Hilden : Manche Tiere leben Jahre im Heim

In Corona-Zeiten hat das Tierheim Hilden nur für ernsthaft Interessierte zu festen Terminen geöffnet. Die Tiere profitieren davon, weil mehr Ruhe herrscht. Die Vermittlungszahlen liegen auf dem gleichen Niveau wie zuvor.

Langsam geht Thomas Mielke in die Hocke und streckt sanft seinen Arm aus. So kann Kilian, der hübsche rote Kater, erst einmal schnuppern, was jetzt passiert. Mielke nimmt ihn auf den Arm, und Kilian verfolgt, wie ein Foto von ihm gemacht wird. Zutraulich umstreicht er danach die Beine der Besucher und lugt neugierig um die Ecke in den Flur des Katzenhauses. Kilian ist eine von rund 20 Katzen, die derzeit ein Zuhause suchen. Hinzu kommen 15 Hunde und 25 Kleintiere, die derzeit im Hildener Tierheim leben.

Die Tiere im Heim scheinen
sehr entspannt zu sein

Die Atmosphäre in den Gebäuden und auf dem Außengelände ist sehr ruhig. Die Tiere sind sind entspannt, kein Bellen oder Knurren ist zu hören. Thomas Mielke, Leiter des Tierheims, weiß genau, woran das liegt: In Corona-Zeiten hat das Tierheim geschlossen. „Besuche für Interessierte, die gern ein Tier zu sich nehmen möchten, sind selbstverständlich weiterhin möglich.“ Aber Gäste, die einfach mal gucken kommen, „oft leider nur, weil sie nicht wissen, was sie sonst unternehmen sollen“, kommen nicht. „Das gibt uns viel Zeit, uns richtig mit den Tieren zu beschäftigen.“ Die Tiere sind durch den wesentlich geringeren Lärm- und Geräuschpegel als sonst viel weniger gestresst als von manchmal leider lauten und unvorsichtigen Besuchern. Wer sich ernsthaft für einen Hund, eine Katze oder ein Kleintier interessiert, meldet sich bei Thomas Mielke oder seinen Mitarbeitern telefonisch an. „Es ist auf sehr viel Verständnis gestoßen, dass wir derzeit nicht ständig geöffnet haben und für diese Besucher kein Problem“, berichtet der Tierheim-Leiter.

Überhaupt habe das Heim in der jetzt bereits seit März andauernden Corona-Zeit große Unterstützung erhalten. „Wir bekommen täglich die für uns so wichtigen Futterspenden, auch werden wir gefragt, ob wir Decken oder Spielzeug gebrauchen können.“ Die Zahl der ernsthaft Interessierten und auch die Zahl der Vermittlungen habe sich durch Corona aber nicht verändert. „Wir merken durch unsere jahrelange Erfahrung aber bereits im Vorgespräch sehr schnell, ob ein Tier zu dem Anrufer passen könnte“, sagt Mielke. „Nur, wenn das Tier wirklich in sein neues Zuhause passen würde, geben wir es dorthin ab.“ Hierbei sei immer zu bedenken, dass das Ziel immer sein müsse, dem Tier bis an sein Lebensende ein neues Zuhause zu geben, also meist um die zehn Jahre, und dass es nicht einfach zurückgegeben werden kann, wenn die neuen Besitzer doch überfordert sind.

Manche Tiere hätten Glück und lebten nur ein bis zwei Tage im Tierheim, andere wohnten dort über Jahre. Gerade die so genannten „Kampfhunde“ suchten oft lange nach neuen Besitzern. „Dabei sind alle vermeintlichen Probleme, die sie mitbringen, menschengemacht“, sagt Mielke. Und entstandene Probleme wieder zu beheben sei natürlich immer schwieriger, als einem Tier, das zuvor gar keine schlechten Erfahrungen gemacht hat, ganz frei und neu etwas beizubringen. Hilfe für Tiere in Not müsse auch nicht immer in Form eines eigenen Tieres geschehen, gibt Thomas Mielke zu bedenken: „Es gibt viele Möglichkeiten, uns anderweitig zu unterstützen, sei es als Ehrenamtler oder mit Sach- oder Geldpenden.“ Im Moment benötigen Mielke und sein Team Hilfe vor allem auch für Wildtiere: „Derzeit werden unglaublich viele wilde Tiere abgegeben, seien es Füchse, Rehkitze oder Vögelchen – entweder aufgrund von Verletzungen, weil das Elternteil sie verlassen hat oder manchmal auch, weil Menschen zu früh eingreifen.“ Für diese Tiere sucht das Tierheim-Team dringend Platz in Wildtier-Pflegestellen.