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So kämpfen kleine Unternehmen gegen die Corona-Krise

Haan/Hilden : Sie schöpfen Ideen aus der Firmenkrise

Die Corona-Krise macht Unternehmer in der Region auch kreativ. Die Städte Haan und Hilden wollen dabei unter die Arme greifen.

Normalerweise wäre Bastian Lütke in diesen Tagen damit beschäftigt, Folien für eine der großen Messen im Land herzustellen. Der 31-Jährige ist Werbetechniker und führt seit sieben Jahren ein eigenes Geschäft in Hilden an der Verbindungsstraße. Er hat einen fest angestellten Mitarbeiter und eine Aushilfe.

Die Geschäfte liefen zufriedenstellend für den Werbeprofi, der vor sieben Monaten auch noch Vater geworden ist. Alles war gut – bis das Coronavirus kam und das Leben auf links krempelte. Jetzt ist das Geschäft geschlossen, und 95 Prozent der Einnahmen sind weggebrochen. Bastian Lütke geht tagtäglich der Gedanke durch den Kopf: „Was kann ich tun, um wenigstens noch so viel Geld zu erwirtschaften, dass ich die Fixkosten bezahlen kann und niemanden entlassen muss?“

Als er das auf den Fußboden geklebte Flatterband sah, mit dem Supermärkte versuchen, Kassenschlangen zu entzerren, kam ihm eine Idee: rutschfeste Bodenaufkleber. Die sehen aus wie ein Stoppschild und tragen die Aufschrift: „Das ist Ihr Standpunkt – bleiben Sie gesund.“ Kioske, Tankstellen, Apotheken, Einzelhandel, an sie alle richtet sich das Angebot, das Lütke im „Supernah”-Markt seines Heimatortes Gruiten schon ausprobiert hat. Auf seiner Website (www.bl-werbetechnik.de) kann man aber auch Spuckschutz aus Acrylglas ordern, etwa für Bankschalter oder Kassen. So wie Lütke machen sich in diesen Tagen viele Händler und Dienstleister Gedanken, wie sie geschäftlich überleben können. Der Hildener Wirtschaftsförderer Christian Schwenger koordiniert die Hilfsanfragen und versucht, wertvolle Tipps zu geben. Er weiß, dass sich die Informationen zur Zeit fast täglich überholen. Die bestehenden, konkreten Hilfen für Unternehmen und Selbständige trage die Wirtschaftsförderung deshalb tagesaktuell im Internet (­wirtschaft.hilden.de) zusammen. In einer Rundmail an rund 1000 Unternehmen und Selbständige habe man vor wenigen Tagen über Hilfen zu Kurzarbeit, Liquiditätshilfen, Steuerstundungen und Arbeitslosengeld II informiert.

„Wir haben mit Betroffenen aus verschiedensten Branchen zahlreiche Telefonate geführt”, sagt Schwenger. „In dieser Woche werden Bund und Land ein Soforthilfeprogramm auflegen mit Zuschüssen für betroffene Unternehmen mit bis zu 50 Beschäftigten. Sobald das „wo und wie“ dazu geklärt ist, werden wir darüber in einer weiteren Rundmail informieren.”

Das Geschäft mit Trikot-Beflockung brach zusammen

Bis dahin nehmen viele Unternehmer ihr Schicksal erst einmal selbst in die Hand. So wie Christian Rahn: In seiner Agentur für Textilveredelung und Technik bedruckt und beflockt der Haaner normalerweise Trikots für Sportvereine. Doch dann brach das Geschäft wegen der Coronakrise zusammen. Rahns Sohn brachte ihn auf eine neue Idee. Der jobbt in einem Getränkemarkt – und erledigt so eine Arbeit, die ähnlich wie in Lebensmittelgeschäften oder auch Bäckereien zurzeit absolut unverzichtbar und hoch anzurechnen ist. Doch viele Mitarbeiter hatten zuletzt ein mulmiges Gefühl.

Christian Rahn (Druckerei Rahn) bietet bedruckte T-Shirts mit der Aufschrift „Abstand halten“ für die Mitarbeiter von Supermärkten an. Foto: "Köhlen, Stephan (teph)"/Köhlen, Stephan (teph)

Genau dort setzt die Idee von Christian Rahn an: Um die Mitarbeiter vor Kunden zu schützen, die ihnen zu nahe kommen könnten, hat er 300 Shirts mit der Aufschrift „Abstand halten“ bedruckt. Denn: „Eine visuelle Botschaft versteht nun wirklich jeder“, ist er sich sicher. Der Getränkemarkt und ein weiterer Supermarkt waren die ersten Abnehmer der Shirts, die 9,50 Euro kosten. „Das deckt gerade den Einkauf, den Druck und einen kleinen Gewinn. Aber auch wir möchten noch länger Mitarbeiter und die Kosten eigenständig bezahlen können“, stellt Rahn fest.

Aber wie lassen sich Kunden und Händler in Zeiten geschlossener Geschäfte zusammenführen? Wer liefert beispielsweise nach Hause? In Haan hat die örtliche Wirtschaftsförderung jetzt gemeinsam mit der Haaner Einzelhändlerin Sonja Meier (Mama Rockt: Baby- und Kinderbekleidung) die bestehenden Angebote im Handel, in der Gastronomie und von Dienstleistern abgefragt und diese motiviert, sich weitere Ideen zu überlegen. Ab sofort werden die Angebote aus Handel und Dienstleistungen auf der Informationsplattform aufgelistet.

einkaufen-in-haan.de