Stadtelternrat Haan diskutiert Kitafragen mit Politik und Verwaltung

Haan : Kitas: Haan muss weiter aktiv sein

Aktuell ist die Warteliste für einen Kita-Platz leer. Dennoch denkt die Stadt daran, eigene Erzieher auszubilden.

Zum offenen Dialog zwischen Eltern und Politikern hatte der Haaner Stadtelternrat eingeladen. Beleuchtet wurde die aktuelle Kinderbetreuung, Verbesserungsvorschläge bei der Bedarfsplanung und Anmeldung geäußert und ein Blick in die Zukunft gewagt. Fazit nach dem zweistündigen Gespräch: Vieles ist zwar besser geworden, darauf ausruhen dürfe sich Verwaltung und Politik aber keineswegs.

Ja, wir sind auf einem guten Weg, lautete das einstimmige Signal, dass die Fraktionsmitglieder der verschiedenen Parteien am Dienstagabend im Familienzentrum in der Robert-Koch-Straße den anwesenden Eltern sendeten.

Im Jahr 2018/2019 gab es noch Fehlbedarf von 75 Plätzen

Allen voran Jugendamtsleiterin Elke Fischer und Bürgermeisterin Bettina Warnecke untermauerten die gute Arbeit der vergangenen Monate mit Zahlen: „Aktuell haben wir keine Kinder auf der Warteliste, alle sind versorgt“, sagte Fischer. Für das Jahr 2018/2019 gab es noch einen Fehlbedarf von 75 Kita-Plätzen. „Für 2019/2020 sind es zwölf“, berichtet die Jugendamtsleiterin. Warnecke fügte hinzu: „Sobald die Kita Erikaweg fertiggestellt ist – voraussichtlich im Herbst 2020 – werden wir keinen Fehlbedarf mehr haben und die Überbelegung von derzeit 23 Plätzen um die Hälfte abbauen können.“

Offen steht noch, ob dann die Kita Märchenwald an der Bachstraße nach dem Umzug der beiden Gruppen in den Erikaweg aufrechterhalten wird. Die Eltern würden das sehr begrüßen, äußerte Dr. Svenja Kahlke-Kreitzberg, Vorstandsmitglied im Stadtelternrat, die den Dialog moderierte. Diese Entscheidung, erklärte die Bürgermeisterin, müsse der Rat noch treffen. „Es wäre eine denkbare Option, zumal in den Märchenwald schon 380 000 Euro investiert wurden.“

Durch die Eröffnung der Wander- und Waldgruppe, für die nun endlich auch eine Erzieherin gefunden wurde, dürfte sich die Situation der Kinderbetreuung weiter entspannen, vermuten die Politiker. Kritik äußerten die Eltern beim vermeintlichen Wahlrecht zwischen Kita und Tagespflege. Mitnichten sei es so, dass Eltern die Wahl hätten, ihr Kind in den ersten drei Lebensjahren einer Tagespflege anzuvertrauen, um es später, ab drei Jahren, in die Kita zu geben. Wer einen Platz schon ab dem ersten oder zweiten Lebensjahr angeboten bekomme, nehme ihn wahr, aus Angst, mit drei keinen Platz mehr zu bekommen.

Elternrat will bei der nächsten Bedarfsplanung dabei sein

Das Wahlrecht also eine Mogelpackung? Die Politik verneinte. Besonders durch die Gruppenstrukturen der neuen städtischen Kitas, die eine erhöhte Aufnahme der Ü 3-Kinder vorsehen, solle dieses Problem behoben werden.

Vertreterinnen der Tagespflegen erzählten, dass die Theorie zwar schön klinge, in der Realität ihre Kunden sich allerdings für den Kita-Platz entscheiden, sobald er ihnen angeboten wird.

Das wiederum führe zu Schwierigkeiten bei der Planung ihrer Plätze. „Und wir sind selbstständig“, gab Erika Erden zu bedenken. Korrekturen seitens der Stadt seien also notwendig, urteilten die Eltern, ebenso wie Verbesserungen beim Anmeldesystem. Der Elternstadtrat regte auch an, bei der nächsten Bedarfsplanung der Betreuungsplätze dabei zu sein. „Dagegen spricht nichts“, urteilte Fischer.

Für die Zukunft wünschte sich der Stadtelternrat, dass die Stadt nicht nur den Zahlen hinterherhinkt und versucht Probleme zu beheben, sondern eine Vorreiterrolle übernimmt, beispielsweise bei der Anwerbung von Erzieher. „Die Stadt müsse in Zukunft selber ausbilden“, sagte Warnecke darauf.

Bislang habe sie das den sich frisch eingefundenen Leitungen der städtischen Einrichtungen nicht zusätzlich zumuten wollen. „Aber das muss unser Ziel sein.“ Attraktiver müsse zudem Vergütung und der Standort werden.

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