Vorfälle in Hilden Staatsschutz ermittelt wegen Anti-Israel-Parolen

Hilden · Völlig schockiert sind die Anwohner der Itterstraße in Hilden. Einerseits wegen der anhaltenden Beschädigungen ihrer Autos. Anderseits wegen der Botschaften, die bei einigen Fahrzeugen in den Lack gekratzt wurden: „Free Hamas“, „Free Palestina“ und „Scheiß Israel“ stand da zu lesen, berichten sie.

An der Itterstraße sind seit einigen Wochen immer wieder Autos beschädigt worden.

An der Itterstraße sind seit einigen Wochen immer wieder Autos beschädigt worden.

Foto: Tobias Dupke

Die Polizei bestätigt die Vorfälle: „Die Ermittlungen werden sowohl von der Kreispolizeibehörde Mettmann als auch vom polizeilichen Staatsschutz in Düsseldorf geführt“, erklärte Behördensprecher Daniel Uebber.

Los ging es bereits Mitte Oktober: „Seit dem 16. Oktober sind uns an der Itterstraße in Hilden insgesamt sechs Fälle von Sachbeschädigungen – zerstochene Reifen, zerkratzte Autos, Schmierereien – bekannt geworden“, berichtet Daniel Uebber weiter. In zwei dieser Fälle hätten die Sachbeschädigungen auch einen Bezug zu den Vorfällen in Israel beziehungsweise dem Gazastreifen gehabt. Die unbekannten Täter hätten entsprechende Botschaften in die Autos gekratzt.

Auch am Montag standen dort noch zerkratzte Autos, jedoch ohne Anti-Israel-Parolen.

Auch am Montag standen dort noch zerkratzte Autos, jedoch ohne Anti-Israel-Parolen.

Foto: Tobias Dupke

Fahnendiebstähle gab es
auch in weiteren Städten

Die Polizei nehme die Vorfälle sehr ernst. „Die Ermittlungen werden sowohl von der Kreispolizeibehörde Mettmann als auch vom polizeilichen Staatsschutz in Düsseldorf geführt“, berichtet der Polizeisprecher weiter. Da die Ermittlungen aber noch liefen, könnten die Ermittler aus taktischen Gründen keine Angaben darüber machen, ob es bereits Tatverdächtige gebe oder wen sie im Visier haben. „Die Polizei hat den Bereich der Itterstraße im Rahmen ihrer Streifen daher vermehrt im Blick und reagiert auf die Vorkommnisse mit erhöhter Präsenz.“ Laut einiger Anwohner sollen aber bereits in der Nacht zu Montag weitere Autos beschädigt worden sein. Vormittags stehen noch drei Fahrzeuge mit zerstochenen Reifen am Straßenrand, eins davon mit einem tiefen Kratzer über die komplette Fahrzeugseite, die zum Bürgersteig gewandt ist. Antisemitische Parolen finden sich an diesem Tag jedoch nicht.

 Drei Fahrzeuge mit zerstochenenen Reifen waren am Straßenrand geparkt.

Drei Fahrzeuge mit zerstochenenen Reifen waren am Straßenrand geparkt.

Foto: Tobias Dupke

Die Vorfälle an der Itterstraße in Hilden sind nicht die ersten ihrer Art in unserer Region, wie Daniel Uebber bestätigt: „Im Kreis Mettmann registrieren wir seit Beginn der Eskalation im Nahen Osten – wie auch in ganz NRW und Deutschland – eine Vielzahl von politisch motivierten Straftaten mit Bezug zu den Vorfällen in Israel und dem Gaza-Streifen. Wir reden hier von entwendeten Flaggen, Farbschmierereien und Sachbeschädigungen. Insgesamt dürfte sich die Anzahl der Fälle, die der Polizei bekannt wurden, auf rund drei Dutzend belaufen.“

Zuletzt hatte die Stadt Haan vor einigen Tagen ihre Solidarität mit Israel bekunden wollen und eine Flagge vor dem Rathaus an der Kaiserstraße hochgezogen. Man wolle damit der zahlreichen Opfer des grausamen Terrorangriffs der Hamas gedenken, hieß es. Das NRW-Innenministerium hatte den Kommunen empfohlen, die israelische Flagge an ihren Gebäuden als Zeichen der Solidarität zu setzen.

 Einen Tag lang flatterte die Israel-Fahne vor dem Haaner Rathaus.

Einen Tag lang flatterte die Israel-Fahne vor dem Haaner Rathaus.

Foto: Stadt Haan

Die Aktion währte jedoch nicht lange – bereits nach einem Tag wurde die Flagge gestohlen. Bei dem Diebstahl sei auch der Fahnenmast beschädigt worden, hieß es aus dem Rathaus. Man habe Strafanzeige gegen unbekannt erstattet. Auch hier hat der Staatsschutz die Ermittlungen übernommen.

Unter den rund drei Dutzend Vorfällen sind auch weitere Flaggendiebstähle. In Monheim war in der Nacht zu Dienstag (10. Oktober) die Israel-Flagge vor dem Otto-Hahn-Gymnasium in Monheim gestohlen worden. Auch sie war – so wie die in Haan – erst tags zuvor hochgezogen worden. Die Stadt, die sich ebenfalls für eine Solidaritätsbeflaggung entschieden hatte, lieferte der Schule umgehend eine Ersatzfahne aus dem Rathaus. Vor dem Langenfelder Rathaus wehte die Flagge zwei Tage, bevor sie Mitte Oktober gestohlen wurde. In Erkrath ermittelt ebenfalls der Staatsschutz, nachdem Unbekannte die Fahne entwendet hatten.

In Hilden soll zum nächstmöglichen Zeitpunkt die Israel-Flagge am Rathaus gehisst werden. Das hatte die CDU beantragt, die Mitglieder des Paten- und Partnerschaftsausschusses stimmten dafür. Wann es soweit ist, hängt von der Lieferzeit der Fahnen ab.

Übrigens: Anders als in vielen Großstädten hat es bislang keine Pro-Palästina-Demos im Kreis Mettmann gegeben. Es sind auch – Stand heute – keine angekündigt, erklärt Polizeisprecher Daniel Uebber.

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