Karnevalssitzung "Kölsche Tön" in Hilden

Hilden : „Kölsche Tön“ laden zum Schunkeln ein

Die Kostümsitzung von Narrenakademie und Musketieren war ein karnevalistischer Hit.

Wenn eine Karnevalsveranstaltung „Kölsche Tön“ heißt, darf man sich als Hildener Jeck nicht wundern, dass mehr „Alaaf“ statt „Helau“ gerufen wird. Dass die Stadthalle ausgebucht ist, spricht schon eher für ein besonderes Ereignis – zumal an einem Dienstag. Rund 1100 Karnevalsfreunde schunkelten auf Einladung der Narrenakademie und der Musketiere. Und schon beim Einmarsch des Korps Rot-Weiss Hürth-Gleuel war klar: Diese Sitzung wird spitze, auch wenn man dafür 33 Euro Eintritt zu zahlen hatte. Miriam Schmidt, ein buntkreativer Clown, ihre Freundinnen Ina Wagenpohl als „kölsches Mädchen“ und Petra Jakob (Schriftführerin des Richrather Karnevalvereins) sind bester Stimmung. „Diese Sitzung ist seit Jahren ein Hit.“ Und das frühe Aufstehen am nächsten Morgen? „Für das Feiern brauchen wir keinen Alkohol.“

Deshalb wird auch, wenn sie nicht vor ein Uhr ins Langenfelder Bett kommen, um sechs am Mittwoch wieder aufgestanden. Die lange Session lässt auch die Oberjecken ganz entspannt sein. Privat als Pirat entert Karl Rubröder, Kapitän der Kniebachschiffer, im quer geringelten T-Shirt den Stehtisch: „Heute feiern wir alle zusammen. Wir sind mit 15 Leuten dabei.“ Auf der Bühne bringt inzwischen das Kinderprinzenpaar singend in Begleitung der Band „Happy Company“ das Publikum zum Mitklatschen. Zuvor hat Jürgen B. Hausmann seinem Namen entsprechende Wort-Kost abgeliefert. Emsige Kellner in adretten Schürzen flitzen mit Schumacher-Alt (das Glas zu 2.50 Euro) von Tisch zu Tisch, die mit weißen Decken und Deko aufgehübscht sind.

Und am nächsten Morgen um sechs Uhr wird aufgestanden

Die 0,7 Liter- Flasche Wasser kostet sieben Euro. Und das Büffet bietet reichlich Leckeres von Brezen bis Hack. Köche sind übrigens auch als Verkleidung der Renner. Steht fast jedem Mann - eine streckende Jacke und eine Haube auf dem Kopf. Überhaupt: In Sachen Kostümierung braucht sich Hilden nicht vor den konkurrierenden Großstädten zu verstecken. Ob Sexy-Schottin im karierten Minirock oder die gepflegte Leoparden-Lady, ob kunterbunte Frackfans oder Hippie-Freaks. Es gab viel Kreatives und ganz offensichtlich auch Selbstgemachtes zu bewundern. Seit sechs Jahren setzen Narrenakademie und die Musketiere auf gemeinsamen Frohsinn. „Wir wollen den Hildenern eine Sitzung bieten, die es sonst nur in Köln gibt“, erklärt Manfred Hemme, Präsident der Narrenakedemie und akut als Zirkusdirektor auf der Bühne agil. Intern hätten die Vereine sowieso gute Stimmung. Spätestens beim Auftritt der „Räuber“ rockt denn auch der Saal. „Wat is Heemat?“ – fragen sie nach Noten. Und auch wenn die Heimat Hilden statt Köln ist, wird schon mal auf Stühlen gestanden, im Foyer getanzt. Mit dabei: Ex-Hoppeditz Dieter Kewersum ist aus Kitzingen angereist: „Hier gibt es im Vergleich mehr Büttenreden, Musik und Klamauk. Der Karneval hat sich nicht verändert. Nur die kleinen Vereine haben es schwer. Die Gesellschaften sollten noch mehr zusammen arbeiten.“ Prinz Christopf I. zeigt schon mal Herz: In seinem Auftrag wird mit einer Teekanne für die hiesige Essen- und Wärmestunde gesammelt. Auf der Bühne diskutieren derweil Klaus und Willi über ausgefallene Essgewohnheiten wie rheinische Suchi (Mettbrötchen) und Goldsteaks „dann nehm ich lieber Döner in Alu-Folie.“ Ex-Tanzmarie Iris Schmidt-Barkeit schunkelt und freut sich auf über die Aufgabe, die CCH-Flöhe für die Session zu trainieren.

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