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SPD vollendet den Blick in ihre Vergangenheit

SPD vollendet den Blick in ihre Vergangenheit

Der dritte und letzte Teil der Dokumentation über den Ortsverein ist jetzt erschienen.

Hilden. Ein Schreibtisch, der sich unter Bergen von Akten, Fotos und Protokollen aus unzähligen Ratssitzungen, zum Teil vergilbt und per Hand geschrieben, fast durchbiegt — so sah in den vergangenen neun Monaten der Arbeitsplatz von Christoph Roolf im Parteibüro der Sozialdemokraten an der Bahnhofsallee aus. Der Hildener ist Historiker an der Universität Düsseldorf und vom Ortsverein beauftragt worden, die Geschichte der Hildener SPD von 1969 bis heute aufzuschreiben.

„Es gab ja schon zwei Chroniken (1863 bis 1933 und 1933 bis 1969, Anm. d. Redaktion). Die wollten wir weiterführen“, sagt die Partei- und Fraktionsvorsitzende Brigit Alkenings bei der Vorstellung der neuen und letzten Chronik. Das knapp 100 Seiten umfassende Werk ist jetzt im Eigenverlag erschienen und zum Preis von 29,50 Euro in der Geschäftsstelle zu bekommen.

Mit Aktensichten allein wäre Roolf trotz Ortskenntnis nicht weit gekommen. „Zeitzeugengespräche sind bei meiner Arbeit unheimlich wichtig, da die Protokolle natürlich die Emotionen einer Diskussion nicht festhalten können“, sagt er.

Ihm zur Seite standen daher von Anfang an Jürgen Scholz, seit 50 Jahren bei der SPD Hilden, und Anabela Barata, Sozialdemokratin seit 25 Jahren. Viele Stunden verbrachten sie im Stadtarchiv und rätselten über Bildern, die bisher nicht mit Namen oder Datum versehen werden konnten. Scholz holte alte Negative aus dem Keller. SPD-Urgesteine wurden zu Interviews eingeladen, darunter der aktuelle Bürgermeister Horst Thiele, sein Vorgänger Günter Scheib sowie der ehemalige Dezernent Gerd Kirchhoff. Dabei wurde es manchmal schon zur Herkulesaufgabe, herauszufinden, wie lange jemand Ratsmitglied war. „Das wurde früher oft einfach nicht aufgeschrieben“, sagt Scholz. Oder Papierberge aus Fraktions- und Ausschusssitzungen wurden einfach weggeschmissen.

Um den Berg von Dokumenten aus 40 Jahren Parteigeschichte zu bewältigen, arbeiteten sich Roolf, Scholz und Barata chronologisch durch die Zeit. „Herr Roolf hat sich immer stark an den Personen orientiert“, sagt Alkenings: „Es kommen viele Hildener vor, die die jüngeren Mitglieder nicht mehr kennen, die aber Wesentliches zur Parteibildung und zur Entwicklung der Stadt beigetragen haben.“

Das Buch sei so ein Geschenk an die Zukunft, denn „für das politische Handeln der nachfolgenden Generationen ist es enorm wichtig, zu wissen, was früher war“, sagt die Parteivorsitzende. Ein kleines Beispiel: „Dass die Mittelstraße für den Verkehr gesperrt wurde, war ein Antrag der SPD. Dem folgte eine Riesendiskussion im Rat — über Monate“, sagt Alkenings.