1. NRW
  2. Kreis Mettmann
  3. Haan und Hilden

Streit um das Neubauprojekt Am Teichkamp

Haan : Ärger um Neubau Am Teichkamp

Das Baugebiet sieht anders aus als auf den Entwürfen zum Bebauungsplan. Die WLH hegt Vorwürfe.

Die Vorgabe im Jahr 2017 war eindeutig: Zwischen Wibbelrather Weg im Norden, der Straße Am Teichkamp im Osten, der alten Straßenbahntrasse im Süden und landwirtschaftlichen Flächen im Westen wollte ein Investor Einzel- und Doppelhäuser errichten. Es sollte aber auch Angebote im „preisgedämpften Wohnungsbau“ geben. 24 Wohneinheiten sollten entstehen. Der Stadtrat hatte dem dafür nötigen Bebauungsplan zugestimmt. In einer Computer-Simulation war ein Wohngebiet mit lockerer Doppelhaus-Bebauung zu sehen.

Drei Jahre später ist von der ursprünglichen Planung nicht mehr viel zu erkennen: Statt Doppelhaus-Optik bestimmen Mehrfamilienhäuser das Bild. 14 Wohneinheiten sollen allein über zwei dieser Gebäude geschaffen werden – und auch von der ursprünglich gewünschten Preisdämpfung ist keine Rede mehr.

Im Gegenteil: Für stolze 1250 Euro Kaltmiete wird über ein Immobilienportal zurzeit eine „attraktive Drei-Zimmer-Etagenwohnung mit Wohnküche Am Teichkamp” angeboten. Dort heißt es wörtlich: „Insgesamt entstehen zwei Stadthäuser mit jeweils vier und zehn Wohneinheiten. Die elegante Bebauung über drei Etagen zeichnet sich durch zeitlose Eleganz der Architektur, klare Linien attraktive, großzügige und helle Grundrisse aus.”

Das war der ursprüngliche Plan: 20 Reihen-, Doppel- und Einfamilienhäuser sollten in Oberhaan an der Straße Am Teichkamp entstehen. Foto: Finke-Baukunst

Unter der Überschrift „Lage“ wirbt der Makler unter anderem mit „Buslinien mit Verbindungen zum Schwebebahnhof” von Wuppertal-Vohwinkel. Die „Verbindung in die Ballungszentren von Rhein und Ruhr” mache diese Lage „zu einem perfekten Ausgangsort für alle beruflichen Aktivitäten sowie Ihre Freizeitgestaltung”. Das Angebot klingt deutlich nach dem Versuch, zahlungskräftige Pendler aus den Großstädten anzuziehen

Vom ursprünglichen Entwurf ist nicht mehr viel übrig geblieben – und diese Tatsache sorgt in Haan zurzeit für politischen Ärger. Denn anscheinend hat die Stadtspitze die Veränderung durchgewunken, ohne den geltenden Stadtratsbeschluss zu berücksichtigen. Das ganze wurde offensichtlich als laufendes Geschäft der Verwaltung eingestuft.

Die WLH wirft der Stadtspitze Begünstigung von Bauherren vor

Insbesondere die Wählergemeinschaft Lebenswertes Haan wirft Bürgermeisterin Bettina Warnecke und dem Technischen Beigeordneten Engin Alparslan jetzt Begünstigung von Bauherren vor. Warnecke verwahrt sich dagegen: Es gebe keine Pflicht, dass die Verwaltung preisgedämpften Wohnbau durchsetzen müsse, betont die Stadtchefin.

Zweiter Streitpunkt: Auch der Bau eines Spielplatzes für das neue Wohngebiet ist offenbar nicht vorgesehen. Es gebe „genügend Spielmöglichkeiten in der Natur“, zitiert WLH-Fraktionschefin Meike Lukat eine Antwort der Stadtverwaltung auf Ihre Anfrage. Mit dieser Auffassung habe die Stadt sich ihrer Verpflichtung eindeutig entzogen. Auch diesen Vorwurf weist Warnecke zurück: „Der Stadtrat hat keine Einrichtung eines allgemein nutzbaren Kinderspielplatzes gefordert“, argumentiert sie. Auch der städtebauliche Vertrag sehe keine Errichtung von Kinderspielplätzen und deren Erschließung vor. Lukat dagegen verweist auf die viel gerühmte Spielplatzsatzung der Stadt Haan. Und die sehe bei Baugebieten dieser Größenordnung eindeutig einen Spielplatz mit drei verschiedenen Spielgeräten, acht Bänken und zwei Tischen vor. „Doch der Investor wurde auch von dieser Verpflichtung entbunden“ kritisiert die Politikerin, die bereits die Kommunalaufsicht eingeschaltet hat. Auch rechtliche Schritte scheinen nicht mehr ­ausgeschlossen.