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Mobilitätskonzept entscheidet Hildens Zukunft

Wohin soll sich Hilden entwickeln? : Mobilität wird hinterfragt

Der Stadtentwicklungsausschuss hat einstimmig das Büro Stadtverkehr mit dem Groß-Projekt beauftragt. Die Ergebnisse werden erst in zwei Jahren vorliegen. Sie entscheiden mit, wie und wohin sich Hilden in den nächsten 30 Jahren entwickeln wird.

Die Verwaltung hatte zehn Fachbüros gebeten, ein Angebot abzugeben. Die besten drei stellten sich in der Sitzung nacheinander persönlich vor: Büro Stadtverkehr (Hilden), Büro für Stadt- und Verkehrsplanung Dr. Baier (Aachen) und Planersocietät (Dortmund). Alle drei Anbieter hätten die komplexe Aufgabenstellung sorgfältig beachtet und seien „hochkompetent“, sagte Baudezernent Peter Stuhlträger.

Der Auftrag geht an das Hildener Büro Stadtverkehr, beschlossen die Fraktionen im Stadtentwicklungsausschuss – einstimmig. Weil die Planer in Hilden sitzen (kurze Wege) und die Probleme sehr gut kennen. Und wegen ihrer Expertise. Das Büro hat in den vergangenen 13 Jahren 24 Projekte bearbeitet und ist nach eigenen Angaben auch in der Region gut vernetzt. Gut zwei Jahre wird die Erarbeitung des Mobilitätskonzepts dauern, schätzt Geschäftsführer und Gesellschafter Jean-Marc Stuhm. Dafür hat der Stadtrat 220 000 Euro bereit gestellt.

Es geht um die Frage, wie
Hildener mobil bleiben können

Wie können die Hildener mobil sein und bleiben, zu Fuß, mit dem Rad, mit dem Auto, mit Bus und Bahn und welche Kombination lässt sich am besten vernetzen? Und wie könnte die Stadt und ihre Einwohner trotzdem mehr Lebensqualität gewinnen?: Dazu soll das Mobilitätskonzept Rat und Verwaltung Fakten, Vorschläge und Konzepte liefern.

Das ist die Ausgangslage: Die Stadt Hilden hat ein dichtes Straßennetz und zahlreiche Parkhäuser in der Innenstadt. An der Walder Straße und Ecke Benrather und Berliner Straße wurden Werte von 47 sowie 52,2 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter gemessen. Das ist ein Hinweis darauf, dass der Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter im Jahresmittel offensichtlich überschritten wird.

Die Motorisierung mit Autos in Hilden hat in den vergangenen zehn Jahren um rund 7,7 Prozent zugenommen. Unter den 100 am dichtesten besiedelten Städten Deutschlands steht Hilden auf Platz 35. Hier leben 2149 Einwohner pro Quadratkilometer. Verkehrslärm, Abgase und Feinstaub gehören für viele Hildener zum Alltag.

Wie nutzen die Hildener Mobilität? Nur 45 Prozent aller innerstädtischen Wege werden mit dem Auto erledigt: 21 Prozent mit dem Fahrrad, 29 Prozent zu Fuß und 5 Prozent mit dem Bus.

Hilden ist fast fertig gebaut. Es gibt keine Raumreserven mehr, um beispielsweise ein großzügiges eigenes Radverkehrsnetz anzulegen. Alle großen Verkehrsachsen sind nicht im Zugriff der Stadt, sondern gehören Land und Bund.

Veränderungen sind nur
durch Umverteilungen möglich

Veränderungen lassen sich also nur durch Umverteilung des begrenzten öffentlichen Raums erzielen. Wer mehr Platz für Fußgänger oder Radfahrer will, muss ihn den rollenden oder ruhenden motorisierten Verkehr wegnehmen – oder umgekehrt. Und das wird kaum ohne zahlreiche Zielkonflikte abgehen.

Das Büro Stadtverkehr will in vier Schritten vorgehen: Ist-Analyse, Erarbeitung eines Leitbildes (Wo will Hilden eigentlich hin?), Vorschläge von konkreten Maßnahmen (Wofür gibt es Zuschüsse von Land und Bund?) und schließlich ein Monitoring-Konzept (Was wurde erfolgreich umgesetzt, was nicht und warum nicht?).

Ganz wichtig aber ist: Der Stadtrat ist als Bürgerparlament ganz dicht dabei, wird bei jedem Schritt gefragt – damit die Fachleute nicht an der Politik vorbeiplanen. Und auch die Bürger sollen die Erarbeitung des Mobilitätskonzepts eng begleiten.

Befragungen und mindestens zwei Stadtkonferenzen sind geplant. Das dauert zwar, soll aber dazu beitragen, dass die vorgeschlagenen Maßnahmen am Ende auch von einer breiten Mehrheit akzeptiert werden.