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Schüler helfen Schülern gegen Cybermobbing

Hilden : Gemeinsam gegen Hass im Netz

In der Wilhelmine-Fliedner-Gesamtschule lassen sich derzeit vier Achtklässler zu Medienscouts ausbilden, um jüngeren Mitschülern Ansprechpartner auf Augenhöhe zu sein, wenn es um den sicheren Umgang mit dem Internet geht.

Sie alle habe es schon einmal erlebt: Streitigkeiten oder Anfeindungen, die nach dem Schultag online von zu Hause aus fortgesetzt und für alle sichtbar werden. Terrorisierende Textnachrichten, verletzende Postings in den sozialen Netzwerken.

Cybermobbing hat im Vergleich zum analogen Mobbing eine andere Qualität: Beides ist verletzend und verstörend – keine Frage – doch beim Cybermobbing bekommt das Opfer keine Verschnaufpause und auch die Reichweite ist eine andere, sie erstreckt sich weit über die Schultore hinaus.

Was man in solchen Situationen tun sollte, das lernen derzeit vier Schüler der Wilhelmine-Fliedner-Gesamtschule in einem Online-Seminar des Medienzentrums Mettmann, die künftig als Multiplikatoren und Scouts die Medienkompetenz ihrer Mitschüler auf Augenhöhe verbessern sollen.

Die drei 13-Jährigen Miguel, Emilie und Mia sowie die 14-jährige Farah haben selbst Erfahrungen mit Cybermobbing, haben es selbst erlebt oder bei Mitschülern beobachtet und sind auf unterschiedliche Weise damit umgegangen.

Die Schülerinnen Farah und
Emilie wurden selbst Opfer

Farah beispielsweise wurde rassistisch beleidigt und stellte die Täter selbstbewusst in einem persönlichen Gespräch. Emilie wurde selbst Opfer, weil sie sich für ein Mädchen einsetzte, das online angefeindet worden war. Mit ihrem erworbenen Wissen als Medienscouts wollen sie andere davor schützen, selbst Opfer zu werden.

Denn die Medienscouts sollen nicht erst zum Einsatz kommen, wenn ein Fall von Cybermobbing bekannt wird, ihre Arbeit setzt schon früher an. Das Projekt beginne mit der Aufklärung, erklärt die betreuende Lehrerin Kerstin Knüppel: „Die angehenden Medienscouts lernen im Seminar, welche Gefahren und Risiken im Internet lauern und lernen Tricks und Methoden, um dagegen gewappnet zu sein.“

Noch sind die Medienscouts in der Ausbildung. Vier weitere Seminartage stehen ihnen in den kommenden Monaten noch bevor. Doch sie alle sind zuversichtlich, ihren Mitschülern künftig helfen zu können. „Ich denke, dass sich Schüler auf jeden Fall eher trauen werden, Probleme mit anderen Schülern zu besprechen, als damit zu den Lehrern zu gehen“, zählt Mia die Vorzüge der Scouts auf.

Obwohl statistisch 90 Prozent der Schüler über zwölf Jahren ein Smartphone oder Tablet besitzen, wissen die wenigsten, welche Dinge zu beachten sind. Ihr Umgang im Netz ist häufig sehr naiv. Sie posten unbedacht Fotos von sich, ohne darüber nachzudenken, wo ihre Bilder überall landen könnten.

„Sie sollten wissen, dass es keine gute Idee ist, ein Bild ihres nackten Pos irgendwohin zu verschicken“, sagt Kerstin Knüppel provokant. Auch beim Chatten mit fremden Menschen lauern viele Gefahren, die die Schüler kennen sollten, ist die Lehrerin überzeugt.

„Schüler sollten einfach gewisse Grundlagen kennen und die Tricks hinter den Maschen, um nicht erpressbar zu sein oder in die Fallen zu tappen“, äußert sich auch Informatiklehrer Alexander Matyschik, der die Medienscouts ebenfalls unterstützt.

Probleme mit gefährlichen Mutproben, wie sie an anderen Schulen der Region bereits vorgekommen sind, seien an der Wilhelmine-Fliedner-Gesamtschule kein akutes Problem, doch soweit soll es auch nicht kommen, betont Knüppel.

In einem knappen halben Jahr werden die vier neuen Medienscouts mit ihrer Ausbildung fertig sein und dann zum Einsatz kommen. Geplant ist zunächst erst einmal eine offene Sprechstunde. Doch die Scouts sollen darüber hinaus auch regelmäßig in die Klassen gehen und aktive Aufklärungsarbeit betreiben, sowie Infoveranstaltungen und Projekte starten.