Hildener möchte die Itter stärker ins Stadtbild heben

Hilden : Die Vision einer Itter-Treppe für Hilden

Thomas Bernhardt hat eine Idee für den Platz hinter dem Hildener Rathaus: Treppen wie am Rheinufer in Düsseldorfer. Er will die Itter wieder ins Stadtleben holen.

. Thomas Bernhardt hat eine Vision: „Ich möchte die Itter noch stärker ins Stadtbild integrieren, sie für die Hildener erlebbarer machen“, sagt der Grafiker und liefert auch gleich einen Vorschlag dazu. Hinter Rathaus und Sparkasse soll ein direkter Zugang zur Itter ermöglicht werden und eine Art Treppe entstehen.

Sitzbänke könnten zum Verweilen einladen, Stadtwappen oder Stadtansichten über Hilden informieren, eine Bronzeplatte könnte den ursprünglichen Verlauf der Itter mit Wassermühlen und den ersten Fabriken zeigen. Erklärtexte werden zusätzlich in Blindenschrift verfasst. „So können alle mit Augen oder Fingerspitzen den Itter-Verlauf nachempfinden und über die Rolle der Itter für die Entwicklung der Stadt einiges erfahren“, sagt Bernhardt.

Die Hildener Stadtspitze zeigt
sich der Idee nicht abgeneigt

Im Bett der Itter sollen Mühlsteine an die Zeiten erinnern, als es noch mehr Mühlen und Kotten entlang des Baches gab. „Diese Mühlsteine können auch dazu dienen, dass man auf ihnen über die Itter gehen kann“, so Bernhardt weiter. Wasserdichte Lampen in der Itter leuchten in den Stadtfarben. Die Stadtspitze ist grundsätzlich nicht abgeneigt: „Treppenanlagen standen bei diesen Überlegungen stets ganz oben auf der Wunschliste, zuletzt im Rahmen des Integrierten Handlungskonzeptes für die Innenstadt“, erklärt Bürgermeisterin Birgit Alkenings. Auch Peter Stuhlträger, neuer Baudezernent Hildens, gefällt die Idee eigentlich gut: „Erfolgreiche Beispiele aus anderen Städten wie die Düsseldorfer Rheintreppe oder die Anlage in Siegen zeigen, dass Stufen am Wasser ein beliebter Treffpunkt vor allem für junge Menschen sind.“ Leider habe sich bisher keiner der Vorschläge für den Stadtpark, die Zufahrt zum Nove-Mesto-Platz oder den Ellen-Wiederhold-Platz durchsetzen können. „So schön der Gedanke ist, die Rahmenbedingungen machten die Umsetzung jedes Mal unmöglich“, bedauert Stuhlträger.

Da die Itter als „Abflusskanal“ gebaut wurde, treten bei Startregenereignissen im Oberlauf ohne Vorwarnung Flutwellen auf. Diese seien eine Gefahr für alle Personen, die sich in und an der Itter aufhalten. Eine Treppenanlage, die Ufer und Bach verbinde, führe Personen bewusst in diesen Gefährdungsbereich. Bei Schadensfällen sind Haftungsansprüche nicht auszuschließen. Dieses potentielle Risiko war die Stadt Hilden bisher nicht bereit einzugehen.

Der Bergisch-Rheinische Wasserverband (BRW) warnt ebenfalls vor den plötzlich auftretenden Flutwellen, BRW-Direktor Hans-Bernd Schumacher spricht von „Gefährdungen, die weder für begleitende Erwachsene geschweige denn für Kinder offensichtlich sind“. Außerdem sei das Wasser nicht keimfrei. Die Itter besitze keine Badewasserqualität, „so dass Spielen im Gewässer schon allein aus hygienischen Gründen nicht zu empfehlen ist“.

Um die Itter trotzdem „erlebbar“ zu machen, hat die Stadt verschiedene Angebote geschaffen, zum Beispiel die Bank mit Blickrichtung Itter auf dem Ellen-Wiederhold-Platz sowie die Lichtinstallation, die den Platz mit dem Bach verbindet.

Und in Zukunft könnte die Itter noch weiter ins Stadtbild rücken. Momentan arbeitet ein Fachbüro im Auftrag der Bezirksregierung Düsseldorf das „Handlungskonzept Itter“ aus. „Die gesetzliche Grundlage für die naturnahe Gestaltung der Itter bildet die europäische Wasserrahmenrichtlinie, die seit 2000 in Kraft ist. Bis 2027 sollen Flüsse, Bäche und Seen wieder naturnah werden und heimischen Arten einen Lebensraum bieten. Dazu zählt unter anderem, dass Wanderfische wieder ihre Laichplätze erreichen können, und die Umgebung von Gewässern wieder naturnäher gestaltet wird“, erklärt Dagmar Groß von der Bezirksregierung. Erste Maßnahmen sind bereits beschlossen: Damit künftig Fische aus dem Rhein in die Itter aufsteigen können, wird an der Mündung in Düsseldorf eine Fischtreppe gebaut. Sie hat 61 Stufen und soll 202 Meter lang werden. Dazu muss das Bachbett entlang des Benrather Schlossparks umgestaltet und der Itter-Deich (in der Nähe des Ulmenkopfes) saniert werden. Die Kosten betragen etwa sechs Millionen Euro.

Das Fachbüro hat nun auch Thomas Bernhardts Idee für den Bereich hinter dem Ellen-Wiederhold-Platz vorliegen. Ob sie berücksichtigt wird oder als Grundlage für eine Weiterentwicklung dient, konnte noch niemand sagen, da die Arbeiten am Handlungskonzept noch andauern.

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