IHK-Umfrage im Kreis Mettmann Unternehmen schauen skeptisch in die Zukunft

Hilden, Haan · Die Firmen bewerten in der IHK-Umfrage weder ihre aktuelle Situation noch die Perspektiven positiv.

Die Umsätze in der Bauwirtschaft waren laut IHK in den letzten Monaten weiter rückläufig.

Die Umsätze in der Bauwirtschaft waren laut IHK in den letzten Monaten weiter rückläufig.

Foto: dpa/Christophe Gateau

(Red) Die Wirtschaft im Kreis Mettmann ist laut Industrie- und Handelskammer (IHK) nicht gut ins neue Jahr gestartet: Die Unternehmen bewerteten weder ihre aktuelle Geschäftslage positiv, noch blickten sie zuversichtlich auf den weiteren Jahresverlauf 2024: „Die aktuelle Wirtschaftslage und ihre Entwicklung hemmen die Nachfrageentwicklung. Darüber hinaus werden tiefgreifende strukturelle Probleme des Wirtschaftsstandortes Deutschland immer offenkundiger, die eine rasche Wirtschaftserholung unwahrscheinlich machen“, erklärte IHK-Konjunkturexperte Gerd Helmut Diestler am Donnerstag bei der Vorstellung des IHK-Konjunkturberichtes zum Jahresbeginn 2024. An der IHK-Umfrage beteiligt haben sich 230 Betriebe mit insgesamt 17.250 Beschäftigten.

Nachfragerückgang für 2024
wird befürchtet

So seien beispielsweise die Umsätze in Industrie, Bauwirtschaft und Handel in den letzten Monaten weiter rückläufig gewesen. Und auch für das laufende Jahr befürchten diese Branchen einen anhaltenden Nachfragerückgang, hieß es weiter. Vor diesem Hintergrund halte die bereits im Laufe des vergangenen Jahres verstärkte Investitionszurückhaltung an: „Gut 13 Prozent aller Betriebe planen an ihren hiesigen Standorten im laufenden Jahr überhaupt keine Investitionen. Die übrigen planen zwar zu investieren, jedes dritte dieser Unternehmen will das Budget aber kürzen“, erklärte ein IHK-Sprecher. Nur jedes sechste habe demgegenüber steigende Investitionsausgaben eingeplant.

„Der aktuelle und weiter zu befürchtende Nachfragemangel ist zum einen auf eine unerwartet starke Zurückhaltung der privaten Konsumentinnen und Konsumenten zurückzuführen, zum anderen auf eine stockende internationale Nachfrage. Hinzu kommen weitere Probleme“, erklärte Diestler weiter. Die Probleme reichen demnach von hohen Energiepreisen über Schwierigkeiten in den Staatshaushalten bis hin zu einer wechselhaften und überfordernden Klimapolitik, die auch mit immer mehr Bürokratie verbunden sei. Dieses wirtschaftliche Gesamtbild habe unterschiedliche Auswirkungen in den einzelnen Wirtschaftsbereichen: „So berichten die im Kreis Mettmann bedeutenden Vorleistungsgüterproduzenten unverändert über eine schlechte Geschäftslage, während sich die Lage der Hersteller von Investitionsgütern sogar merklich verbessert hat: Sie sind mit ihren Geschäften aktuell leidlich zufrieden“, erklärte ein IHK-Sprecher.

Von den Dienstleistern befinde sich die gesamte Logistikbranche in einer aktuell sehr angespannten Wirtschaftslage. Sie stehe von allen Seiten unter Druck: Die Nachfrage ihrer gewerblichen Kunden stocke, enormer Preisdruck sei die Folge. Dabei liefen ihre Kosten aus dem Ruder.

Anders sei Lage und Perspektive bei den IT-Dienstleistern, die von der anhaltenden Digitalisierung profitierten, bei den Finanzdienstleistern (Finanzierungsbedarf und gestiegene Zinsspanne) oder der Beratungsbranche (Krisen- und Transformationsberatungen). Besonders schwierig sei die Lage der Einzelhändler im Kreis Mettmann, wobei die Konsumschwäche aber kein regionaler Sonderfall ist.

Energieversorgung und ihre Preise werden als Risiken gesehen

„Aktuell überwiegen allenthalben die Konjunkturrisiken, während die Betriebe uns kaum Chancen beschreiben“, führte Diestler weiter aus. „Die Energieversorgung und ihre Preise bleiben Risiko Nummer 1. Bedenklich stimmt zudem, dass das Vertrauen in die Wirtschaftspolitik immer weiter sinkt.“ Viele Betriebe bemängeln die Wirtschaftspolitik, die sie aktuell kaum als Unterstützung, sondern eher als Belastung empfinden. Besonders verbreitet sei die Sorge in der Bauwirtschaft und unter den Herstellern von Investitionsgütern. „Es steht zu hoffen, dass die Bundespolitik nach Verabschiedung des Bundeshaushaltes und dem ersten Aufschlag der Kraftwerksstrategie einen Weg findet, wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen wieder verlässlicher zu gestalten,“ so Diestler.

(RP)
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