Hilden: Umstrittene Baupläne für Gerhart-Hauptmann-Hof

Hilden : Anwohner gehen auf die Barrikaden

Am Gerhart-Hauptmann-Hof in Hilden wächst der Widerstand gegen die Vonovia, die Grünflächen bebauen will.

Die Straßen im Wohngebiet Gerhart-Hauptmann-Hof im Hildener Süden sind klein und haben einen urigen Charakter. Die Müllabfuhr kann die engen Schleifen zwischen der Sankt-Konrad-Allee und der Richrather Straße zwar nicht befahren, auch passen keine zwei Autos nebeneinander – aber die gegenüberliegenden Grünflächen mit ihrem wertvollen Baumbestand – etwa 40 Laubbäume und mehrere Kiefern – machen für die Anwohner ein Großteil der Lebensqualität aus.

„Und genau die will man uns jetzt wegnehmen“, sagt Claudia Faßbender. Die junge Mutter ist eine von vielen Betroffenen, die zurzeit mit Argusaugen auf die Pläne der Wohnungsbaugesellschaft Vonovia blicken. Denn die, so kritisieren sie, wolle offensichtlich die Wiese hinter der St.-Konrad-Allee mit einem Abstand von je sechs Metern zum Häuserbestand bebauen. Die Baum-Oase wäre weg, stattdessen stünden zwei Häuser mit insgesamt zwölf Wohnungen künftig so nah gegenüber, „dass wir uns gegenseitig in die Fenster schauen können“. „Ein Irrsinn“, finden die Anwohner.

Anfang der 50er-Jahre wurden auf den Innenseiten der Ringstraßen kleine Reihenhäuser gebaut. Sie dienten vor allem dazu, Vertriebene unterzubringen. Etwa zehn Jahre später verkaufte die Stadt die Häuser an die Bewohner. „Sie grenzen ohne Gehweg und teilweise ohne überhaupt eine Schutzzone an die schmale, etwas über drei Meter breite Ringstraße“, beschreiben die Hausbesitzer.

Gleichwohl scheint eine Bebauung durchaus möglich, denn eine bereits gestellte Anfrage der Vonovia könnte von der Stadt positiv beschieden werden – ohne Ratsbeschluss, einfach nach Paragraf 34 des Baugesetzbuchs als Randbebauung geltend gemacht.

Das wollen die Anwohner verhindern: Architekt Norbert Hansmann, dessen Tochter am Gerhart-Hauptmann-Hof wohnt, ist sich sicher, dass dem Gebaren von Stadt und Wohnungsbauunternehmen die rechtliche Grundlage fehlt. „Wir werden Klage einreichen“, kündigt er an. Eine Unterschriftenaktion bei den Nachbarn ergab innerhalb von drei Stunden mehr als 90 Unterstützer, die bereit waren, mit ihrem Namen zu zeichnen.

In der „Allianz für Hilden“ haben die Anwohner jetzt auch politische Mitstreiter gefunden. Claus Munsch und Friedhelm Burchartz bemängeln, bereits heute würden Teile der Ringstraße über Gebühr beansprucht, weil sie für den Durchgangsverkehr zu einer nach Süden liegenden Tiefgarage genutzt werden, ohne dass Gegenverkehr möglich sei oder Schutzzonen für Fußgänger bestünden. „Von Gehwegen reden wir erst gar nicht“, sagen sie.

Die Ringstraßen sind nicht beleuchtet. Die städtische Müllabfuhr kann sie nicht befahren. „Unsere Mülltonnen bringen wir auf der Fahrbahn zur Durchgangsstraße“, berichten die Nachbarn. Auch die städtische Straßenreinigung komme nicht durch. Immerhin werden auch keine Straßenreinigungs-Gebühren erhoben.

Für Claus Munsch ist damit klar: „Bei den Ringstraßen kann es sich nach heutigen Standards nicht um Straßen handeln, an denen auf der gegenüberliegenden Seite auch noch eine Randbebauung nach Paragraf 34 Baugesetzbuch zulässig wäre.“ Denn das würde „die Verkehrsdichte noch weiter erhöhen und die Lebensqualität für die Anwohner erheblich einschränken“.

Er hat inzwischen bei der Stadt beantragt, einen Bebauungsplan für das Gelände aufzustellen, unter anderem mit dem Ziel, „die vorhandenen Grünflächen zu erhalten und sie auf keinen Fall über den Status Quo hinaus zu verdichten“. Außerdem sollten die betroffenen Straßen umgewidmet werden, „so dass sie sich nicht mehr für eine Randbebauung qualifizieren“. Stattdessen könne man sie zu Spiel- und Anliegerstraßen machen.

Das dürfte den Anwohnern gefallen. Denn sie fürchten: „Kommt dieses Bauprojekt durch, werden wenig später die anderen Grünflächen im Gerhart-Hauptmann-Hof auch bebaut. Dann können wir unsere Kinder gar nicht mehr vor die Tür lassen.“

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