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Hilden: Verwaltung gegen Luftreiniger für Klassenräume

Hilden : Verwaltung lehnt Luftreiniger ab

Ab 22. Februar sollen Grundschüler wieder zur Schule gehen und zwischen Präsenz- und Distanzunterricht wechseln. Klassenräume und Lehrerzimmer der städtischen Schulen sollen kurzfristig mit Luftreinigern ausgestattet werden, fordert die Bürgeraktion Hilden. Das lehnt Bürgermeister Claus Pommer ab – aus Kostengründen. Und weil die Geräte eine trügerische Sicherheit vermittelten.

. Forscher der Bundeswehr-Universität in Neubiberg haben herausgefunden, dass spezielle Filteranlagen die Raumluft erfolgreich von Aerosolen reinigen können. Diese gelten in geschlossenen Räumen als Gefahrenquelle für die Verbreitung des Corona-Virus. Ein wesentlicher Vorteil der Raumluftreiniger besteht nach dem Ergebnis der Studie darin, dass sie dauerhaft für eine geringe Virenlast sorgen, ohne dass man sich um das Öffnen von Fenstern kümmern muss und ohne dass das Wohlbefinden im Raum beeinträchtigt wird.

Deshalb hat beispielsweise die Fridtjof-Nansen-Grundschule in Kassel 16 Luftreiniger für 4500 Euro angeschafft – mit Hilfe des Fördervereins der Schule. Das fordert die Bürgeraktion auch für die städtischen Schulen in Hilden. Um den Präsenzunterricht nach dem Lockdown wieder möglich zu machen und Lehrer, Schüler und Eltern nicht zu gefährden, erläutern Doris Spielmann-Locks und Ulrich Siedentop in ihrer Anfrage. 

Pommer: Gerät könne
Lüften nicht ersetzen

Das lehnt Bürgermeister Claus Pommer in seiner Antwort mehr oder weniger ab. Die Verwaltung habe schon vor der BA-Anfrage den Einsatz von mobilen Luftreinigungsanlagen in Klassenräumen geprüft. Sie sei nicht in der Lage, die Geräte kurzfristig zu beschaffen und dauerhaft zu betreiben. Die Filter könnten zudem das regelmäßige Lüften lediglich ergänzen, aber nicht ersetzen: „Der Einsatz von Luftfilteranlage kann jedoch dazu führen, dass eine gewisse Sicherheit suggeriert wird, so dass das regelmäßige Lüften vernachlässigt wird.“

Zudem seien die Geräte ziemlich teuer, rechnet die Verwaltung vor. Pro Klasse seien zwei Luftreiniger nötig. Preis ab 3500 Euro pro Stück. Für die Ausrüstung der Klassenräume und Lehrerzimmer der städtischen Schulen seien rund 500 Geräten nötig. Anschaffungskosten etwa 1,75 Millionen Euro. Hinzu kommen Filtertausch und Wartung, geschätzt 330 Euro pro Gerät oder zusammen 165 000 Euro pro Jahr. „Die ermittelten Kosten sind im Haushalt 2020/2021 derzeit nicht enthalten“, verweist Bürgermeister Claus Pommer auf die leere Stadtkasse: „Für die Beschaffung der Geräte muss ein entsprechender Zeitraum für Ausschreibung, Vergabe und Lieferzeit berücksichtigt werden.“

Mit anderen Worten: Es würde mit Sicherheit Herbst, bevor die Luftreinigungsanlagen in Betrieb gehen könnten – wenn sie denn überhaupt beschafft werden. Die Verwaltung wird das von sich aus nicht tun, so ist die Antwort aus dem Rathaus wohl zu verstehen. Das Umweltbundesamt hält mobile Luftreiniger in Schulen nur in Ausnahmefällen als zusätzliche Maßnahme für gerechtfertigt. Weil eine verlässliche Reduzierung der SARS-CoV-2-Viren ausschließlich durch mobile Luftreinigungsgeräte in Unterrichtsräumen nach dem derzeitigen Kenntnisstand nicht eindeutig nachgewiesen sei.

Laut einer Untersuchung hessischer Wissenschaftler ist das Stoßlüften in Schulen um ein Vielfaches wirksamer als der Einsatz von Luftfiltergeräten, berichtete das Ärzteblatt Ende November 2020. „Als wesentliches Resultat zeigte sich, dass die Stoßöffnung aller Fenster über drei Minuten bei Außentemperaturen von 7 bis 11 Grad Celsius die eingebrachte Konzen­tration an Aerosolen bis zu 99,8 Prozent senkte“, teilte die Technische Hochschule Mittelhessen mit. Mit vier mobilen Luftfiltergeräten in dem Raum sei nach etwa 30 Minuten eine um 90 Prozent verringerte Konzentration gemessen worden. Die Wissenschaftler verweisen zudem auf den Lärm beim Betrieb der Geräte und die hohen Anschaffungskosten.