Hildener warten auf schnelles Internet

Hildener warten auf schnelles Internet

Jürgen Scholz ist seit acht Wochen offline und ohne Festnetz-Telefon. Er vertraute Vodafone.

Hilden. Im Kreis Mettmann hält Hilden die Spitzenposition bei der Breitbandversorgung (mindestens 50 Megabit/Sekunde). In 89,6 Prozent des Stadtgebiets sei das schnelle Internet verfügbar, berichtete die Wirtschaftsförderung im Mai 2016 auf Anfrage von FDP-Ratsmitglied Yannick Hoppe. Bundesmittel für den weiteren Ausbau gebe es wegen des guten Versorgungsgrades nicht. Die Wirklichkeit sieht freilich ganz anders aus. Diese Erfahrung hat SPD-Ratsmitglied Jürgen Scholz gemacht. Er ist an die Richrather Straße umgezogen und wünschte sich schnelles Internet (50 Mbit/Sekunde) in der neuen Wohnung. Kein Problem, hieß es beim Anbieter Vodafone. Scholz unterschrieb einen Vertrag.

Drei Wochen später gestand Vodafone kleinlaut, dass es sein Versprechen nicht halten könne: Maximal 16 Mbit/s könne man garantieren. Deshalb bot Vodafone an, den Vertrag aufzuheben. Scholz fragte im Telekom-Laden an der Mittelstraße nach. Dort erhielt er ein schriftliches Angebot mit garantierten 50 Mbit/s. Der 76-Jährige atmete auf und unterschrieb einen Vertrag. Wenige Tage später rief ihn ein Telekom-Mitarbeiter an und musste einräumen, dass auch die Telekom den Mund zu voll genommen hatte.

Nicht 50 Mbit/s, sondern ebenfalls lahme 16 Mbit/s seien in der neuen Wohnung möglich. „Ich war richtig frustriert“, erzählt der erzürnte Hildener: „Da ich einen Internet-Anschluss brauche, habe ich den Vertrag trotzdem akzeptiert.“ Von einem seiner neuen Nachbarn erfuhr er wenig später, dass dieser einen Internet-Anschluss von der Telekom mit 50 Mbit/s habe. „Mein Sohn in Berlin hat recherchiert und diesen Vertrag tatsächlich im Internet gefunden.“ Daraufhin rief Jürgen Scholz die Service-Nummer der Telekom an — und landete in der endlosen Warteschleife.

Er bat um Rückruf. Der kam — Stunden später. Scholz schilderte sein Anliegen: den abgeschlossenen 16 Mbit/s-Vertrag stornieren und in einen 50 Mbit/s-Vertrag umwandeln. Im Telekom-Deutsch heißt das: statt „Magenta Zuhause S“ bitte den Tarif „Magenta Zuhause M“. So einfach sei das nicht, sagte die Mitarbeiterin. Sie versprach aber, sich zu kümmern und binnen 24 Stunden wieder zu melden. „Was nicht geschehen ist“, erzählt Jürgen Scholz.

Weil er nicht mehr weiter wusste, ließ er nachhaken. Dann teilte die Telekom mit: Dem Kunden sei ein „Hybrid Anschluss“ gebucht worden, welcher aber dann bei ihm „aus technischen Gründen“ nicht schaltbar sei. Jetzt habe die Telekom dem Kunden einen „Magenta Zuhause S“ gebucht und ihm eine Gutschrift von 120 Euro gegeben, da der Anschluss erst zum 7. Juni geschaltet werden könne. Der Kunden sei mit der Lösung einverstanden. „Was bleibt mir anderes übrig“, sagt Jürgen Scholz resigniert. Fazit: Seit dem 3. April ist der Hildener ohne Internet und Festnetz-Telefon. Telefonieren kann er nur mobil (über den Anbieter Vodafone).

Am 7. Juni soll er wieder online gehen können, hat die Telekom versprochen. Im Internet wird er dann nur maximal mit 16 Mbit/s unterwegs sein, nur etwa halb so schnell wie in der alten Wohnung (etwa 36 Mbit/s). Die Werte über die Breitbandversorgung stammen von der Bundesnetzagentur. Und diese stützt sich auf Angaben der Telekommunikations-Unternehmen.

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