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HIldener und Haaner entdecken die Gelassenheit wieder

Hilden : Kunden finden zu neuer Gelassenheit

Vor der Corona-Krise knubbelten sich die Kunden vor den Marktständen. Es gab regelmäßig Ärger, wer denn als nächster an der Reihe sei. Nun stellen sie sich in eine lange Schlange und warten ab. Ein Gewinn im Miteinander.

„Entschuldigung, stehen Sie hier gerade an?“, fragt eine Frau mit Weidenkorb einen älteren Herrn, bevor sie sich schließlich selbst in die Schlange vor dem Metzgerei-Stand einreiht. Sätze wie diesen hört man an diesem Vormittag immer wieder. Es ist Markttag in Hilden, und auf dem Nové-­Mesto-Platz in der Innenstadt haben die Händler ihre Warentische aufgebaut. Hektik ist hier nicht gefragt. Umlagerten die Kunden früher dicht gedrängt die Verkaufstische, um möglichst rasch mit vollen Beuteln und Taschen den Heimweg antreten zu können, warten alle nun geordnet im geschätzten Zwei-Meter-Abstand und durch eine Maske verhüllt, bis sie an der Reihe sind.

„Man kalkuliert eben ein, dass es länger dauern kann“, erklärt Thomas Bernhardt, als er für ein paar Backwaren ansteht. Da der Besuch im Café, der sich sonst schon einmal an den Einkauf auf dem Markt anschloss, derzeit entfalle, gleiche sich das für ihn aus. Als störend empfindet Bernhardt das Warten nicht. Sogar positive Aspekte kann er ihm abgewinnen: „Die Leute atmen durch, es ist alles ein wenig entschleunigt.“

Diese Beobachtung machte auch Standbetreiber Matthias Plenkers vom gleichnamigen Fruchthandel. Auf den letzten Metern vor seinen Körben mit frischem Obst und Gemüse hat er Poller aufgestellt und diese mit Ketten verbunden, um klare Wege zu markieren. „95 Prozent unserer Kunden halten sich an die Regeln“, berichtet er. Auch der Rest sei normalerweise einsichtig: „Wenn wir sie darum bitten, eine Maske zu tragen, ziehen viele Leute kurzerhand eine aus ihrer Tasche.“ Die Menschen seien insgesamt geduldiger geworden, sagt Plenkers.

Andere Kunden wirken beruhigend auf Ungeduldige ein

Natürlich habe sie auch schon verärgerte Kunden erlebt, denen alles zu langsam ging, erzählt derweil Gabriele Schröder, die wie üblich für einige Besorgungen auf den Markt gekommen ist. „Die werden dann aber meist von den anderen Leuten beruhigt. Es hilft ja schließlich alles nichts.“ Wer generell ungeduldig sei, habe sich auch vorher schon beschwert.

Insgesamt, so scheint es beim Blick über die Marktfläche, ist der Eindruck eines Ausnahmezustandes trotz aller speziellen Vorkehrungen einer gewissen Entspanntheit gewichen. Gelassen beurteilt auch Heinz Mathew die Situation. Er hat sich an einem Stand mit Fleisch- und Wurstwaren angestellt. „Ich kaufe bedarfsgerecht ein“, beschreibt er das veränderte Verhalten. Dabei ziehe er den Einkauf auf dem Markt an der frischen Luft dem Gang in die Geschäfte vor: „Das gibt mir ein angenehmeres Gefühl.“