Senioren gehen heute erst sehr spät ins Heim

Senioren gehen heute erst sehr spät ins Heim

Die meisten alten Menschen gehen erst dann ins Seniorenzentrum, wenn es anders nicht mehr geht.

Hilden/Haan. Mehr als 13 000 Hildener, fast ein Viertel der Einwohner, sind 65 Jahre und älter. Etwa 3300 sind sogar über 80 Jahre. Fast 70 Prozent der Pflegebedürftigen leben in ihrer gewohnten Umgebung oder bei Angehörigen. Dank vieler ambulanter Unterstützungsangebote (Pflegedienste, Netzwerkgruppen, Pflegegeld für Angehörige) ist das gut möglich. Ins Heim gehen Senioren nur, wenn es keine andere Alternative mehr gibt. Und das hat nicht nur etwas mit den höheren Kosten zu tun.

Dieser Trend hat sich in den vergangenen Jahren massiv verstärkt, berichten Senioreneinrichtungen. Für die aufnehmenden Heime bedeutet das: Ihre neuen Bewohnern kommen heute viel später als früher, sie sind pflegebedürftiger und sie leben dort kürzer. Die Gemeinnützigen Seniorendienste Stadt Hilden GmbH führt die einzigen kommunalen Seniorenheime im Kreis Mettmann.

2013 stieg die Zahl der Sterbefälle massiv an, bemerkte Geschäftsführer Holger Reinders: im Wohn- und Pflegezentrum Hummelsterstraße von 26 (2012) auf 66 (2013), im Seniorenzentrum Erikaweg von 35 (2012) auf 51 (2013). „Ein absolutes Ausreißerjahr“, stellt Reinders allerdings rückblickend fest: „Die Sterberate ist wieder gesunken.“

Folgen hatte das trotzdem: „Die vielen Sterbefälle 2013 waren für unsere Mitarbeiter seelisch total schwierig, eine Höchstbelastung.“ Auch im Ergebnis der gemeinnützigen GmbH schlug sich das nieder: Statt des geplanten Überschusses von 152 000 Euro erzielten die Gemeinnützigen Seniorendienste nur ein Plus von 7000 Euro.

Erklärung: Wegen der zahlreichen Sterbefälle standen Zimmer tageweise leer, bei Neuaufnahmen müssen umfangreiche Pflegedokumentationen angelegt und abgeschlossen werden. Während weniger Pflegetage abgerechnet werden konnten, liefen die Fixkosten (Personal, Gebäude) weiter. Das fehlte am Ende bei den Umsatzerlösen. Zum Vergleich: 2011 konnte Reinders noch +401 000 Euro, 2012 +181 000 Euro Überschuss erwirtschaften.

Während in der ambulanten Pflege die so genannte Behandlungspflege (Verbände, Spritzen, Wundversorgung, Medikamente) von den Krankenkassen bezahlt werde, müssten Altenheime diese Leistungen ohne zusätzliche Vergütung erbringen, beklagt Reinders: „Das ist damals politisch so entschieden worden und der Grund, warum die Belastung der Mitarbeiter in den Heimen ständig zugenommen hat.“

So spät wie möglich ins Heim: Auch Detlef Berstmann, Einrichtungsleiter des Seniorenzentrums Stella Vitalis in Haan, erlebt das täglich: „Heute kommen Senioren meist dann zu uns, wenn ihre Angehörigen oder der ambulante Dienst die Betreuung zu Hause nicht mehr schaffen.“ „Wir arbeiten mit der Christlichen Hospiz- und Trauerbegleitung Haan (CHT) zusammen“, erläutert Berstermann: „Die Freiwilligen des Vereins kommen ins Haus und kümmern sich.“