Pavement Scanner: Hildener Professor forscht für Straßenbau der Zukunft

Hilden : Hildener plant die Straßen der Zukunft

Professor Hartmut Beckedahl hat mit anderen einen Pavement Scanner entwickelt.

Die Themen Straße und Verkehr seien schon immer seine Steckenpferde gewesen, erzählt Hartmut Beckedahl: „Als Student war ich auch im Lehrstuhl für Eisenbahnwesen, aber die Straße hat mich besonders gereizt“, berichtet der Professor an der Bergischen Universität Wuppertal. Inzwischen kann der 66-Jährige auf eine umfangreiche Vita in Forschung und Lehre verweisen. So entwickelte er mit seinem Team Asphalt für Busspuren mit deutlich verlängerter Haltbarkeit oder einen Mikrowellenasphalt, in dem Schlaglöcher auch bei sehr niedrigen Temperaturen beseitigt werden können.

Und auch die Prüfung von Asphalt auf der Suche nach schadhaften Stellen beschäftigt Beckedahl seit langem. Ein besonderes Projekt ließ die Fachwelt zuletzt aufhorchen: Am 11. Juni war Schlüsselübergabe für die bereits 15. Auflage des sogenannten „Pavement Scanners“, eines mit einem Messsystem ausgestatteten LKW zur Beurteilung der Straßensubstanz. Mit dem Gefährt sollen Experten künftig die Tragfähigkeit der Straßen testen und Schäden aufspüren, die von außen nicht erkennbar sind. Das könnte gerade angesichts des erheblichen Sanierungsstaus Zeitpläne straffen und Haushaltskassen schonen. Hersteller des Systems ist das Kopenhagener Unternehmen „Greenwood engineering“. „Man hat mich im Jahr 2012 im Kollegenkreis dazu gebeten“, berichtet Beckedahl, der sich in die Weiterentwicklung des Systems einbrachte: Aus ursprünglich drei Sensoren in der Ur-Fassung des Scanners wurden aktuell elf Doppler-Sensoren. „Der Clou ist, dass die Be- und Entlastungsrichtung erfasst wird“, erklärt Beckedahl – und verdeutlicht den Effekt anhand einer Zeitschrift, über die er mit einem Stift fährt: Dort zeigt sich bei näherem Hinsehen, dass die größte Deformation nicht unmittelbar an der Stelle entsteht, auf die gerade Druck ausgeübt wird, sondern erst kurz dahinter. Somit könne man die Straßensubstanz künftig zuverlässiger beurteilen, betonte Beckedahl, als er den Schlüssel für das 14,5 Meter lange Gefährt von NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) übernahm.

Der «Pavement Scanner» LKW steht auf eine Parkplatz. Foto: dpa/Henning Kaiser

Im praktischen Einsatz ist die aktuelle Version des „Pavement Scanners“, von dem es erst ein Exemplar gibt, noch nicht. Kontrollfahrten sind noch nötig. Zudem diene es zunächst nur Forschungszwecken, erklärt Beckedahl, der seit 1991 das Lehr- und Forschungsgebiet Straßenentwurf und Straßenbau an der Bergischen Universität leitet. Dass ihn sein Berufsweg wieder in seine Heimatstadt führte, sei eher Zufall gewesen, betont er. „Damals ging mein Vorgänger in Pension.“ In diesem Jahr wird auch Beckedahl Abschied nehmen: Zum 1. Oktober übernimmt sein Nachfolger. „Ich will aber auch danach noch Unterstützung leisten und mich sukzessive zurückziehen“, kündigt der Hildener an. Bis dahin wird er noch zwei Promotionen begleiten. Und wenn seine Expertise gefragt ist, wird er sich auch in Zukunft einbringen. Denn auch die bietet schließlich zahlreiche Herausforderungen: „Weniger Erdöl bedeutet auch weniger Bitumen“, erklärt er. Deswegen werde es künftig darum gehen, Ersatzprodukte für das Bindemittel im Asphalt zu beschaffen. „Da sind wir ganz am Anfang.“ Und auch auf den Straßenbau werde sich wieder der Klimawandel und die mit ihm verbundenen Wetterextreme auswirken.

Ein Bildschirm im Führerhaus des Lkw «Pavement Scanners» zeigt während einer Messfahrt die von der Sensorik des Fahrzeugs erhobenen Daten. Der «Pavement Scanner» der Bergischen Universität Wuppertal kann bei einer Fahrt bei verkehrsgerechter Geschwindigkeit den Zustand von Asphaltstraßen erfassen. Foto: dpa/Henning Kaiser
Mehr von Westdeutsche Zeitung