Musikschule kämpft ums Überleben

Musikschule kämpft ums Überleben

Der Wegfall der städtischen Zuschüsse für die Haaner Einrichtung sind vom Tisch. Nun muss neu verhandelt werden.

Haan. Für Thomas Krautwig und Reinhard Pech bot der aktuelle Haushaltsplan-Entwurf eine besondere Überraschung. Denn der städtische Zuschuss für die Musikschule in Höhe von aktuell 130 800 Euro war in dem Zahlenwerk nur noch für 2016 aufgeführt. Für 2017 und folgende Jahre stand stattdessen eine Null. „Wir haben erst mal nachgefragt, ob das Absicht oder ein Versehen war“, berichtet Reinhard Pech, Vorsitzender des Vereins Musikschule Haan. Schließlich würde der ersatzlose Wegfall der kommunalen Unterstützung das Aus für die Einrichtung bedeuten.

Die Wählergemeinschaft lebenswertes Haan (WLH) hakte nach: Im vergangenen Bildungsausschuss stellte sie einen Antrag zum „Fortbestand der Musikschule Haan“ mit dem Ziel, die Zahlungen an die Musikschule auch in den nächsten Jahren sicherzustellen. Denn mit der Herabsetzung des städtischen Zuschusses auf Null „wird der Eindruck vermittelt, dass die Stadt Haan keinen neuen Zuschussbescheid der Musikschule Haan mehr nachfolgen lassen möchte, um hier den Haushaltsausgleich in 2020 zu erreichen, der aktuell mit einem rechnerischem Überschuss in Höhe von nur 3500 Euro erreicht wird“, schrieb WLH-Fraktionschefin Meike Lukat in dem Antrag. Offizielle Erklärung der Stadtkämmerei: Es handelt sich dabei um einen Irrtum. Flugs soll der Zuschuss in der aktuellen Höhe auch für die Folgejahre nachgetragen werden.

So weit, so gut. Aber damit hat die Musikschule vielleicht eine rettende Insel, nicht aber das sichere Festland erreicht. Denn über die Höhe der städtischen Zuschüsse „muss es zeitnah Verhandlungen geben“, berichtet Musikschulleiter Thomas Krautwig: Der für fünf Jahre geltende Förderplan läuft 2016 aus. „Für 2017 und folgenden Jahre müssen wir neu verhandeln“, erläutert Reinhard Pech. Und ob es auch dann noch 130 800 Euro geben wird, ist fraglich. Denn der städtische Zuschuss ist in den vergangenen Jahren immer weiter gesunken: „Zwischen 2012 und 2016 waren es jedes Jahr etwa 3000 Euro“, berichtet Krautwig. Zum Vergleich: Im Jahre 2004 erhielt die Musikschule von der Stadt Haan noch 163 000 Euro. Schon alleine diese ständig schrumpfenden Beträge reißen ein nicht leicht zu stopfendes Loch in die Finanzierung der Musikschule.

Die Haupteinnahmequelle sind dabei die Entgelte, die Schüler oder deren Eltern für den Unterricht bezahlen. Die städtischen Zuschüsse sind das zweitwichtigste Standbein. Spenden sind die drittwichtigste Einnahmequelle. Reinhard Pech sieht kaum noch Luft, die sinkenden städtischen Einnahmen über andere Einkommensquellen zu kompensieren: „Wir haben in den letzten Jahren ständig die Elternbeiträge hochgestellt. Jetzt haben wir einen Jahresabschluss mit plusminus Null.“ Das ist keine komfortable Situation, besteht doch der größte Kostenfaktor aus den Löhnen für die 42 Lehrer, die nach dem verhältnismäßig teuren öffentlich-rechtlichen Tarif bezahlt werden. Und weitere Lohn- und Gehaltssteigerungen sind abzusehen. „Wir müssen die steigenden Gehälter durch einen steigenden Zuschuss der Stadt auffangen.“

Mehr von Westdeutsche Zeitung