Schätzchen statt Federvieh

Schätzchen statt Federvieh

Die Eheleute Demmer haben ihren alten Hühnerstall in ein Domizil für Oldtimer umgebaut.

Gruiten. Für Oldtimer hat sein Herz nie geschlagen. „Aber so langsam macht mir die Sache doch Spaß“, sagt Friedhelm Demmer, während er mit seiner Frau Elisabeth durch ihre große Halle geht. Alte Schätzchen parken dort: unter anderem ein alter Jaguar, vier Mercedes-Limousinen, ein Porsche (Baujahr 1963) und ein Opel von 1959. „In so einem Modell habe ich damals meinen Führerschein gemacht“, erinnert sich Demmer und lacht. Er und seine Frau sind stolz auf das Erreichte, auf ihr Oldtimerdomizil mitten im Grünen.

Denn dort, wo sie heute 26 Stellplätze für alte Autos vermieten, haben sie früher Hühner gehalten. 11 500 Tiere, die in Spitzenzeiten 10 000 Eier legten. „Wir hatten eine Geflügelfarm, standen 34 Jahre lang jede Woche auf neun Wochenmärkten in der Umgebung“, sagt Elisabeth Demmer. Eine Zeit, an die sie sich gerne erinnert. Den Kontakt zu den Kunden hat sie dabei besonders genossen. Dementsprechend schwer ist es ihr gefallen, den Eierverkauf aufzugeben.

„2007 wurde die Art der Hühnerhaltung, wie wir sie hatten, verboten“, erinnert sich Demmer: „Wir hätten zu viel investieren müssen. Das hätte sich nicht gelohnt.“ Grund genug für die Eheleute, sich etwas Neues zu überlegen. Mit Hilfe ihres Schwiegersohnes, er ist Diplom-Ingenieur und Sachverständiger bei der Dekra, kamen sie schließlich auf die Idee des Oldtimerdomizils.

Dafür haben sie ihre große Halle, in der einst die Hühner ihre Eier legten, die dann sortiert und verpackt wurden, mit viel Engagement und Einsatz umgebaut. „Wir haben hier alles selbst gestrichen“, sagen die Eheleute und nicken sich zu. Gut zwei Jahre haben sie dafür gebraucht, unter anderem 400 Liter weiße Farbe auf 300 Quadratmeter Wand und 900 Quadratmeter Decke aufgetragen.

Friedhelm Demmer ist 71 Jahre alt, seine Frau 65. „Wir haben immer gearbeitet, sind jeden Morgen um 4.30 Uhr aufgestanden“, sagt sie. Auch heute noch sitzen sie um 6 Uhr am Frühstückstisch. „Wir sind eigentlich den ganzen Tag zugange. Wir haben beide Ausdauer und Energie“, sagt sie.

13 ihrer Stellplätze haben sie zurzeit vermietet. „Der Porsche hier steht schon seit Wochen bei uns“, sagt Friedhelm Demmer und zeigt auf das schmucke Fahrzeug. Kein Staubkörnchen liegt auf dem schwarzen Lack. „Wir verwenden das Lüftungssystem, das einst dafür sorgte, dass der Hühnerkot trocknete, heute immer noch“, sagt er. Ein stetiger, nicht zu spürender Luftzug sorgt dafür, dass die Wagen weder einstauben noch anfangen zu schwitzen. „Die alten Autos rosten ja so schnell. Aber nicht bei uns. Hier stehen sie sauber, trocken und sicher“, sagt Elisabeth Demmer.

Und auch der Oldtimer-Verkehr halte sich sehr in Grenzen. „Im Winter fahren die Besitzer gar nicht, und im Sommer kann der Inhaber von vier Mercedes-Limousinen ja auch immer nur einen fahren“, sagt Demmer. Hätten sich er und seine Frau entschlossen, aus dem Geflügel- einen Pferdehof zu machen, wäre der Verkehr viel stärker.

Im kommenden Frühjahr wollen sie die zweite Ebene des Domizils fertigstellen. Dort sollen die Oldtimer dann nicht in Boxen, sondern im 45-Grad-Winkel zueinander stehen. Friedhelm Dämmer: „Wer sein Gefährt präsentieren möchte, sollte es hier oben einstellen.“