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TSG Blau-Weiss Hilden: Mit Schuhcreme zum Sieg

TSG Blau-Weiss Hilden: Mit Schuhcreme zum Sieg

Das Latein-Tanz-Team der TSG Blau-Weiss Hilden steht kurz vor seinem ersten großen Auftritt.

Hilden. Von draußen ertönt ein lauter Kampfschrei. Die Kinder in den ersten Reihen schrecken ein wenig zusammen. Dann öffnen sich die Türen im Saal der Aula am Wiedenhof und herein stolzieren neun braun gebrannte Mädels in knalligen orangefarbenen Kleidchen, schwarzen Haaren und aufwendig geschminkten Gesichtern.

Im Schlepptau haben die Tänzerinnen neun Jungs, ebenfalls braun gebrannt, schwarz frisiert, mit weitem V-Ausschnitt in eng anliegenden schwarzen Tanztrikots. Das Latein-Tanz-Team der Tanzsportgemeinschaft TSG Blau-Weiss Hilden kann sich sehen lassen. Am Sonntagabend zeigten sie erstmals die Kür, mit der sie am kommenden Sonntag zu ihrem ersten Turnier nach Borken, im Norden NRWs, reisen werden.

Die Generalprobe ist gut besucht, denn auch die Kindertanzgruppen der TSG haben hier den ersten Auftritt der Saison. Die Zuschauerreihen sind besetzt mit fotografierenden Eltern und stolzen Geschwistern. Bevor die Großen dran sind, tanzen die Kleinen in rosa Tüllkleidchen zu Kinderliedern, wie „Hoppelhase Hans“, strecken die kleinen Ärmchen in die Luft und hüpfen im Takt der Musik fast synchron durch den Saal. Danach zeigt die Jugendgruppe, dass sie den Cha Cha Cha, den Jive und auch den Rumba schon im Blut hat. Trainerin Tanja Mielke steht stolz am Rand und drückt den Kids die Daumen.

Dann kündigt sie ihre neue Latein-Formation an. In zwei Reihen stellen sich die Tänzer zwischen 15 und 42 Jahren auf. Die Musik beginnt, eine Tango-Version von „We are family“. Mit kreisenden Hüften und Armen bewegen sich die Paare im Takt der Musik und verschmelzen fast miteinander. Dann stoßen sich die Damen ab, befreien sich aus dem Griff der Herren und tanzen nach vorne. Nur um sich im nächsten Schritt wieder mit ihren Tanzpartnern zu vereinen. Ein Spiel aus Begehren und Nicht-haben-können. Latein eben.

Erleichterung nach dem Schlussapplaus. „Es ist soweit alles gut gegangen“, sagt Tänzerin Sarah Peterleweling (22). „Ein paar Kleinigkeiten, aber das ist ja immer so.“ Jede Menge Anspannung fällt von den Paaren ab. Einige gehen erst mal Rauchen, andere plündern das mitgebrachte Buffet. „Wir sind seit 10 Uhr hier“, erzählt Peterlewelings Partner Florian Chilla.

Die Vorbereitungen für solch eine Präsentation dauern den ganzen Tag. Die schwarzen Haare und die braune Haut der Tänzer sei nämlich nicht echt, verrät der 20-Jährige. Damit alle aussehen wie echte Latinos werden die Haare mit schwarzer Schuhcreme eingeschmiert und die Körper mit Selbstbräunerspray und Make-up getönt.

„Dann muss man sich Aufwärmen und an die Fläche gewöhnen“, erzählt Chilla. Besonders für die Jungs war dieser Körperkult zunächst gewöhnungsbedürftig. Trotzdem wuchs der männliche Tänzeranteil der noch sehr jungen Formation schnell an, sagt Trainerin Tanja Mielke. „Wir trainieren erst seit einem halben Jahr miteinander. Am Anfang hatte nur ein Mädchen Tanzerfahrung, alle anderen kamen so dazu.“

Florian Chilla wurde von einem Freund überredet und fühlt sich mittlerweile in der Formation sehr wohl. „Wir unternehmen auch viel in der Freizeit zusammen, gehen Feiern und trainieren viermal in der Woche vor dem Turnier.“ Die harte Arbeit hat sich gelohnt. Jetzt sollte dem Turniererfolg am Sonntag in Borken nichts mehr im Wege stehen.