Hilfe von der Krötenmutter

Seit mehr als 20 Jahren stellt Beate Wolfermann mit freiwilligen Helfern Schutzzäune für die wandernden Amphibien auf.

Haan. „Wir haben schon erlebt, dass im Jahr bis zu 200 Kröten bei der Straßenüberquerung von Autos überfahren wurden“, sagt Beate Wolfermann von der AG Natur und Umwelt (AGNU) in Haan. Sie steht auf dem Zuweg zum Reiterhof Hermgesberg am Osterholz in Gruiten.

In der Hand hält sie einen Eimer, in dem sich schon ein Dutzend der kleinen Amphibien tummeln. „Durch den Zaun, den wir hier seit mehr als zwanzig Jahren immer wieder neu aufstellen, hat sich die Zahl der Opfer reduziert“, erklärt die selbst ernannte Krötenmutter.

Zur Krötenwanderung kommt es alljährlich im Frühling. Die Tiere machen sich auf den Weg zu ihrem Geburtsteich, um dort abzulaichen und sich auf diese Weise fortzupflanzen. An milden, feuchten Frühlingsabenden könne man so zwischen 500 und 1000 Kröten hinter dem Zaun finden, berichtet Wolfermann.

Die Tiere könnten dann eingesammelt und am Teich ausgesetzt werden. Neben dem Berg- und Teichmolch ist es vor allem die gemeine Erdkröte (Bufo Bufo), die sich hier jährlich auf ihre Wanderung begibt.

Stephan Schwedtmann (43) ist an diesem Nachmittag einer von rund 25 Freiwilligen, die dabei helfen, den Krötenzaun aufzubauen. Mit Wucht rammt er seinen Spaten in den Boden, um die Furche auszuheben, in der die rund 250 Meter lange Vorrichtung später verankert werden soll.

„Wir haben hier ein einzigartiges Naturschutzgebiet. Wenn viele helfen, dieses zu erhalten, dann ist es gar nicht viel Arbeit“, erklärt Schwedtmann, der zusammen mit seinen beiden Söhnen zum Helfen gekommen ist.

Auch Isabelle, Ruth und Frederike bauen am Zaun mit. Durch die Zeitung haben sie von der Aktion erfahren und sich gemeinsam zum Reiterhof begeben. Der Mensch habe schließlich das Auto erfunden und gefährde dadurch die Kröten. Da könne man sich auf diese Weise doch leicht bei den Tieren revanchieren, sagen sie.

Beate Wolfermann ist sich sicher, auch in den kommenden Jahren engagiert zu bleiben. Natur und Tiere seien schließlich ihre Leidenschaft. Und dass in der Natur alles immer weniger würde, sei sehr traurig, sagt die 67-Jährige. Die Tiere werden ihr den Einsatz vermutlich danken.

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