Innogy-Manager Günther sollte entstellt, nicht umgebracht werden

Säureanschlag in Haan : Innogy-Manager Günther sollte entstellt, nicht umgebracht werden

Ziel des heimtückischen Säureanschlags auf Energiemanager Bernhard Günther war nicht, ihn umzubrigen. Er sollte mit der Attacke entstellt werden, gaben die Ermittler bekannt. Das Motiv ließen sie offen. Der Verdächtige bestreitet die Tat.

Der Innogy-Manager Bernhard Günther sollte mit der Säureattacke vor anderthalb Jahren nicht wie lange angenommen umgebracht, sondern für immer gezeichnet werden. „Ziel des Anschlags war es, ihn zu entstellen“, sagte eine Sprecherin der Wuppertaler Staatsanwaltschaft am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Worauf sie ihre Aussage stützte, wollte sie aus ermittlungstaktischen Gründen nicht verraten. Teile des Gesichts des Finanzvorstands des Energieunternehmens Innogy waren bei dem Säure-Anschlag verätzt worden.

Unmittelbar nach dem Anschlag hatten die Behörden die Attacke als versuchten Mord eingestuft. Inzwischen ermitteln sie wegen schwerer Körperverletzung. Dafür drohen bis zu zehn Jahre Haft.

Günther war am 4. März 2018 nach dem Joggen in der Nähe seines Wohnhauses in Haan bei Düsseldorf überfallen worden. Zwei Männer warfen ihn zu Boden und übergossen ihn mit hochkonzentrierter Säure. Mit einem Hubschrauber war er in eine Spezialklinik gebracht worden. Der Fall schlug bundesweit hohe Wellen. Mindestens ein Unternehmen hatte daraufhin seine Sicherheitsmaßnahmen verschärft. Günther lag mehrere Wochen im Krankenhaus und nahm dann die Arbeit wieder auf.

Am Donnerstag hatten die Behörden einen Durchbruch bei den Ermittlungen bekanntgegeben: In der vergangenen Woche war in Köln ein 32-jähriger Verdächtiger festgenommen worden. Er bestreite die Tat, sagte die Wuppertaler Behördensprecherin am Freitag. Auswertungen sichergestellten Beweismaterials dauerten an.

Medienberichten zufolge hatte ein Konkurrent Günthers die Säureattacke in Auftrag gegeben, um den 52 Jahre alten Finanzvorstand des Energieunternehmens aus dem Weg zu räumen und seinen Posten einzunehmen. Dazu äußerten sich die Ermittler weiterhin nicht. Sollte dies das Tatmotiv gewesen sein, schlug die Attacke fehl: Günther ist der einzige Vorstand, der nach der Übernahme der ehemaligen RWE-Tochter durch Eon im Amt blieb.

Die geplante Übernahme war wenige Tage nach dem Säureanschlag verkündet worden. Innogy war die „grüne“ RWE-Tochter, in der die regenerativen Energien gebündelt wurden. Das Unternehmen hatte bis zu 80 000 Euro Belohnung für Hinweise auf die Täter ausgesetzt. Anonyme Hinweise führten schließlich zu dem Verdächtigen, der bei einer Ringsport-Veranstaltung in Köln festgenommen wurde.

Ein Richter des Amtsgerichts Wuppertal hatte Haftbefehl wegen dringenden Tatverdachts gegen den 32-Jährigen erlassen. In mehreren Städten hatte es zudem Durchsuchungen gegeben, die sich gegen weitere Verdächtige in dem Fall richteten. Wie viele Verdächtige es gibt, wollten die Ermittler nicht verraten. Einen politisch motivierten Anschlag hat die Staatsanwaltschaft ausgeschlossen.

Das Unternehmen wollte sich am Freitag weiter nicht zu den aktuellen Entwicklungen äußern. Wie das Opfer den Durchbruch bei den Ermittlungen aufgenommen hat, blieb ebenfalls unbekannt. Der Manager war im März - rund ein Jahr nach dem Angriff - bei einer Bilanzpressekonferenz erstmals wieder öffentlich aufgetreten. Die Folgen des brutalen Angriffs waren ihm dabei noch anzusehen.

(dpa)
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