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In Hilden wird es keine Luftreiniger für Schulklassen geben

Schulen in der Pandemie : In Hilden wird es keine Luftreiniger für Schulklassen geben

Die Klassenräume und Lehrerzimmer in Hilden werden vorerst keine Luftreiniger bekommen. Das liegt vor allem an fehlenden Zuschüssen. Aber auch die Sicherheit spielt eine Rolle.

Tausende Schüler in Hilden haben seit Montag wieder Präsenzunterricht. Klassenräume und Lehrerzimmer der Schulen sollten deshalb mit Luftreinigern ausgestattet werden, fordert die Bürgeraktion. Das lehnt Bürgermeister Claus Pommer ab – aus Kostengründen. Und weil die Geräte eine trügerische Sicherheit vermittelten.

Die Bürgeraktion hat noch einmal nachgehakt. Auch weil in der Tagespresse zu lesen war, dass Millionen Euro an Fördermitteln vom Land nicht abgerufen worden seien. Dazu stellt Bürgermeister Claus Pommer klar: Zuschüsse vom Land gebe es nur für Klassen- und Fachräume einschließlich der Lehrerzimmer sowie Sporthallen, „die nicht ausreichend durch gezieltes Fensteröffnen oder durch eine Raumlufttechnische Anlage (RLT-Anlage) gelüftet werden können“. Solche Räume gebe es aber an den städtischen Schulen in Hilden nicht – und deshalb auch keine Fördermittel. Die Luftreiniger könnten aufgrund der entstehenden Lärmemissionen nur mit gedrosselter Leistung gefahren werden, hatte die Verwaltung erläutert. Die Bürgeraktion fragt nach der Grundlage dieser Aussage. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin gebe in den technischen Regeln für Arbeitsstätten „ASR A3.7 Lärm“ als Höchstgrenze für Hintergrundgeräusche in Klassenräumen einen Schallpegel von 35 dB(A). Dies entspreche den Vorgaben gemäß VDI 6040 Blatt 1 oder der DIN EN 15251.

Warum die Verwaltung glaube, dass Raumluftreiiger nur eine trügerische Sicherheit vermittelten, wollte die Bürgeraktion weiter wissen. Die Verwaltung beruft sich auf das Umweltbundesamt. Und das wiederum auf die Kommission für Innenraumhygiene. Die IRK stellt fest: „Da mobile Luftreinigungsgeräte nicht das in Klassenräumen anfallende Kohlendioxid (CO2) und den Wasserdampf aus der Raumluft entfernen, können sie nicht als vollständigen Ersatz für Lüftungsmaßnahmen eingesetzt werden, sondern allenfalls als Ergänzung (Stellungnahme vom 16.11.2020).“ Daraus leite das Umweltbundesamt ab, dass weiterhin die Lüftung über Frischluftzufuhr erste Priorität haben müsse. Das habe die Verwaltung bei einer Vorabprüfung dazu bewogen, den Einsatz von Luftreinigungsgeräten nicht zu befürworten, so Bürgermeister Claus Pommer. Hinzu kämen die hohen Anschaffungs- und Unterhaltskosten. Für die Ausrüstung der Klassenräume und Lehrerzimmer der städtischen Schulen seien rund 500 Geräte nötig, hatte die Verwaltung geschätzt. Anschaffungskosten etwa 1,75 Millionen Euro. Hinzu kämen Filtertausch und Wartung, geschätzt 330 Euro pro Gerät oder zusammen 165 000 Euro pro Jahr.

Neben Klassenräumen und Lehrerzimmern seien übrigens auch Sporthallen und Kindertageseinrichtungen in Hilden geprüft worden, betont Bürgermeister Claus Pommer.