Pläne für Fahrradstraßen verzögern sich

Pläne für Fahrradstraßen verzögern sich

Die Hagelkreuzstraße ist Hildens einzige Straße, auf der Radfahrer Vorrang vor Autos genießen. Die Grünen wollen mehr.

Hilden. Das Stadtgebiet ist kompakt, die Topographie flach: Hilden ist eine Stadt der kurzen Wege. Das macht sie in den Augen vieler Einwohner so lebenswert. 54 Prozent aller Wege in der Stadt werden umweltfreundlich zu Fuß (37 Prozent) oder mit dem Fahrrad (17 Prozent) erledigt — und nur zu 42 Prozent mit dem Auto. Das hat Professor Gerd-Axel Ahrens von der Technischen Universität Dresden 2013 in seiner Mobilitätsbefragung für den Nahverkehrsplan des Kreises Mettmann ermittelt.

Die Grünen wollen das Fahrradfahren in Hilden fördern — und mehr Fahrradstraßen ausweisen. Doch so einfach ist das nicht, das zeigte sich kürzlich im Stadtentwicklungsausschuss. Die Hagelkreuzstraße ist Hildens erste und bislang auch einzige Fahrradstraße. Susanne Vogel beantragte, auch folgende Straßen so ausweisen: Schul-, Pungshausstraße, Am Strauch (zwischen Kölner Straße und Erikaweg), Luisenstraße-Augustastraße-Hagdornstraße-Hummelster Straße, Am Jägersteig-Am Stadtwald-Schlichterweg, Bismarckstraße (zwischen Hagdornstraße und Berliner Straße), Heiligenstraße (zwischen Kolpingstraße und Zufahrt Warrington Platz) sowie die Schwanenstraße.

„Einfach ein entsprechendes Schild aufstellen reicht nicht“, erläuterte Tiefbauamtsleiter Harald Mittmann. Bestimmte Kriterien müssten erfüllt sein (siehe Info-Box) und auch einer unabhängigen Überprüfung standhalten: „Beschilderungen können durch alle Verkehrsteilnehmer im Streitfall einer gerichtlichen Prüfung unterzogen werden.“

Mittmann schlug vor, zwei Straßen aus der Auflistung der Grünen herauszunehmen: In der Heiligenstraße muss noch ein Regenwasserkanal gebaut werden. Deshalb sei es sinnvoll, erst danach die Situation für Fußgänger und Radfahrer dort zu verbessern. Die Schwanenstraße sei bereits als „verkehrsberuhigter Bereich“ ausgewiesen.

Das bedeutet: Alle Verkehrsteilnehmer sind dort gleichberechtigt. Eine Fahrradstraße bevorrechtige aber einseitig den Radfahrer. „Insofern wäre eine solche Anordnung ein Rückschritt“, meint Mittmann, der auch die zuständige Straßenverkehrsbehörde der Stadt repräsentiert. Bei den anderen vorgeschlagenen Straßen müsse zunächst der Verkehr gezählt und ausgewertet werden. Denn Fahrradstraßen kommen laut Verwaltungsvorschrift nur dann in Betracht, wenn der Radverkehr die „vorherrschende Verkehrsart“ ist oder dies zu erwarten sei.

Zudem müsse die Polizei die Unfallgefahr in den vorgeschlagenen Straßen beurteilen und die Neuaufteilung des Straßenraums (parkende Autos, Markierungen, Einmündungen) untersucht werden. „Erst dann ist klar, ob und wie eine Realisierung erfolgen könnte“, machte Mittmann klar. Einige Großstädte wie München, Bonn und Bremen hätten mit Fahrradstraßen bereits Erfahrungen gesammelt. In München beispielsweise wurden Ende 2014 rund 55 Fahrradstraßen mit 21 Kilometer Länge eingerichtet. 2016 hätten unabhängige Planer untersucht, ob sie wie erhofft funktionieren und was sie für den Verkehr in der Millionenstadt gebracht haben.

Von all diesen Erfahrungen könne Hilden profitieren. Deshalb sollten sie herangezogen werden, schlug er vor. Die Vorarbeiten und Planung könne ihr Amt nicht leisten, legte Baudezernentin Rita Hoff dar: „Wir haben nicht die Leute dafür und brauchen deshalb externes Fachpersonal.“ Sie schätzte die Kosten für die Planung und notwendige Umgestaltung des Straßenraums auf grob 50 000 Euro. Die Grünen ließen ihren Antrag bis 2019 zurückstellen.

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