Ton ab, Kamera läuft

Mehrere Mitglieder des Jugendparlaments drehen einen Film über Diskriminierung.

Hilden. Anna wirft noch einmal einen prüfenden Blick auf die Fragen auf ihrem Klappbrett. Dann blinkt auch schon der rote „REC-Button“ der Kamera, womit klar ist, dass die Aufnahme läuft. „Was verstehst Du unter Diskriminierung?“, ist nur eine der Fragen, die die 16-jährige Jugendparlamentarierin am frühen Samstagvormittag Hildener Passanten in der Innenstadt stellt.

Die Gruppe des Parlamentes rund um Leiterin Andrea Nowak möchte erfahren, wie die Bürger über Ausgrenzung denken. Neben den Passanten werden in den kommenden Wochen unter dem Motto „Du + Ich = Frieden“ auch der Bürgermeister, weitere Mitarbeiter der Verwaltung und Lehrer befragt.

Danach sind die Techniker Stefan und Kevin gefragt. Sie filmen nicht nur, sondern schneiden später auch die Szenen passend zusammen. Stefan: „Ich war mit vier Jahren schon am Computer und bin jetzt unter anderem durch Kameraworkshops vom Jugendparlament an das Filmen gekommen.“

Mit Diskriminierung hatten die Jugendlichen bisher wenig zu tun. „Wir haben einen Jungen aus Indien in der Klasse. Der ist super integriert“, sagt Kevin, während er das Mikrofon für den nächsten O-Ton richtet.

Luca weiß anderes zu berichten. Der Bochumer besucht seine Mutter in Hilden. Doch zunächst spricht er vor der Kamera von seinen negativen Erfahrungen: „Ich krieg’ so was oft mit. Es werden Leute ausgeschlossen, die ärmer sind und nicht in Markenklamotten rumlaufen. Das ist gemein.“

Die Geburtsstunde des Filmprojekts geht aufs Jahr 2009 zurück. Damals haben die Hildener das Jugendparlament in der englischen Partnerstadt Worrington besucht. Dort wurden sie mit rassistischen Äußerungen der British National Party konfrontiert. Es wuchs die Idee, etwas gegen Diskriminierung zu unternehmen.

Unter den englischen Jugendparlamentariern war ein Spastiker. Viele der Hildener Jugendlichen hatten das erste Mal Kontakt mit einem behinderten Jungen. „Ganz schnell haben die Jungs und Mädels verstanden, dass wir halt immer etwas länger am Bus warten müssen, damit Julien auch einsteigen kann“, sagt Nowak.

Yannik war auch mit in England und beteiligt sich deswegen am Projekt. In Hilden sieht der 15-Jährige Diskriminierung nicht als allgegenwärtiges Problem: „In der Schule ist das kein Thema, aber abends wird man in der Stadt schon mal angepöbelt.“

Yannik ist seit mehreren Jahren im Parlament aktiv. Er sieht es als eine gute Plattform: „Hier kann ich meine Interessen mit den anderen Hildener Jugendlichen teilen. Und Erfolg schafft Gehör. Wir haben bei der Stadt schon Mitspracherecht.“

Während Yannik von Erfolg spricht, haben Daniela und Anissa gerade Probleme, Leute für ein Statement vor der Kamera zu gewinnen. Sie dürfen sich die Standardantwort „Keine Zeit“ oder auch „Sucht Euch andere Opfer“ anhören. Vier Passanten haben sich innerhalb einer Stunde interviewen lassen.

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