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Hilden: Politik für Verdopplung "Früher Hilfe“

Junge Familien : Mehr Geld für die „Frühen Hilfen“

„Frühe Hilfen“ sind ein Angebot, das Familien in Hilden in schwierigen Situationen unterstützt – auch schon direkt nach der Geburt. Das Budget reichte zuletzt nicht mehr aus. Nun soll es verdoppelt werden.

Für eine deutliche Ausweitung der „Frühen Hilfen“ haben sich die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses in der jüngsten Sitzung ausgesprochen. Mit einer knappen Mehrheit beauftragten sie die Verwaltung, „die finanziellen Mittel für die ,Frühen Hilfen‘ der Hebammen und Kinderkrankenschwestern zu verdoppeln und im Umfang an die Bedarfssituation anzupassen.“ Konkret bedeutet das eine finanzielle Aufstockung von 25 000 auf 50 000 Euro. Dem Beschluss war ein Antrag der Grünen vorausgegangen. Nun muss nur noch der Stadtrat zustimmen.

Die „Frühen Hilfen“ sind ein niederschwelliges Angebot, das Familien in Hilden in schwierigen Situationen unterstützen soll – und das möglichst früh. Es richtet sich beispielsweise an Teenie-Mütter, Alleinerziehende und Eltern mit psychischen Vorerkrankungen oder Behinderungen. Auch Familien, die frühgeborene, kranke oder behinderte Babys haben, gehören dazu. Das Team der „Frühen Hilfen“ unterstützt diese Familien bei der Alltagsbewältigung, der Ernährung und Pflege des Babys, bei Arzt-, Klinik- oder Behördenbesuchen, bei Schrei-, Schlaf- und Fütterungsproblemen, aber auch bei Konflikten in der Familie.

Die Struktur der „Frühen Hilfen“ erreiche Familien in schwierigen Lebenslagen bereits ab der Schwangerschaft, betonte Annegret Gronemeyer von den Grünen in der Ausschusssitzung. So könnten „tragische Entwicklungen frühzeitig abgewendet werden, somit Kosten für eventuell später notwendige Interventionen gespart werden“, wie es in der Begründung des Grünen-Antrags hieß.

Sozialdezernent Sönke Eichner hatte in die Sitzung eine andere Beschlussvorlage der Verwaltung eingebracht. Diese sah die Aufstockung der „Frühen Hilfen“ um 17 000 Euro vor – 8000 Euro weniger, als die Grünen forderten. Eichner sprach von einem Kompromiss, unter anderem zugunsten der Haushaltskonsolidierung. Zugleich ließ er durchblicken, dass man sich über mehr Geld freuen würde. Mit weiteren 8000 Euro könnten nach Ansicht der Verwaltung zwei bis drei zusätzliche Einzelfallbetreuungen finanziert werden.

Am Ende setzte sich der Antrag der Grünen knapp durch

CDU und SPD folgten in der Sitzung dem Vorschlag der Verwaltung. Man sehe den Bedarf zusätzlicher Mittel und erkenne das Papier der Verwaltung als Kompromissvorschlag an, hieß es von Vertretern beider Parteien. Malin Schmidt von der SPE Mühle hingegen argumentierte für den Antrag der Grünen. „Man spart viel, wenn man frühzeitig Geld in die Hand nimmt“, sagte sie. Am Ende setzte sich der Grünen-Antrag knapp mit sieben zu sechs Stimmen durch.

„Frühe Hilfen“ startete in Hilden 2017. Zunächst wurden sechs Frauen durch eine Familienhebamme ab der Schwangerschaft bis zum ersten Geburtstag des Kindes begleitet, 2020 waren es zehn Familien. Mit dem Beginn der Corona-Pandemie konnte Unterstützung nur noch sehr eingeschränkt angeboten werden. Dies führte in 2021 wahrscheinlich auch zu der deutlichen Steigerung der Inanspruchnahme von „Frühen Hilfen“ durch Familienhebammen und -kinderkrankenschwestern auf insgesamt 29 Fälle, wie die Verwaltung erklärt. Dadurch wurde das Budget im vergangenen Jahr deutlich überschritten. 2022 liegt die Zahl – Stand Ende September – bislang bei 15 Fällen.

„Frühe Hilfen“ erfolgen stets niedrigschwellig, diskriminierungsfrei, respektvoll und in enger Abstimmung mit den Familien, erklärte die Stadt. Zu den Fachkräften, die die Frühen Hilfen leisten, gehören Hebammen und Kinderkrankenschwestern.