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Hilden: Jugendliche bringen Rettungswagen mit Patienten zum Schaukeln​

Nach versuchtem Raub in Hilden : Angreifer „schaukeln“ Rettungswagen

Fünf Jugendliche sollen versucht haben, zwei 14- und 15-Jährige in Hilden auszurauben. Als einem der beiden schlecht wird und Rettungskräfte alarmiert werden, bringen die Tatverdächtigen den Rettungswagen von außen zum Schaukeln. Die Einsatzkräfte rufen die Polizei.

Jugendliche haben in Hilden einen Rettungseinsatz massiv gestört: Wie die Polizei mitteilt, haben sie einen Rettungswagen von außen zum Schaukeln gebracht. Im Inneren befand sich laut Polizei ein 14-Jähriger, den die anderen Jugendlichen zuvor offenbar ausrauben wollten. Die Sanitäter riefen die Polizei, die nun nach den Tatverdächtigen sucht.

Und das ist laut Polizei passiert: Die Gruppe Jugendlicher hat am Montag gegen 12.40 Uhr einen 14- und einen 15-jährigen Hildener im Kreuzungsbereich Berliner Straße/Gerresheimer Straße angesprochen. „Unter dem Vorwand, den Weg zum Bahnhof zu erfragen, kam die circa fünfköpfige Gruppe mit dem Duo ins Gespräch. Nach eigenen Angaben sei der 14-Jährige dann nach mitgeführten Wertgegenständen gefragt worden und unter der Androhung von Schlägen aufgefordert worden, seine Jacke auszuziehen“, erklärte eine Polizeisprecherin. Die Gruppe habe den 14-Jährigen umzingelt und derartigen verbalen Druck ausgeübt, dass dieser plötzlich über Unwohlsein geklagt und einen Rettungswagen benötigt habe.

Die Gruppe floh noch vor
dem Eintreffen der Polizei

Doch damit nicht genug: Als die alarmierten Einsatzkräfte den Hildener im Rettungswagen behandelten, „brachten die Tatverdächtigen durch ruckartige Bewegungen den Rettungswagen derartig zum Schaukeln, dass die Rettungskräfte die Polizei alarmierten. Noch vor Eintreffen der Beamten floh die Gruppe in unbekannte Richtung“, erklärte die Sprecherin weiter.

Hildens Feuerwehrchef Hans-Peter Kremer erklärt, dass randalierende Menschen eher selten Rettungseinsätze behindern. „Wenn, dann weniger mittags, sondern eher nachts“, sagt er. Das liege dann in vielen Fällen am Alkohol. Aber egal, zu welcher Tageszeit so etwas passiert: „Wir rufen in solchen Fällen immer sofort die Kollegen der Polizei“, so Kremer. Die Störer werden für ihre Tat belangt, wenn sie ermittelt werden können. „Wir haben zum Glück einen Innenminister, der die Problematik sehr ernst nimmt“, sagt Kremer. Herbert Reul greife hart durch.

Zuletzt hatten Übergriffe auf Einsatzkräfte in der Silvesternacht für Schlagzeilen gesorgt. So sind in Berlin, aber auch in Erkrath Einheiten von Feuerwehr und Polizei mit Böllern beworfen und mit Raketen beschossen worden. Auch wenn es zum Jahreswechsel in Hilden recht ruhig geblieben ist: Generell hat Kremer den Eindruck, dass die Stimmung gegenüber seinen Rettungskräften in jüngerer Vergangenheit zunehmend aggressiver geworden ist. „Das ist ein Trend, der schon seit Jahren zu beobachten ist. Die Leute denken meistens mehr an sich selbst und ihren eigenen Vorteil“, sagte der Leiter der Hildener Feuerwehr vor einigen Tagen. Vor allem verbale Angriffe seien häufiger zu beobachten, aber auch körperliche Angriffe würden, zwar viel seltener, durchaus vorkommen. „Wir hatten auch schon einen Kollegen mit einem gebrochenen Nasenbein“, erklärt Hans-Peter Kremer. Verbale Angriffe würden manchmal von „kleineren“ Beschimpfungen bis hin zu ernsten Androhungen reichen. In manchen Fällen waren die Rettungskräfte gezwungen, den Einsatz abzubrechen.

Im aktuellen Fall aus Hilden leitete die Polizei ein Ermittlungsverfahren wegen eines versuchten Raubdeliktes ein, und die Kriminalpolizei übernahm die weitere Bearbeitung. Die Störung des Rettungsdienstes sei momentan nicht Gegenstand der Ermittlungen, erklärte die Polizeisprecherin auf Nachfrage. Die Verdächtigen sollen 14 bis 15 Jahre alt gewesen sein. Einer soll dunkle, lockige Haare und einen roten Trainingsanzug, eine Weste und eine Tasche der Marke Louis Vuitton getragen haben, der andere soll ohrlange dunkle, glatte Haare und einen grauen Trainingsanzug und eine Basecap getragen haben. Alle Tatverdächtigen sollen laut Polizei ein arabisches Erscheinungsbild gehabt haben.

Die Polizei bittet Zeugen, die Angaben zur Identität oder zum Tatgeschehen machen können, sich unter Telefon 02103/8986410 zu melden.