Marktpassage: Bilder aus dem Schaufenster

Marktpassage: Bilder aus dem Schaufenster

Die Malerin Dagmar Heß hat in der Marktpassage eine Galerie mit Atelier eröffnet.

Hilden. Eine Gemüseschale aus dem Supermarkt dient gerade als Palette für giftig-grüne Farbe. „Keine Angst, das bleibt nicht so grell leuchtend, wenn es trocknet“, sagt Malerin Dagmar Heß.

Mit einem Borstenpinsel rührt sie durch den puddingartigen Klecks. Ihre aktuelle Arbeit liegt auf dem Arbeitstisch ihrer Galerie in der Marktpassage — eine Komposition aus Acrylfarbe, Spachtelmasse und einem Notenblatt.

Anfang des Jahres hat sich die studierte Wirtschaftswissenschaftlerin einen Traum erfüllt: eine eigene Galerie mit genügend Platz, um an ihren großformatigen Bildern zu arbeiten. Mit einem Ladenlokal in der Marktpassage fand sie einen Raum, der ihr gefiel.

Neben Pastellkreide und Quetschflaschen voller Farben liegen ein paar Fotos zur Anregung auf dem Tisch. Eine Wassersprühflasche wie zum Bügeln steht bereit: „Damit kann man die Farbe verlaufen lassen“, sagt Heß — ein Effekt, den sie auch mit Tusche nutzt.

„Es trägt sich“, ist das Fazit der Künstlerin nach den ersten Monaten ihrer Galerie. Die Miete für das Ladenlokal sei günstig, und die Nachfrage nehme zu. „Die meisten kommen gezielt auf Empfehlung oder durch Zeitungsberichte“, sagt Heß. Inzwischen habe sich die Passage belebt, alle Läden seien vermietet. Unter den Passanten seien die Kinder besonders neugierig.

Aber auch Erwachsene bleiben vor den Schaufenstern der Malerin stehen. Emotionale Farbkombinationen, abstrahierte Blüten oder Collagen mit Fotos und Zeitungsausrissen sind zu sehen.

Sackleinen oder Schieferstücke landen auf ihren Bildern. Wenn Kunden ein Bild in anderen Farben haben möchten, malt sie es neu. Ihren Käufern bietet sie Hausbesuche an: „Da halten wir das Bild mal an die Wand. Bisher hat es immer gepasst“, sagt Heß.

Der größere Platz in der Galerie erweitert die Möglichkeiten der zweifachen Mutter. Angesichts der Bildermengen zu Hause habe ihr Mann Martin gesagt, sie müssten anbauen — oder sie brauche ein Atelier.

Ein Raum in Innenstadtlage sei ideal: „Im Industriegebiet bin ich abends allein“, sagt Heß — da fühle sie sich nicht wohl. „Zu Hause ist es mit den großen Formaten schwer“, sagt die Malerin. Gemälde, die breiter als 1,40 Meter sind, könne sie dort nicht handhaben.

Außerdem brauche sie zum Arbeiten einen Raum mit unempfindlichem Boden — Farbflecke bekomme sie nur schwer wieder weg.

Mit Arbeit ist die 43-Jährige gut ausgelastet. Zweimal wöchentlich öffnet sie ihre Galerie, ansonsten bereitet sie Ausstellungen vor. Malkurse, wie viele Künstler sie anbieten, macht sie nicht: „Das schaffe ich zeitlich nicht.“ Den Mietvertrag hatte sie zunächst über ein Jahr abgeschlossen. Ob sie bleiben wird, sei zwar noch offen, sagt Heß, aber: „Ich bin hier sehr zufrieden.“