1. NRW
  2. Kreis Mettmann
  3. Haan und Hilden

Hilden: Viele Barrieren aus dem Weg geräumt

Hilden : Beirat hat schon viele Barrieren beseitigt

Die Beiräte für Behinderte und Senioren setzen sich 45 Jahren für die Belange von alten Menschen und solchen mit Handicap ein. Dabei geht es vielfach um Probleme, die viele Hildener betreffen.

Wozu braucht eine Stadt einen Behindertenbeirat? Diese Frage würde heute großes Befremden auslösen. Das war Ende der 1970er Jahre noch ganz anders, konnte sich der leider inzwischen verstorbene Günter Skowronek, Gründungsmitglied und lange Jahre Vorsitzender des Hildener Behindertenbeirats, erinnern.

Ein 40-jähriger Rollstuhlfahrer musste damals in einem Hildener Altenheim leben, weil er sonst nicht hätte betreut werden können: „Wir haben es geschafft, dass er dort raus und eine eigene Wohnung bekam. Dann hat er geheiratet und ist Vater geworden – in dieser Reihenfolge.“

 Gabriele Losse (l., Vorsitzende des Behindertenbeirat) und Doris Sieberg (Vors. Seniorenbeirat) blicken gemeinsam auf 45 Jahre zurück.
Gabriele Losse (l., Vorsitzende des Behindertenbeirat) und Doris Sieberg (Vors. Seniorenbeirat) blicken gemeinsam auf 45 Jahre zurück. Foto: Köhlen, Stephan (teph)

Diese wahre Geschichte beweist: Der Behinderten- und auch der Seniorenbeirat in Hilden und seine engagierten Mitglieder haben das Leben von Menschen verändert – und zwar zum Positiven. Mit einer Ausstellung in der städtischen Galerie im Bürgerhaus blicken die beiden Beiräte auf 45 Jahre ihres Bestehens und auf 30 Jahre Freundschaft mit der Behinderteneinrichtung Nona in der tschechischen Partnerstadt Nove Mesto zurück.

1976 beschloss der Stadtrat, einen Senioren- und einen Behindertenbeirat einzurichten. Hilden war der Zeit damals weit voraus. Nur zwei von 396 Kommunen in Nordrhein-Westfalen haben bereits seit 45 Jahren einen Seniorenbeirat – eine davon ist Hilden.

Vieles konnte schon erreicht werden, manches (noch) nicht. Beispiel: Alle 79 Bussteige mit Umbaubedarf in Hilden sollen barrierefrei ausgebaut werden. Davon profitieren nicht nur Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte, sondern auch Eltern mit Kinderwagen. 

Als die Stadt die Bordsteine absenkte, wurde es für Blinde und Sehbehinderte schwierig. Ohne Kante konnten sie sich nicht mehr orientieren. Die Lösung waren „Noppensteine“, die ertastet werden können. Anderes Beispiel: Die Stadt hat gerade acht neue Polleranlagen für die Innenstadt angeschafft. „Die alten waren rot-weiß, die neuen heben sich für Menschen, die nicht oder schlecht sehen können, nicht vom Boden ab“, beschreibt Gabi Losse, Vorsitzende des Behindertenbeirats, das Problem.

Die Stadt plant 2022 einen „Mobilitätstag“. Dabei will sich auch der Seniorenbeirat einbringen, sagt Doris Sieberg, Vorsitzende des Seniorenbeirats.In Hildens Partnerstadt Nove Mesto gab und gibt es behinderte Kinder. Der Hildener Behindertenbeirat verkaufte Ende der 1990er Jahre Trödel, um damit für sie einen Kleinbus zu kaufen – damit auch sie nach Hilden kommen können. Ein Geschäftsmann aus Hilden, der anonym bleiben will, rief 1998 Hiltrud Stegmaier an: „Ich stifte einen Transit“.