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Kliniken in Hilden und Haan bereiten sich auf Omikron vor

Corona in Hilden und Haan : Kliniken rüsten sich für Omikron

Noch sind die Krankenhäuser in Hilden und Haan nicht überlastet. Der Anteil der Omikron-Patienten nimmt aber zu. Laut einer Sprecherin ist ein Großteil der hospitalisierten Corona-Infizierten nicht geimpft.

(tobi) Die Inzidenz ist am Mittwoch im Kreis auf 620,7 gestiegen – ein neuer Rekordwert in der Corona-Pandemie. Von den rund 3000 Corona-Infizierten in den vergangenen sieben Tagen konnte bisher bei 700 die Omikron-Variante nachgewiesen werden. Experten rechnen damit, dass sich die hochansteckende Virusmutation deutlich schneller ausbreitet. Die Verläufe sollen allerdings milder sein, erklärte der Corona-Expertenrat der Bundesregierung. Darauf wiesen erste Untersuchungen aus Südafrika und Großbritannien hin. Das Risiko schwer zu erkranken sei laut derzeitiger Studienlage geringer. Aufgrund der Kürze der Zeit fehle allerdings die weitere wissenschaftliche Überprüfung dieser Zwischenergebnisse. Schlechter stünden Menschen ohne Immunschutz da. Bei ihnen sei nicht mit leichteren Verläufen zu rechnen, schreibt der Expertenrat.

Die Krankenhäuser in unserer Region bereiten sich auf die erwartete Omikron-Welle vor. Die Kplus-Gruppe betreibt das St.-Josef-Krankenhaus in Haan sowie das St.-Josefs-Krankenhaus in Hilden. „Wir haben verschiedene Szenarien ausgearbeitet, die sehr kurzfristig umsetzbar sind, um die Patientenversorgung zu sichern – ganz gleich mit welcher Erkrankung die Patientinnen und Patienten zu uns kommen“, erklärt die Sprecherin der Kplus-Gruppe, Cerstin Tschirner. Das betriffe in wesentlichen die Ausweitung der Beatmungs- und Intensivkapazitäten. „Mitarbeitende sind im Umgang mit Beatmungsgeräten geschult worden, um bei Bedarf die fachweitergebildete Intensivpflegekräfte zu unterstützen und zu entlasten. Mit Ausnahme der Isolierstationen, die dauerhaft eingerichtet sind, mussten diese Szenarien aber noch nicht in die Tat umgesetzt werden.“

Die Anzahl der hospitalisierten Corona-Patienten in Hilden und Haan ist momentan noch überschaubar: Im Hilden sind es vier, in Haan fünf. „Zurzeit beobachten wir, dass trotz der hohen Inzidenzen die Zahl der stationär behandlungsbedürftigen Patientinnen und Patienten mit einer Covid-19-Infektion im Vergleich zu den vorangegangenen Wellen gering ist“, erklärt Cerstin Tschirner weiter. „Aus den Fällen, bei denen die Virusvarianten bekannt sind, können wir einen Anstieg der Omikron-Fälle verzeichnen. Heißt aber auch, wir behandeln in beiden Häusern Patientinnen und Patienten sowohl mit nachgewiesenen Delta- als auch Omikron-Varianten.“ Eines zeige sich dabei: „Von den Patientinnen und Patienten der letzten Wochen sind die wenigsten vollständig geimpft.“

In einigen Bundesländern steigt die Zahl der Corona-Patienten auf den Stationen wieder an: „Perspektivisch müssen wir damit rechnen, dass dieser Anstieg als Konsequenz aus den hohen Infektionszahlen auch die Intensivstationen erreicht, die ersten Omikron-Fälle gibt es dort bereits. Wir rechnen fest damit, dass man diese Tendenz auch bundesweit sehen wird“, erklärte der Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, unserer Zeitung.

Auf den Stationen der Krankenhäuser in Hilden und Haan spitzt sich die Situation aber noch nicht zu. „Zurzeit werden keine Operationen verschoben. Wir wollen so lange wie möglich beides schaffen: die Versorgung der Corona-Patientinnen und –Patienten sowie die all derer, die wegen anderer Erkrankungen zu uns kommen und unsere Hilfe benötigen“, sagt Cerstin Tschirner. Im Fall der Fälle könnten aber auch kurzfristig neue Kapazitäten an Beatmungs- und Überwachungsplätzen geschaffen werden.

Die Situation wird täglich neu bewertet in den Kliniken

Und wie steht es um das Personal? „Wir bewerten die Situation in jedem Haus täglich neu: Wie viele Patientinnen und Patienten sind ambulant und stationär zu versorgen, wie ist die personelle Situation in den einzelnen Bereichen? Das ist dann die Basis für die Entscheidung, welche der unterschiedlichen Szenarien greift.“ Das sei eine Art Kaskadenmodell mit unterschiedlichen Stufen je nach Lage. „Es gibt auch organisatorische Möglichkeiten, um die Versorgung weiterhin sicherzustellen, zum Beispiel das Zusammenführen unterschiedlicher Fachbereiche auf einer Station. Pflegekräfte haben eine umfassende Ausbildung, so dass sie in unterschiedlichen Bereichen kompetent arbeiten können“, so Tschirner.

Erst ganz am Ende der Kaskade stünde dann das Verschieben von planbaren Operationen. Die Impfquote des Pfleger und Ärzte in den beiden Krankenhäuser liege aktuell übrigens bei „90 Prozent plus“.