Qiagen setzt Höhenflug fort

Konzern legt beim Umsatz um acht Prozent zu. Trotzdem wurden Stellen abgebaut.

Hilden. Die guten Geschäfte in den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres haben Qiagen ein ordentliches Plus beschert. Nach einem relativ schwachen Start zu Beginn des Jahres mit einer anfänglich sogar rückläufigen Umsatzentwicklung hat sich das Hildener Biotechnologie-Unternehmen von Quartal zu Quartal verbessert.

Deshalb konnten der Vorstandsvorsitzende Peer Schatz und der Finanzvorstand Roland Sackers am Mittwoch von einer Umsatzsteigerung um acht Prozent gegenüber dem Vorjahr berichten.

Nachdem im Jahr 2010 ein Umsatz von 1,087 Milliarden US-Dollar erzielt wurde, lag der Umsatz im vergangenen Jahr bereits bei 1,169 Milliarden US-Dollar. Das sind etwa 886 Millionen Euro.

Dabei gab es allein im letzten Quartal des abgelaufenen Jahres ein Umsatzwachstum von 17 Prozent auf 334,4 Millionen US-Dollar. Im gleichen Zeitraum des vorherigen Jahres wurde ein Umsatz von 286 Millionen US-Dollar erzielt.

Damit hat Qiagen zwar das selbst gesteckte Ziel erreicht, „aber wir sind noch lange nicht da, wo wir hin wollten“, sagte Sackers. Und auch Schatz wollte angesichts der weltweiten Wirtschaftslage nur von einem „Fortschritt in einem angespannten Wirtschaftsumfeld“ sprechen. Zum Teil geht das Wachstum auf zwei große Zukäufe zurück.

Rund eine halbe Milliarde US-Dollar hat Qiagen im vergangenen Jahr für die Übernahme der Mitbewerber Cellestis und Ipsogen bezahlt. Außerdem wurden neue Niederlassungen in Indien und Taiwan eröffnet.

In das vierte Quartal, das laut Schatz „eines der schnellstwachsenden Quartale der vergangenen Jahre“ war, fiel auch die Ankündigung des Unternehmens, rund zehn Prozent seiner damals weltweit rund 3800 Stellen streichen zu wollen.

Mehr als 30 Prozent dieser angestrebten Kürzung konnten bisher über den Abbau offener Stellen realisiert werden. Auch deshalb fiel der angekündigte Abbau von 150 Stellen in Hilden etwas geringer aus: 114 Mitarbeiter haben nach Firmenangaben die von Qiagen angebotene Aufhebungsvereinbarung angenommen.

Für weitere betriebsbedingte Kündigungen sieht der Vorstandsvorsitzende derzeit keinen Anlass. Im Gegenteil: „Die eingesparten Arbeitsplätze werden in anderen Bereichen wieder aufgebaut“, sagte Schatz. So sind für dieses Jahr 46 neue Arbeitsplätze geplant, weil eine bisher im US-amerikanischen Maryland angesiedelte Produktion in Hilden konzentriert wird.

Nachdem Ende 2011 die Produktion in den neuen Firmengebäuden am Standort Hilden ohne Probleme hochgefahren wurde, rechnet Schatz für das laufende Jahr beim Umsatz mit einem „beschleunigten Wachstum“ um sechs bis acht Prozent.

Dabei seien auch weitere Zukäufe möglich. Zuversichtlich ist Schatz vor allem deshalb, weil die alternde Bevölkerung die Nachfrage nach wirksameren und sicheren Therapien steigern werde. Außerdem verlange der Kostendruck im Gesundheitswesen nach mehr Prävention und effizienteren Behandlungsmethoden. Und in diesen Bereichen sieht sich Qiagen gut aufgestellt.

Mehr von Westdeutsche Zeitung