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Hildener läuft seit 50 Jahren täglich mindestens 30 Kilometer

Hilden : Der nimmermüde Dauerläufer von Hilden

Der 69-jährige Egon Wagner läuft seit rund 50 Jahren, heute 30 Kilometer pro Tag.

Egon Wagner mag es, wenn er angehupt wird. „Das passiert ein paar Mal pro Tag“, sagt er und lächelt. 69 Jahre ist der Hildener jetzt alt, bald wird er seinen 70. Geburtstag feiern. Und bis dahin wird er noch oft angehupt, denn es kommen noch viele Kilometer auf das Laufkonto hinzu. Egon Wagner joggt nämlich nicht ein- oder zweimal pro Woche. Er läuft jeden Tag, Ausnahmen gibt es nur wenige. Früher war es die Marathondistanz von 42,195 Kilometern, heute sind es immerhin noch beeindruckende 30 Kilometer. Auf diese Weise sind mehr als 400 000 Kilometer zusammengekommen. Umgerechnet ist Egon Wagner zehnmal um die Erde gelaufen.

„Bei uns zu Hause wurde Sport immer groß geschrieben“, erklärt er. In seiner Jugend macht er regelmäßig das Sportabzeichen, mit Freunden und Kollegen geht der ehemalige Monheimer im Knipprather Wald laufen. „Am Anfang waren wir vier bis fünf Kilometer unterwegs, später sind wir die Runde dann zwei- bis dreimal gelaufen“, erinnert er sich. Doch das wird schnell zu eintönig. Egon Wagner läuft irgendwann alleine, weil seine Kollegen keine Lust mehr haben. Seine Strecke führt ihn von der Arbeit als Feuerwehrmann in der Shell-Raffinerie am Rhein nach Hause. Damals steht sie noch in Monheim. Doch dann zieht das Unternehmen nach Köln. Egon Wagner läuft aber einfach weiterhin nach Hause. Doch dieses Mal sind es mehr als 40 Kilometer. Das behält er bei, bis er mit 55 Jahren, also vor rund 15 Jahren, aus dem Unternehmen ausscheidet.

Und auch dann läuft er weiter. Seit zehn Jahren lebt er in Hilden, läuft aber fast jeden Tag auf seiner 30-Kilometer-Runde durch seine alte Heimat Monheim und vorbei an dem ehemaligen Raffineriegelände mit dem Monberg. „Ich mag die Gegend“, sagt er. Um auf die Kilometer zu kommen und trotzdem noch etwas vom Tag zu haben, startet er bereits um kurz nach 6 Uhr in der Frühe. „Ich war schon immer ein Frühaufsteher. Die Schicht in der Raffinerie begann damals um 3.45 Uhr.“ Gegen 10 Uhr kommt er dann zu Hause im Hildener Westen an – mit einem breiten Lächeln im Gesicht. Schweiß ist bei ihm nicht zu sehen, er atmet ganz ruhig. Nach einer Dusche verbringt er viel Zeit mit seiner Frau, fährt Fahrrad, sammelt Autos, puzzelt oder spielt ein Spiel. Langweilig wird es ihm nie. „Ich laufe im Jahr rund 11 000 Kilometer. Vergangenen Sommer habe ich die 400 000 Kilometer voll gemacht“, erklärt Egon Wagner. Zwölf Paar Schuhe benötigt er im Jahr.

Das Hildener Sportgeschäft Laufsport Bunert unterstützt ihn dabei – dafür läuft Egon Wagner Reklame für den Laden, er ist sozusagen eine ziemlich mobile, 59 Kilogramm leichte Litfasssäule, die „noch nie Gelenk- oder Muskelprobleme hatte“, wie er sagt.

Bei seinem extravaganten Speiseplan schlägt jeder Ernährungsexperte die Hände über dem Kopf zusammen: „Ich esse viel Schokolade, Kuchen, Pralinen und Süßigkeiten“, sagt Egon Wagner. Sein Kühlschrank hält immer einen großen Vorrat bereit. „Obwohl meine Frau hervorragend kocht“, sagt er.

Früher ist Egon Wagner auch Wettkämpfe gelaufen, aber ein großer Fan ist er nie. Obwohl er Talent hat: „Ich habe die 100 Meter in unter elf Sekunden geschafft“, erklärt er. Später geht er auf die Langstrecke. Drei Stunden für den Marathon. Eine Traumzeit für jeden Hobbyläufer. „Die Zeit ist mir aber völlig egal. Ich möchte mich nicht quälen, sondern Spaß haben“, sagt er. Heute genießt er die Landschaft, das Wetter und die Menschen, die ihn auf seiner Runde wieder ­erkennen. Wenn Sie also heute oder in den kommenden Tagen einem Mann in gelber Laufmontur im Kreis Mettmann begegnen, hupen Sie ihn ruhig an. Es könnte Egon Wagner sein, dem Sie damit eine Freude machen.