Stadt Hilden eröffnet Begräbniswald

Auf dem Nordfriedhof : Der Begräbniswald in Hilden wird eröffnet

Die Urnen werden am Fuß von hiesigen Bäumen bestattet. Die Friedhofsverwaltung pflegt.

Vier Gräber im neuen Begräbniswald hat Friedhofsmeisterin Bettina Rech schon verkauft. Baumgräber gibt es auch auf dem Südfriedhof. Dort sind die Bäume akkurat in Reih und Glied gepflanzt. „Der Begräbniswald auf dem Nordfriedhof ist die naturnähere Form“, sagt Rech: „Mein Eindruck ist, das kommt bei den Leuten an.“

Der Erwerb des Waldgrabes für 35 Jahre kostet 880 Euro, die Grabbereitung 150 Euro. Hinzu kommt eine einmalige Gebühr für die Pflege von 648 Euro. Macht zusammen 1678 Euro. Zum Vergleich: Eine Wahlgrabstelle für den Sarg kostet für 30 Jahre und inklusive Grabbereitung 1862 Euro. Hinzu kommen die Ausgaben für die Grabpflege.

70 Prozent der Verstorbenen werden in Urnen bestattet

Mittlerweile werden 70 Prozent aller Verstorbenen auf den Hildener Friedhöfen eingeäschert und in Urnen bestattet; nur noch 30 Prozent in Särgen. Das ist ein radikaler Wandel in der Begräbniskultur. Politik und Verwaltung haben dem Rechnung getragen und bieten eine Reihe von Alternativen an: von Urnenwahlgräbern und Urnenreihengräber über Baumgräber bis zu anonymen Urnengräbern, Urnenerdkammern, Kolumbarien oder einem Aschestreufeld. Der neue Begräbniswald ist etwa 1200 Quadratmeter groß und eingezäunt. Der Waldboden ist naturbelassen, ein Pfad aus Rindenmulch führt durch den Wald. Es gibt einen Ruheplatz mit Sitzbank und Schaukasten. Kleine, runde Holztafeln mit Namen und Sterbetag geben Auskunft über die Lage der Urne. Trauerschmuck, Gedenksteine und Kerzen sind nicht erlaubt: Das sollten Erwerber wissen. „Die würden den natürlichen Gesamteindruck stören“, erläutert Bettina Rech: „Für die meisten Menschen, die sich im Begräbniswals bestatten lassen, ist es ein Trost, mit dem Tod wieder Teil des Kreislaufs von Werden und Vergehen der Natur zu sein.“ Die Urnen sind deshalb auch biologisch abbaubar.

Der Begräbniswald wird von der städtischen Friedhofsverwaltung gepflegt. Das ist für viele wichtig, weil Kinder und Angehörigen nicht mehr in der Nähe wohnen. Sie wollen ihre Lieben nicht mit der Grabpflege belasten. Den Anstoß für das neue Angebot hatte ein privates Unternehmen gegeben. Es wollte im Bereich von Haus Horst im Privatwald von Schlosshof Garath einen so genannten Friedwald eröffnen. Dazu brauchte es die Zustimmung der Stadt. Denn Friedhöfe dürfen nur von Kommunen und Kirchen betrieben werden. Deshalb machte die Firma der Stadt ein lukratives Angebot und wollte sie am Gewinn beteiligen. Der Stadtrat lehnte jedoch mit Mehrheit ab. Bei einer Insolvenz des Unternehmens müsste die Stadt als Betreiber des Friedwaldes einspringen. Zum anderen würde sie ihren eigenen drei kommunalen Friedhöfen Konkurrenz machen.

Weil immer mehr Urnen statt Särge beigesetzt werden, bleiben immer mehr Flächen zwischen den Grabstellen frei. Die Friedhöfe müssen aber unterhalten werden. Das geschieht über die Friedhofsgebühren. Diese müssten immer weiter steigen. Ein Teil der Friedhöfsflächen gilt als „öffentliches Grün“. Ihr Unterhalt wird nicht über die Gebühren, sondern aus der Stadtkasse bezahlt. Je weniger Menschen auf den drei kommunalen Friedhöfen bestattet werden, umso mehr „öffentliches Grün“ muss unterhalten werden. Deshalb hat die Stadt ein großes Interesse daran, ihre drei kommunalen Friedhöfe attraktiv und damit auch wirtschaftlich zu halten.

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