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Interview mit Sven M. Kübler: „Verschwendung ärgert mich“

Interview mit Sven M. Kübler: „Verschwendung ärgert mich“

Sven M. Kübler kritisiert den geplanten Ausbau der Polnischen Mütze. Für ihn ist es falsch investiertes Geld.

Haan. In einem offenen Brief an Bürgermeister Knut vom Bovert hat Sven M. Kübler als Bürger und Unternehmer in Haan den Ausbau der Kreuzung Polnische Mütze als unnötiges Straßenbauprojekt, für das Steuergelder verschwendet werden, kritisiert. Gleichzeitig überlegt er in seinem Brief, sein Büro nach Monheim zu verlegen, um dort seine Gewerbesteuer zahlen zu können.

Herr Kübler, würden Sie Ihr Büro wirklich nach Monheim verlegen?

Sven M. Kübler: Das war eine Frotzelei. Aber ich habe spaßeshalber ausgerechnet, was ich in Monheim bezahlen müsste. Das wären 6000 Euro weniger als hier in Haan. Man müsste natürlich auch die Büromiete dort und die tägliche Autofahrt gegenrechnen.

Also bleiben Sie hier?

Kübler: Ja, ich stehe zu Haan. Auch wenn ich kein gebürtiger Haaner bin, aber immerhin lebe ich seit 1976 hier. Und ich erwarte, dass Steuergelder sinnvoll verwendet werden. Deren Verschwendung ärgert mich einfach.

Was spricht denn Ihrer Meinung nach gegen den Ausbau der Kreuzung?

Kübler: Haan geht es finanziell nicht gut. Die Stadt hat Probleme an allen Ecken und Enden, zum Beispiel die maroden Schultoiletten in Gruiten, auch soll das Gymnasium neu gebaut werden. Und dann will die Stadt mehr als eine Million Euro für Autofahrer ausgeben?

Aber dort staut sich der Verkehr doch immer wieder. Und das Land zahlt doch den größten Teil der Kosten.

Kübler: 8000 Fahrzeuge passieren die Kreuzung täglich. Das ist unter Verkehrsexperten nichts. Normalweise würde niemand bei so einem Verkehrsaufkommen eine Kreuzung ausbauen. Dass das Geld vom Land kommt, ändert nichts an der Tatsache, dass es sich um Steuergelder handelt.

Was könnte dort stattdessen passieren?

Kübler: Mir geht es darum, dass dort heute schon konkrete Maßnahmen zur Verbesserung des Verkehrsflusses durchgeführt werden.

Welche könnten das sein?

Kübler: Es gibt zum Beispiel separate Ampelphasen im Ost-/Westverkehr? Würde der Verkehr gleichzeitig fahren dürfen, würde das auch wieder zur Entlastung führen.

Aber Sie fahren auch Auto, oder?

Kübler: Aus beruflichen Gründen muss ich sogar relativ viel fahren. Ich komme auf gut 40 000 Kilometer im Jahr, aber der Ausbau der Kreuzung löst doch das Problem nicht. Das sieht man an der K20n. Die hat noch mehr Verkehr angezogen. Und wo stehen sie zu den Stoßzeiten nicht im Stau? Das passiert Ihnen im Berufsverkehr auch auf der Kaiserstraße. Wollen wir die deshalb vierspurig ausbauen? Wenn wir mehr ÖPNV-Nutzer wollen, ist es der falsche Weg, das Autofahren zu fördern.

Und wenn Johnson Controls tatsächlich nach Haan gekommen wäre?

Kübler: Dann hätten wir darüber reden müssen. Aber das Unternehmen kommt nicht und damit fehlt die Grundlage, dort insgesamt 2,3 Millionen Euro zu investieren.