Markus Rotzal: Naturschützer aus Berufung

Markus Rotzal: Naturschützer aus Berufung

Der 28-jährige Markus Rotzal ist ein Umweltschützer aus Leidenschaft.

Haan. Markus Rotzal ist nicht zu stoppen. Wenn es um sein Engagement, seine Arbeit, sein Studium geht, redet der 28-Jährige ohne Pause — und immer begeistert, immer mit einem Lächeln im Gesicht. Egal, ob er einen Balkenmäher aus dem Anhänger seines Wagens lädt, in der Grube 10 den Magerrasen stutzt oder Naturschützern den Umgang mit der Motorsäge beibringt.

Er ist Naturschützer aus Leidenschaft. Aber genauso gerne Umwelt- und Artenschützer, Lehrer und Pädagoge. Er ist einer von drei Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Natur und Umwelt (Agnu) Haan, ist Beisitzer im Kreisverband des Naturschutzbundes Deutschlands (Nabu) und dort auch Stadtbeauftragter für Haan. Für das Bildungswerk des Nabu vermittelt er Kenntnisse in Arbeitssicherheit und Unfallverhütung, lehrt den Umgang mit Motorsägen und Handsensen, betreibt professionelle Baumpflege und schreibt Gutachten, wenn zum Beispiel ein Gebiet bebaut werden soll. Gerade hat er seinen Master an der Uni Bielefeld gemacht. „Eigentlich habe ich Deutsch und Biologie auf Lehramt studiert. Aber ich habe auch Ökologie und drei Semester Umwelttechnik studiert“, sagt er.

Irgendwie habe alles, was er macht, mit Natur und Umwelt zu tun. Und das ist genau das, was ihm gefällt. „Es macht Spaß, wenn man die Ergebnisse seiner Arbeit sieht und plötzlich in einer Wolke von Schmetterlingen steht“, sagt er. Für die am Samstag anstehenden Arbeiten in der Grube 10 mit Mitgliedern der Agnu und anderen ehrenamtlichen Helfern hat er am Freitag erste Vorbereitungen getroffen.

„Ich warte auf mein Hochschulzeugnis und habe jetzt Zeit, auch werktags zu arbeiten“, sagt er. In dem ehemaligen Steinbruch stehen Mäharbeiten an, damit das Gebiet nicht zuwächst, sondern eine offene, trockene und vor allem im Sommer heiße Fläche bleibt, die bestimmten Schmetterlings- und Orchideenarten eine Heimat bietet.

„Das ist konzeptioneller Naturschutz“, sagt Rotzal. Den betreibt er in diesem Fall durchaus gerne. „Es gibt in Deutschland sowieso kaum noch Natur-, sondern nur noch Kulturlandschaften“, sagt er. Überall seien die Auswirkungen des menschlichen Handelns zu spüren, in der Grube 10 war es der Abbau von Kalkstein. „Es ist eh alles künstlich, dann können auch wir unseren künstlichen Teil dazu beitragen“, sagt er.

Wichtig ist Rotzal dabei die Zusammenarbeit mit anderen, ähnlich engagierten und begeisterten Menschen. „Netzwerken ist ganz wichtig“, sagt er. Ohne die Mitstreiter ginge es nicht. Wilfried Sendt ist einer von ihnen. Der 61-Jährige ist im Vorruhestand. „Die Arbeit für die Agnu und auch den Nabu, das ist genau das Richtige für mich“, sagt er. Und Rotzal fügt lachend hinzu: „Er ist einer von denen, die unter mir leiden müssen, wenn ich unter der Woche zum Beispiel hier in der Grube arbeiten will und ihn dazuhole.“

Auch wenn sich der eine Mitstreiter mehr für den Schutz der Orchideen und der andere mehr für die Schmetterlinge einsetze. „Wir bemühen uns hier um Kompromisse, um allen gerecht zu werden“, sagt Rotzal — und präzisiert: „Wir wollen in der Grube 10 den Biotopkomplex fördern.“ Möglichst viele Arten sollen dort einen Lebensraum erhalten. „Und vielleicht kommen ja von der Grube 7 die kürzlich ausgesetzten Zauneidechsen hierhin“, sagt er. Den entsprechenden Lebensraum würden sie auf jeden Fall vorfinden.

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