Hilden : Netzwerk unterstützt Demenz-Patienten

Organisatoren des Demenz-Info-Tages im Pfarrzentrum Atrium begrüßten viele Besucher.

„Viele Angehörige bekommen erst sehr spät mit, dass jemand eine Demenz hat und reagieren daher in den ersten Jahren falsch“, erzählt Manfred Tanz. Er besucht seit vielen Jahren ehrenamtlich auf Wunsch der Pflegeeinrichtungen an Demenz erkrankte Menschen in Hilden. „Wenn der Angehörige aber mitbekommen hat, dass der Mensch eine Demenz hat, kann er viel ruhiger darauf reagieren. Daher ist es wichtig, dass die Verwandten möglichst früh über die Erkrankung aufgeklärt werden.“

Genau das ist das Anliegen des Demenz-Info-Tages, den in diesem Jahr das Seniorenbüro des Amtes für Soziales, Integration und Wohnen der Stadt Hilden, die Freizeitgemeinschaft Behinderte und Nichtbehinderte und die katholischen Kirchengemeinde St. Jacobus gemeinsam veranstalten. Unterstützt werden sie zudem durch die Arbeitsgruppe Demenz, der zahlreiche Wohn- und Betreuungseinrichtungen aus Hilden und Umgebung sowie Vereine und Verbände aus dem Themengebiet Demenz und Alzheimer angehören.

 „Ich bin schon lange in der Demenzarbeit und es hat sich schon vieles verändert. Aber es ist nach wie vor sehr wichtig, dass man solche Veranstaltungen macht, um die Vielfalt der Möglichkeiten der Hilfe aufzeigt“, erklärt Sabine Kussel-Schmitz, Leiterin der Nachbarschaftszentren St. Jakobus und der Seniorenarbeit der Gemeinde. „In den letzten Jahren sind die Finanzierung der Pflege und die Hilfsangebote viel besser geworden“, berichtet die Diplom-Sozialarbeiterin. So kann ein Demenzkranker zum Beispiel mit Hilfe einer Virtual-Reality-Brille in seine alte Heimat zurückkehren. „Solche Angebote unterstützen die Erinnerungsarbeit und auch die Lebensfreude“, berichtet Kussel-Schmitz.

1,7 Millionen Demenzkranke lebten 2018 in Deutschland

Bei einer Demenz sind zunächst das Kurzzeitgedächtnis und die Merkfähigkeit beeinträchtigt und mit fortschreitender Krankheit auch das Langzeitgedächtnis. Im vergangenen Jahr lebten in Deutschland etwa 1,7 Millionen Menschen mit Demenz. Da es für viele Formen der Demenz noch keine Therapie gibt, steht häufig im Vordergrund, die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Dabei seien Impulse von außen besonders wichtig, erklärt Kussel-Schmitz.

Was mit solchen Impulsen erreicht werden kann, zeigt auch die Arbeit der Heilpädagogin Daniela Klein mit der an Demenz erkrankten Käthe Momm. Klein hat im Rahmen ihrer Ausbildung in Kooperation mit dem Seniorenzentrum Hummelsterstraße Frau Momm dazu angeregt, Bilder zu malen, die am Demenz-Info-Tag ausgestellt werden. Und obwohl Käthe Momm nicht mehr sprechen kann, war mit Hilfe der Bilder eine Kommunikation mit der Heilpädagogin möglich.

Neben der kleinen Ausstellung finden auf dem Demenz-Info-Tag auch Workshops und Vorträge sowie ein Theaterstück statt. „Wir wollen das Thema Demenz mehr in die Öffentlichkeit rücken, die Hemmschwelle dazu abzubauen und auch zeigen welche Angebote es in der Stadt für Betroffene und Angehörige gibt“, erklärt Anita-Maria de Witte vom Seniorenbüro Hilden.

Der Demenz-Info-Tag findet alle zwei Jahre statt. Das gut besuchte Atrium zeigte am Samstag, dass das Thema Demenz mittlerweile eine große Rolle in der Gesellschaft spielt.

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