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Lateinlehrerin Kornelia Löpke verlässt das Haaner Gymnasium

Haan : Eine „Institution“ verabschiedet sich

Kornelia Löpke verlässt das Haaner Gymnasium und geht in den Ruhestand. Die Englisch- und Lateinlehrerin ist 1985 in die Gartenstadt gekommen und liebt ihren Job. Die Corona-Krise verhindert einen großen Abschied.

Nach 35 Jahren im Schuldienst verabschiedet sich Kornelia Löpke (63), Oberstufenkoordinatorin des Haaner Gymnasiums, am Freitag in den Ruhestand. Mit der langjährigen Englisch- und Lateinlehrerin, die bis zuletzt jedes Jahr einen Latein-Leistungskurs auf die Beine stellte, verliert die Schule „eine Institution“, sagt Schulleiterin Friederike von Wiser.

Normalerweise steht Kornelia Löpke am Ende eines jeden Schuljahres da, beglückwünscht die erfolgreichen Abiturienten und verabschiedet sie in einen neuen Lebensabschnitt. Diesmal ist es anders, und zwar nicht nur wegen der anhaltenden Corona-Pandemie. Diesmal ist es Löpke selbst, die sich nach 35 Jahren am Gymnasium Haan aus dem Schuldienst verabschiedet. Wegen Corona in einem ungewöhnlich kleinen Rahmen, doch traurig stimmt sie dieser Abschied nicht, erzählt die Lehrerin. Die Freude über die gewonnene Zeit überwiege, obgleich sie sich immer sehr wohl in der familiären Bildungseinrichtung der Gartenstadt gefühlt habe. „Bereut habe ich es nie. Und ich hatte auch nie Lust, etwas anderes zu ­machen.“

Früher hat sie die Zeugnisse
noch per Hand ausgefüllt

Als die Düsseldorferin im Jahr 1985 die Festanstellung am Haaner Gymnasium antrat, „befanden wir uns in einer Zeit, in der kaum Lehrer eingestellt wurden.“ In der Gartenstadt war das nicht anders. Sie traf jedoch auf ein freundliches Kollegium und ein familiäres Arbeitsklima. Schnell übernahm sie Verantwortung für die Verwaltungstätigkeiten des Schulbetriebs und kümmerte sich neben dem ganzjährigen Unterrichten mit mindestens ebenso viel Leidenschaft um die Ausstellung der Abiturzeugnisse am Ende eines jeden Schuljahres. „Früher haben wir die Abiturnote noch zu Fuß ausgerechnet und die Zeugnisse per Hand geschrieben.“ Auch wenn das eine sehr anstrengende Tätigkeit war, verrät sie schmunzelnd: „Mir hat auch diese Arbeit sehr viel Spaß gemacht.“

Freude empfand sie darüber hinaus ebenso bei der Erstellung von Stunden- und Vertretungsplänen: „Das ging damals noch mit Legoklötzchen, die wir an eine Wand steckten. Jeder Lehrer hatte seine eigene Farbe.“ Eine echte Fummel- und Strukturarbeit.

Doch eine strukturierte Denke bringt Löpke dank ihres Lateinstudiums mit. Früh war ihr klar, dass sie Lehrerin werden wollte. Für Latein und Geschichte habe sie sich schon immer interessiert. Am Ende wählte sie das Lehramtsstudium mit den Fächern Englisch und Latein.

Vieles habe sich über die vergangenen drei Jahrzehnte verändert, nicht nur dass die Digitalisierung in die Schulen eingezogen ist, Zeugnisse und Stundenpläne mittlerweile am Computer entstehen. Auch das Schulleben, die Lernweise und nicht zuletzt die Fächerwahl der Schüler hat sich verändert. In immer weniger Schulen kommen noch Lateinkurse über die Mittelstufe hinaus zustande.

Doch in Haan ist das, auch maßgeblich durch das Engagement und die Leidenschaft von Kornelia Löpke, anders: Jedes Jahr entscheiden sich zwischen zehn und 15 Schüler für einen Latein-Leistungskurs und legen ihr Abitur in der alten Sprache der Römer ab.  „Ein Lateinstudium hilft dabei, in Strukturen zu denken. Das ist für viele andere Bereiche des Lebens wichtig“, sagt Löpke.

Für Latein begeistern konnte sie die Schüler, weil sie selbst begeistert davon ist, sagt die Pädagogin: „Der Funke der Leidenschaft für meinen Beruf ist bei mir über die Jahre nie ausgegangen, ich würde sogar sagen, dass er stärker geworden ist, weil man selbst mit der Zeit und der Erfahrung authentischer wird.“

Besondere Freude haben ihr immer die Studienfahrten mit ihren Schülern der Latein-Leistungskurse nach Rom bereitet. „Eine wunderbare Stadt“, schwärmt Löpke. „Ich war sicherlich zehn- bis zwölfmal dort und kenne Rom besser als meine Heimatstadt Düsseldorf.“ Auch im Ruhestand – das steht neben ausgiebiger lateinischer Lektüre und ausreichend Zeit mit ihrer „wunderbaren Familie“ fest in ihrem Plan – will Löpke wieder nach Rom reisen, dann allerdings mit ihrem Mann, der die „ewige Stadt“ so sicherlich noch nicht kennen gelernt hat.