlinien beachtet werden. Und das bedeutet: öffentliche Ausschreibung. Zwar hat der Stadtrat den TSV-Verantwortlichen 20 000 Euro für Beratung durch einen Fachanwalt vertraglich zugesichert: „Doch selbst diese Beratung müssen wir vorher öffentlich ausschreiben“, berichtet Vereinschef Ziegert. Und damit habe man natürlich „null Erfahrung“! Der Stadt werfen die Vereinsvorstände vor, nicht frühzeitig auf diese Umstände hingewiesen zu haben: „Immerhin haben nicht wir um Hilfe gebeten, sondern die Verwaltung ist auf uns zugekommen und hat gefragt, ob wir uns vorstellen könnten, ein solches Erbbau-Engagement einzugehen.“ Ansonsten wäre das Projekt auf die Warteliste geraten – und die, betonen die Vereinsverantwortlichen, hätte mindestens sieben Jahre Wartezeit bedeutet.

Bürgermeisterin Bettina Warnecke wies die Vorwürfe im Gespräch mit unserer Redaktion umgehend zurück: „Ich habe großes Verständnis dafür, dass der Verein sich darum sorgt, dass dieses Bauprojekt für ihn eine machbare Aufgabe bleibt“, räumte sie ein, fügte dann aber hinzu: „An den Gegebenheiten des Vergaberechts kann die Stadtverwaltung allerdings leider nichts ändern. Dahingehend ist der TSV meines Wissens auch anwaltlich frühzeitig beraten worden. Immerhin geht es um Steuergelder, die auf der Anlage verbaut werden. Da ist eine Ausschreibung zwingend vorgeschrieben.“

„Es wäre schön, wenn das einer frühzeitig gesagt hätte“, sagt Kipper: „Wir sind schließlich keine kommunalen Vergabeprofis sondern nur ein Dorfverein.“ Der will in den kommenden Wochen beraten, „ob wir das Projekt unter diesen Umständen überhaupt finanziell schultern können“. Denn mit dem Wegfall des Generalunternehmers verliere der TSV auch gleichzeitig seine Preisgarantie: „Wir müssen dem Ratsbeschluss zufolge aber jede Menge zusätzliche Leistungen erbringen“, sagt Joachim Ziegert – sei es nun der Bau öffentlicher Toiletten, die Übernahme eines Viertels der Bewirtschaftungskosten oder auch die jährlich 1000 Euro für Instandhaltungskosten.

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