Hilden : Japanische Comics finden immer mehr Anhänger

Die Manga-Workshops in der Stadtbücherei Hilden sind sehr gut besucht. Die Anime- und Mangaszene wächst.

Leuchtende Kulleraugen, ein knabenhaftes, rundliches Gesicht und zottelige Haare. Das sind nur drei der markantesten Eigenschaften von Mangas, den japanischen Comics, die bereits vor über 40 Jahren Einzug in die deutsche Jugendkultur erhielten. Denn Mangas sind nicht erst seit Dragon Ball oder Pokemon beliebt. „Auch Heidi war ein Manga, bevor es zur Anime-Serie wurde“, erklärt Alexandra Völker. Die 33-Jährige ist Designerin und Comicbuch-Autorin, hat bereits sechs eigene Mangas veröffentlicht und leitet den Manga-Workshop in der Hildener Bücherei.

23 Jugendliche zwischen zehn und 15 Jahren nahmen am nun schon fünften ausgebuchten Manga-Workshop der Bücherei teil und bastelten sich eine eigene Pop-Up Karte mit ihren Lieblingsfiguren. Die große Nachfrage an diesem Vormittag überrascht die Fachfrau nicht. „Die Szene wächst und wächst.“

Workshopleiterin Alexandra Völker reist gerne nach Japan

Große Conventions, wo Fans des Genres in der Aufmachung ihrer Lieblingsfiguren erscheinen, fänden so gut wie an jedem Wochenende in Deutschland statt, erzählt sie. Eine der größten Manga-Messen der Region findet sogar ganz in der Nähe statt. Die „DoKomi“ in Düsseldorf lockt seit zehn Jahren immer mehr Besucher an, zuletzt im Juni dieses Jahres rund 55 000 Manga-Fans.

Völker liebt Manga und Anime, wegen der Optik aber auch wegen der Geschichten. Sie selbst versorgt sich regelmäßig übers Internet oder während ihrer Japan-Reisen mit neuem Lesestoff, denn „das, was man in Deutschland an Mangas bekommt, sind lediglich die Verkaufsschlager aus Japan und meist auch nur für ein junges Publikum“.

Auch die Bücherei hat diesen Hype vor Jahren aufgenommen, führt nicht nur eine eigene Manga-Abteilung im Jugendbereich, sondern bietet eben auch regelmäßig solche Workshops an, wie Bibliothekarin Stefanie Krüger berichtet. Die 14-jährige Lorena packte vor rund drei Jahren das Manga-Fieber. „Ich habe damals auf dem Trödelmarkt ein Manga entdeckt und es gekauft. Danach habe ich mir direkt weitere Bücher geholt“, erzählt sie. Sie lese gerne die Comics, zeichnet aber auch sehr gerne die Figuren nach. „Ich finde, in Mangas lassen sich die Emotionen viel stärker ausdrücken und sie sehen einfach sehr niedlich aus.“ Der vierstündige Workshop in der Bücherei mache ihr Spaß, versichert die 14-Jährige. „Ich habe auch sehr viel Neues gelernt, wie ich die Figur beispielsweise besser strukturiere.“ Tatsächlich sind alle der 23 Teilnehmer schwer von ihren Stiften zu lösen, als Völker nach knapp zwei Stunden zu einer Pause aufruft. „So jetzt legt mal alle die Stifte weg, trinkt und esst was und geht mal kurz raus.“

Mangas werden von hinten
nach vorne gelesen

Der ein oder andere versucht die letzten Flächen seiner Figur auszumalen, doch Völker scheucht sie davon. „Ihr könnt gleich weitermachen.“ Leon und Philipp sind nach der 20-minütigen Zwangspause schnell wieder im Raum, greifen zum Farbstift und tauchen ein in die Fantasie-Welt. „Ich lese sehr gerne Manga“, sagt der zwölfjährige Leon ohne seinen Blick von der gemalten Figur zu lösen. „Die japanischen Comics werden anders als deutsche oder amerikanische gelesen“, sagt er und fügt hinzu, „man liest sie von hinten nach vorne.“ Auch Philipp ist von den Figuren fasziniert. „Sie sehen einfach sehr niedlich aus und überhaupt nicht aufwendig zu zeichnen.“

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